Französische Abgeordnete fordert „Realismus“ in der „Farm to Fork“-Strategie

Neue Technologien, wie Präzisionslandwirtschaft und intelligente Landwirtschaft, werden "nicht ausreichend genutzt", so die Europaabgeordnete Anne Sander. [SHUTTERSTOCK]

This article is part of our special report Innovation, GAP und der Green Deal: Eine komplizierte Kombination?.

Der Teil des Pflanzenschutzes in der bevorstehenden „Farm to Fork“-Strategie (dt. “Vom Erzeuger zum Verbraucher”) sollte einen realistischen und wissenschaftlich fundierten Ansatz verfolgen, der es den Landwirten ermöglicht, „alle möglichen Optionen zu erforschen“, sagte die französische konservative Europaabgeordnete Anne Sander gegenüber EURACTIV.

Wenn wir ehrgeizig sein wollen, fügte die Europaabgeordnete von Les Républicains hinzu, „können wir die neuen Technologien wie Präzisionslandwirtschaft und intelligente Landwirtschaft nicht außer Acht lassen, die heute nicht ausreichend genutzt werden und die für unsere Kulturen sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht als auch in Bezug auf die Nachhaltigkeit vielversprechend sein könnten“.

In Bezug auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Juli 2018, wonach neue Pflanzenzüchtungstechniken grundsätzlich in den Anwendungsbereich der GVO-Richtlinie fallen, betonte Sander, dass dieses Urteil „im Detail analysiert werden und Gegenstand einer gründlichen und ernsthaften Debatte im Europäischen Parlament sein sollte“.

„Es gibt neue Technologien, und wir können sie nicht ignorieren, denn das wäre kontraproduktiv, zumal wenn wir diese Chancen nicht nutzen, werden andere dies an unserer Stelle tun. Wenn wir konkurrenzfähig bleiben wollen, müssen wir Fortschritte machen und alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausloten.”

US-Agrarminister: EU sollte auf Wissenschaftler hören, nicht auf NGOs

Entscheidungsträger der EU sollten wissenschaftlich fundierte Entscheidungen treffen, wenn sie ihren europäischen Landwirten helfen wollen, so Sonny Perdue. Vorsichtiger müsse man seiner Meinung nach hingegen bei der „Angstmacherei“ einiger NGOs sein.

Sander warnte jedoch davor, dass dies sowohl in Bezug auf das Finanz- als auch das Humankapital kostspielig sein könnte. Dieser Bedarf an Investitionen und Ausbildung für unsere Landwirte muss in der Strategie der Kommission berücksichtigt werden.

Da die Europäische Kommission im Frühjahr ihre „Vom Erzeuger zum Verbraucher“-Strategie vorlegen wird, hat sich die Debatte über die Art und Weise, wie die EU-Landwirtschaft die neuen grünen Ziele erreichen wird, bereits als hitzig erwiesen.

In einer Rede auf einer kürzlich abgehaltenen Veranstaltung über integrierten Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung sagte Céline Duroc, die Generaldirektorin des französischen Verbandes der Maiserzeuger, dass Europa bald in eine „technologische Sackgasse in der Landwirtschaft“ geraten werde, die alle innovativen Lösungen erfordert, die uns zur Verfügung stehen, einschließlich neuer Pflanzenzüchtungstechniken (NPBTs).

Sie bezeichnete die Regelung zu den NPBTs als „vage und ungeeignet“ für den „notwendigen ökologisch-technologischen Übergang“ in der Landwirtschaft. Darüber hinaus würde dies zu Unsicherheiten in der landwirtschaftlichen Gemeinschaft führen.

Renew Europe und die "Tabus" in der EU-Landwirtschaft

Die zentristische Gruppe „Renew Europe“ im Europäischen Parlament will im Agrarsektor „Tabus brechen“, wie einer ihrer tschechischen Abgeordneten, Martin Hlaváček, mitteilte.

Die Veranstaltung brachte Experten aus dem Mais- und Zuckerrübensektor zusammen, um bewährte Praktiken und innovative Entwicklungen zu diskutieren und sich auf die ehrgeizigen Ziele des Green Deal und der bevorstehenden “F2F”-Strategie vorzubereiten.

