Genom-Editierung: Corteva unterzeichnet ersten großen Vertrag mit europäischer Firma

Die Lizenzvereinbarung wird dem französischen Unternehmen Zugang zu bestimmten CRISPR-Cas9-Patenten verschaffen, die Genombearbeitungswerkzeuge für die landwirtschaftliche Nutzung umfassen. [Shutterstock]

Trotz der anhaltenden Rechtsunsicherheit über die Zukunft neuer Innovationen in der Pflanzenzüchtung in Europa hat das US-Agrarunternehmen Corteva Agriscience im vergangenen Dezember mit dem französischen Saatguthersteller Vilmorin & Cie. seinen ersten großen Vertrag über Genombearbeitungstools unterzeichnet.

Das französische Unternehmen gab am 9. Dezember in einer Pressemitteilung die Unterzeichnung einer Vereinbarung über Genombearbeitungstools mit Corteva Agriscience und dem Broad Institute des MIT und Harvard, einem biomedizinischen und genomischen Forschungszentrum, bekannt.

Die Lizenzvereinbarung wird dem französischen Unternehmen Zugang zu bestimmten CRISPR-Cas9-Patenten verschaffen, die Genombearbeitungswerkzeuge für die landwirtschaftliche Nutzung umfassen.

Vilmorin & Cie habe nun Zugang zu einer breiten Palette von derartigen Tools, „die es dem Unternehmen ermöglichen, seine Fähigkeit zur Entwicklung effizienterer Saatgutsorten zu stärken, um zur Bewältigung der globalen Herausforderungen im Bereich der Lebensmittelversorgung beizutragen“, so das Unternehmen.

'Die Genom-Bearbeitung wird ganz oben auf der nächsten Tagesordnung des Parlaments stehen'

Der genetische mehr als der chemische Schutz von Pflanzen wird in der Landwirtschaft der Zukunft immer wichtiger werden. Dies verdeutlicht allerdings auch die Notwendigkeit, die rechtliche Fallstricke zu lösen, sagte der EU-Abgeordnete Paolo De Castro gegenüber EURACTIV.

Der Deal wird angesichts der laufenden Debatte in Europa über die regulatorische Zukunft der Genom-Editierung als sehr wichtig angesehen. Die Debatte um das Thema heizte sich bereits 2018 auf, nachdem der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden hatte, dass durch neue Pflanzenzüchtungstechniken (NBT) gewonnene Organismen grundsätzlich unter die Richtlinie für genetische veränderte Organismen (GVO) fallen sollten.

„Diese jüngste Lizenzvereinbarung ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir gemeinsam mit einem großen europäischen Marktführer Innovation vorantreiben können, um Nachhaltigkeit und Produktivität zu maximieren“, kommentierte Neal Gutterson, Chief Technology Officer bei Corteva Agriscience.

Nach der umstrittenen Gerichtsentscheidung hatten die EU-Mitgliedsstaaten von der Kommission eine Studie zur Klärung der Situation gefordert.

Umweltschützer hingegen lehnen NBTs als „neue GVO“ entschieden ab. Sie beschuldigen mitunter auch die Agrar- und Lebensmittelindustrie, sie quasi „durch die Hintertür“ in Europa einführen zu wollen, und begrüßten das Gerichtsurteil des EuGH.

Die europäischen Bio-Landwirtschaftsbewegung (IFOAM) sagte kürzlich gegenüber EURACTIV, dass die Gerichtsentscheidung klar sei und dass die EU-Exekutive daher eine koordinierende Rolle bei der Umsetzung des Gesetzes übernehmen solle, um die Entwicklung angemessener Nachweismethoden und -strategien voranzutreiben.

Industrie vs. Bio-Bauern: Sind Zuchttechniken Genveränderung?

Versuche, sogenannte „neue Pflanzenzuchttechniken“ aus der EU-Gesetzgebung über gentechnisch veränderte Organismen auszuschließen, wären „ein schwerer Schlag für Verbraucher, Landwirte und Verarbeiter“, so der europäische Biobauernverband.

Landwirte beschweren sich hingegen darüber, dass die Entscheidung sie daran hindere, innovative Instrumente in der Landwirtschaft einzusetzen, was zu einer geringeren Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Landwirten in anderen Teilen der Welt führe.

In einer Stellungnahme für EURACTIV sprach sich der ehemalige EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis derweil für Geneditierungsmethoden aus und forderte Europa auf, bei der „wissenschaftlich fundierten Pflanzeninnovation“ die Führung zu übernehmen.

Er wies auch darauf hin, dass die Debatte über neue Zuchttechniken intensiv und emotional geführt werde und oft auf „Angst und Schwarzmalerei“ beruhe.

„Oft werden die neuen Züchtungstechniken von ihren Gegnern als ’neue GVO‘ bezeichnet, mit (unwissenschaftlichen!) Bedenken hinsichtlich ihrer Sicherheit. In der europäischen Landwirtschaft werden sie einfach so abgelehnt, sei es aus ethischen oder anderen Gründen […] Ich denke, das ist ein klares Zeichen dafür, dass wir eine ernsthafte Debatte darüber brauchen; mit Fakten auf dem Tisch und einer offenen Diskussion,“ so Andriukaitis in der Stellungnahme.

Vytenis Andriukaitis: Neue Pflanzenzüchtungstechniken brauchen neue Rahmenbedingungen

Die „neuen Pflanzenzüchtungstechniken“ brauchen eine neue EU-Gesetzgebung, die die neuesten fortschrittlichen Technologien berücksichtigt, sagt EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis gegenüber EURACTIV.com.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Britta Weppner]

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