Neue Daten sehen Bioethanol als „kosteneffizientes“ Instrument für klimafreundlichen Verkehr

Joao Pacheco, Senior Fellow bei Farm Europe, einem auf landwirtschaftliche Fragen spezialisierten Think-Tank, sagte, der neue Bericht berücksichtige die aktuellen Bedingungen der Biokraftstoffproduktion, die sich stark von denen vor 10 oder 20 Jahren unterscheiden. [Shutterstock/J.J. Gouin]

Nach jahrelangen Investitionen kommt ein neuer Bericht zu dem Ergebnis, dass Bioethanol auf Pflanzenbasis nun als „kosteneffiziente“ Maßnahme zur Reduzierung der CO₂-Emissionen im Straßenverkehr bis 2030 angesehen werden kann.

Der von der Ethanolindustrie in Auftrag gegebene Bericht, der von der Modellierungsfirma E3 durchgeführt wurde, hat das PRIMES-Modell aktualisiert, das von der Europäischen Kommission regelmäßig für ihre Folgenabschätzungen verwendet wird.

Der jüngste Bericht präsentiert die Ergebnisse in einer identischen Weise, wie es bei der PRIMES-Modellierung der Fall ist – mit denselben Experten, Szenarien und demselben Modell. Nun wurden jedoch aktualisierte Markt- und Technologie-Inputdaten verwendet, die das heutige Energiesystem widerspiegeln.

Die Autoren stellen fest, dass mehrere EU-Rechtsvorschriften, darunter die Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II), Hindernisse für die Einführung von Bioethanol darstellen. Zudem fordern sie die EU-Politiker auf, einen Realitätscheck vorzunehmen, insbesondere in Bezug auf die Kosten.

Aus Sicht von Kritiker:innen stützt die Europäische Kommission sich bei ihren Bemühungen zur Dekarbonisierung des Verkehrs auf veraltete Daten.

Quellen aus der Ethanolindustrie kommentierten, dass die EU-Exekutive sich weigere, die Realität zu sehen. Die EU-Kommission berücksichtige nicht die mehrdimensionale Rolle von pflanzenbasiertem Bioethanol bei der Reduzierung von CO₂-Emissionen, der Unterstützung des Agrarsektors und der gleichzeitigen Ermöglichung einer kostengünstigen Lösung.

EURACTIV hat die EU-Exekutive um eine Stellungnahme zu dem Bericht gebeten, aber zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag noch keine Antwort vor.

„Unsere technische Analyse zeigt, dass pflanzenbasiertes Bioethanol eine kosteneffiziente Maßnahme sein kann, um die CO₂-Emissionen des Straßenverkehrs bis 2030 zu reduzieren. Pflanzenbasiertes Bioethanol hat negative Vermeidungskosten, da der Preis von Bioethanol niedriger ist als der höhere Benzinpreis vor Steuern“, heißt es in dem Bericht.

Grafik entnommen aus dem Bericht der Modellierungsfirma E3.

Dem Bericht zufolge wird der niedrigere Preis von Bioethanol nach Berücksichtigung der Gutschriften für Nebenprodukte in erster Linie durch die höhere Nachfrage nach stärkebasiertem Ethanol verursacht.

„Es wird prognostiziert, dass Bioethanol auf Stärkebasis die niedrigsten Produktionskosten aller im Jahr 2030 hergestellten Biokraftstoffe haben wird […] Die Modellierung bestätigt, dass die Aufhebung der Obergrenze für Kraftstoffe auf Pflanzenbasis sich positiv auf die Marktdurchdringung von Bioethanol bis 2030 auswirken wird“, so der Bericht weiter.

Grafik entnommen aus dem Bericht der Modellierungsfirma E3.

Grafik Nummer 2 (Chart two) zeigt, dass die Produktion von fortschrittlichen Biokraftstoffen und Elektrofahrzeugen, die beide von der Kommission vorangetrieben werden, mit hohen Kosten verbunden sind.

Proteine ‚Made in Europe‘

Joao Pacheco, Senior Fellow bei Farm Europe, einem auf landwirtschaftliche Fragen spezialisierten Think-Tank, sagte, der neue Bericht berücksichtige die aktuellen Bedingungen der Biokraftstoffproduktion, die sich stark von denen vor 10 oder 20 Jahren unterscheiden.

„Diese aktualisierte Bewertung zeigt deutlich, dass die Biokraftstoffe der ersten Generation von heute nichts mehr mit denen von gestern zu tun haben. Es wurden Investitionen getätigt und neue Maßnahmen ergriffen, um sie effizienter und nachhaltiger zu machen“, sagte Pacheco.

Derzeit ist die Union von aus Lateinamerika importierten Sojabohnen – einer Quelle der Abholzung – abhängig.

Für den portugiesischen Experten macht die wachsende Nachfrage nach Proteinen zur Erreichung der Ernährungssouveränität in der EU daher die in Europa produzierten Biokraftstoffe der ersten Generation zu einem wichtiger Hebel für die Produktion von Proteinen „Made in Europe“.

Darüber hinaus unterstreicht der Bericht, dass das Konzept der Biokraftstoffe auf Lebensmittelbasis im Kontext der Kreislaufwirtschaft „unbegründet“ sei, da Biokraftstoffe Teil einer Lieferkette sein können, die die Lebensmittelsicherheit stärkt – Proteine, Öle oder Fasern, die auf dem Markt geschätzt werden – und eine Quelle der Stabilität und der Investitionen für Landwirte darstellt.

Eine billigere grüne Option

Pacheco betonte, dass in Europa hergestellte Biokraftstoffe angesichts der Herausforderungen des Green Deal nicht nur ein Motor für die Produktion von gentechnikfreien Proteinen seien, sondern auch ein „erschwinglicher, glaubwürdiger und verfügbarer Hebel, um die Klimaziele der EU zu erreichen“.

„Das von E3 aktualisierte PRIMES-Modell zeigt, dass erneuerbare Energien aus EU-Biomasse aus preislicher Sicht die attraktivste Lösung für die Dekarbonisierung des Verkehrssektors sind, sogar bis 2030“, so Pacheco.

Eine Tonne Kohlenstoff, die bei der Verwendung von Biokraftstoffen nicht emittiert werde, bleibe 2-3 Mal billiger als eine Tonne Kohlenstoff, die bei der Verwendung von Elektrofahrzeugen nicht emittiert werde.

„Das ist ein großer Vorteil, um einen Green Deal zu erreichen, der für alle funktioniert und nicht nur für eine Elite“, fügte er hinzu.

Eric Sievers, Investment and Regulatory Director bei Pannonia Bio, kommentierte, dass die Kosten der wichtigste Faktor für die Entwicklung der Energienachfrage seien. In der Klimapolitik gehe es daher in erster Linie um Kosten.

„Dennoch diskutiert niemand in Brüssel wirklich darüber im Zusammenhang mit dem Fit for 55 und der Dekarbonisierung des Verkehrs. Selbst die zugrunde liegende Folgenabschätzung schweigt zu den Kosten“, sagte er.

Er fügte hinzu, dass die aktualisierten Daten und die Methodik „augenöffnend“ seien.

„Im Gegensatz zu den Behauptungen der Europäischen Kommission zeigt ihr eigenes Modell, dass die kosteneffizientesten Lösungen zur Dekarbonisierung des Straßenverkehrs pflanzliche Biokraftstoffe und fortschrittliches Biomethan waren und sein werden“, schloss Sievers.

[Bearbeitet von Alice Taylor]

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