Die Redner hoben die Bedeutung innovativer, wissenschaftlich fundierter Lösungen für die Zukunft des europäischen Agrarsektors hervor, betonten aber auch die Notwendigkeit eines klaren und soliden Regelungsrahmens, der die landwirtschaftliche Realität und Praxis berücksichtigt.

Alexander Krick, stellvertretender Direktor des Internationalen Verbandes der Europäischen Rübenbauern, bemerkte, dass die Mittel der Rübenbauern „zu schnell aufgebraucht werden“ und dass die Landwirte ohne innovative Hilfsmittel „ausgesetzt und anfällig für Schädlinge und Krankheiten“ wären.

Er hob die Bedeutung der Pflanzenzüchtung hervor und erklärte seine „eindeutige Unterstützung“ für neue Planzenzüchtungsmethoden. Dabei erklärte er, dass die neuen Züchtungstechniken bis zu drei bis vier Jahre des durchschnittlichen Zeitrahmens von zehn Jahren für die Züchtung einer neuen Rübensorte einsparen könnten.

Französischer Gerichtshof: Mutagenese-Techniken müssen der GVO-Regulierung unterliegen

Die französische Regierung wurde angewiesen, ihre Politik in Bezug auf Pflanzen, die mit Hilfe einer neuen Pflanzenzüchtungstechnik (NPBT), der sogenannten Mutagenese, entwickelt wurden, anzupassen.

Die Ansichten der Podiumsmitglieder stimmen mit denen der Agrar- und Lebensmittelindustrie und der Landwirte in der EU überein, die Klarheit und wissenschaftlich fundierte Lösungen gefordert haben, um ihre Ziele im Rahmen des Europäischen Green Deal der EU zu erreichen.

Auf die Frage von EURACTIV nach der bevorstehenden „Farm-to-Fork“-Strategie sagte Pekka Pesonen, der Generalsekretär der Landwirtschafts- und Genossenschaftsorganisation COPA-COGECA, dass diese derzeit „nicht sehr zielgenau“ sei und er daher zögere, sich zu spezifischen Elementen der Strategie zu äußern.

Pesonen fügte hinzu, dass die Kommission, wenn es um Pflanzenschutzmittel geht, trotz der Forderung der Landwirte nach Alternativen, „eigentlich keine sehr gute Arbeit geleistet hat, um uns Alternativen in anderen Bereichen wie Biokontrollmaßnahmen oder neue Züchtungstechniken zur Verbesserung des genetischen Materials der Pflanzen zu bieten“.

Die genetische Veränderung ist jedoch nach wie vor ein kontroverses und stark umstrittenes Thema in der EU. NGOs und Gruppen von Anti-Gentechnik-Kampagnen äußerten sich besorgt über die unvorhergesehenen Auswirkungen dieser Technologie.

Italienische Ministerin zeigt sich offen für "nachhaltige Gentechnik"

Italiens Landwirtschaftsministerin Teresa Bellanova hat sich offen für die Entwicklung „nachhaltiger Biotechnologie“ gezeigt.

Martin Sommer, politischer Koordinator im Bereich GVO, Patente und Saatgut beim EU-Bio-Verband IFOAM, sagte im Dezember gegenüber EURACTIV, dass die Genombearbeitung „über das hinausgeht, was die konventionelle Züchtung jahrzehntelang sicher gemacht hat“. Demzufolge können „unerwartete Ergebnisse auftreten“.

Er behauptete daher, dass die Risikobewertungsverfahren „die spezifischen Risiken, die mit den neuen Techniken verbunden sind, berücksichtigen sollten“.

„Die EU ist mit ihrer ausgeklügelten Regulierung weltweit führend, und die Verbraucher verlangen zertifizierte GVO-freie Produkte. Die Nachahmung von Anbausystemen aus dem Ausland, wie China und den USA, ist eindeutig kein gutes Modell für Europa. Es kann von Vorteil sein, etwas vorsichtiger zu sein“.

Genom-Editierung: Corteva unterzeichnet ersten großen Vertrag mit europäischer Firma

Trotz der anhaltenden Rechtsunsicherheit in Europa hat das US-Agrarunternehmen Corteva Agriscience im vergangenen Dezember mit dem französischen Saatguthersteller Vilmorin & Cie. seinen ersten großen Vertrag über Genombearbeitungstools unterzeichnet.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Britta Weppner]

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