Biosprit-Hersteller fordern Unterstützung

Der Markt regelt? Biokraftstoff-Hersteller wünschen sich Unterstützung. [Shutterstock/SerPhoto]

Regierungen auf der ganzen Welt müssen dringend gegen den durch die Pandemie verursachten Rückgang der Biokraftstoffproduktion (um 11,6 Prozent) vorgehen, so der Leiter der Abteilung für erneuerbare Energien bei der Internationalen Energieagentur (IEA) im Gespräch mit EURACTIV.com.

Paolo Frankl erklärte, die IEA habe bereits betont, dass die politischen Entscheidungsträger dem Bioenergiesektor mehr Aufmerksamkeit schenken müssten. „Was die BioFuture-Plattform jetzt ausdrücklicher sagt, ist, dass es eine unmittelbare Notwendigkeit gibt, die fünf Prinzipien für die Erholung umzusetzen, die die Plattform bereits im August veröffentlicht hat, um den Biokraftstoffsektor zu unterstützen.“

Die Gründe für den Rückgang des Biokraftstoffs liegen ihm zufolge in der geringeren Nachfrage aufgrund der Pandemie sowie in den niedrigeren Ölpreisen, die einige Märkte getroffen hätten, wie beispielsweise den für Ethanol in Brasilien.

Ein Wiederaufschwung wird für 2021 erwartet, aber selbst dieser könnte aufgrund der in vielen Ländern verhängten zweiten Lockdowns gefährdet sein. „Wenn die Cashflow-Probleme anhalten, werden weniger robuste Unternehmen in Gefahr sein“, warnte Frankl und fügte hinzu, dass auch der Bankensektor eine Rolle zu spielen habe, um dem Biokraftstoffsektor zu helfen, zu überleben und damit den Verkehr zu dekarbonisieren.

Zu den fünf Forderungen der BioFuture-Plattform gehören die Gewährung vorübergehender wirtschaftlicher Erleichterungen für weniger widerstandsfähige Unternehmen, keine Reduzierung der Ziele, die Überprüfung der Subventionsagenda für fossile Brennstoffe, die Festlegung von Umweltbedingungen für Bailout-Rettungsaktionen (insbesondere im Luftfahrtsektor), und die Belohnung von Nachhaltigkeit.

„Letztlich kommt es darauf an, echte Nachhaltigkeit zu haben und weiterhin Politikmaßnahmen zu entwerfen und umzusetzen, die dies zu einem wirklich konkreten Ergebnis führen,“ sagte Frankl.

Alle Optionen nutzen

Mit Blick auf die Elektrifizierung des Verkehrs bis 2030 sagte er, dass die IEA sich zwar für Elektrofahrzeuge ausspreche, dass dies aber nur eine Komponente der Dekarbonisierung des Verkehrs sei und alle nachhaltigen Optionen benötigt würden.

Frankl betonte weiter, dass Elektrofahrzeuge nach wie vor teuer seien und eine angemessene Infrastruktur in Form von Ladestationen sowie ein robustes Stromsystem zu ihrer Unterstützung benötigten. Um die Ziele im Verkehrsbereich zu erreichen, würden darüber hinaus Biokraftstoffe der ersten Generation wie Bioethanol und Biodiesel benötigt, um den Verbrauch fossiler Brennstoffe zu verringern.

Auf EU-Ebene hat die Europäische Kommission in ihrer überarbeiteten Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II) die Biokraftstoffe der ersten Generation bis 2030 auf sieben Prozent begrenzt, während 3,5 Prozent für sogenannte Biokraftstoffe der zweiten Generation oder „fortschrittliche Biokraftstoffe“ reserviert werden sollten.

Für Frankl ist eine harte Trennung zwischen Biokraftstoffen der ersten und der zweiten Generation aus Sicht der Industrie „nicht optimal“. Es gebe Raum für beides. „Die Sektoren sind miteinander verbunden, einige von ihnen haben Synergien […] das ist etwas, was der private Markt und die Unternehmen selbst entscheiden sollten“, forderte er. „Was ohnehin belohnt werden sollte, sind die Nachhaltigkeit und die Umweltleistung über den gesamten Lebenszyklus. Punkt. Dies ist eine recht eindeutige Position der IEA.“

In Bezug auf fortgeschrittene Biokraftstoffe sagte er, diese befänden sich in einem viel früheren Stadium der Reife und bedürften auch bei zweckgebundenen Quoten besonderer Unterstützung. „Es muss eine Periode geben, in der sich diese neuen Technologien entwickeln können. Wenn sie erfolgreich sind, müssen sie zeigen, dass die Kosten gesenkt werden können, dass sie Größenvorteile haben. Wenn sie scheitern, sind sie eben gescheitert. Wir können nicht so tun, als ob alle Technologien immer funktionieren,“ erklärte er.

„Die Herausforderung ist so groß und die Zeit so knapp, dass wir wirklich alle diese Technologien brauchen“, sagte Frankl und fügte hinzu, dass beispielsweise auch der Weltenergieausblick 2020 nahelegt, bis 2030 sowohl konventionelle als auch fortgeschrittene Biokraftstoffe massiv auszubauen.

Europa und die Landnutzung

Das Argument „Nahrungsmittel oder Treibstoff“ sowie die Entwaldung in Drittländern wie Malaysia und Indonesien gehörten zu den Argumenten der EU-Exekutive für den Ausstieg aus den Biokraftstoffen der ersten Generation.

Die Industrie hat beide Argumente hingegen als wissenschaftlich unbegründet zurückgewiesen.

„Palmöl und die Abholzung von Tropenwäldern ist ein sehr ernstes Problem, aber Biokraftstoffe machen nur einen relativ kleinen Teil der Verwendung von Palmöl aus. Das meiste davon geht an die Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie,“ so Frankl.

Eine EU-Methode zur Messung der Nachhaltigkeit ist die sogenannte indirekte Landnutzungsänderung (ILUC) aufgrund von Biokraftstoffen. Aus Frankls Sicht solle die Festlegung guter Nachhaltigkeitsstandards zwar treibende Kraft sein, allerdings müsse man den gesamten Produktzyklus betrachten: „Ich war nie ein Fan der ILUC-Modellierung. Ich habe immer gesagt, dass das eigentliche Thema die nachhaltige Bewirtschaftung von Landnutzungsressourcen ist, egal, wie man sie nutzt. Den Versuch, dies mit hochentwickelten Computern zu modellieren, überlassen wir sehr gerne den Universitäten.“

„Aber in Bezug auf die Politik sollte der Ansatz umgekehrt sein, indem man die Landressource betrachtet und sicherstellt, dass sie nachhaltig ist, was auch immer danach passiert“, sagte Frankl und fügte hinzu, die EU-Debatte über dieses Thema dauere bereits zu lange.

Wenn es ein wirklich radikales Problem mit Rohstoffen aus tropischen Gebieten gebe, sei es besser, ein Verbot auszusprechen, als „raffinierte Berechnungen“ anzustellen.

„Wir arbeiten eng mit Indonesien zusammen, um verschiedene Möglichkeiten zu prüfen, wie sie ihr Biodiesel-Auftragsvolumen erhöhen können, ohne jedoch die Nachhaltigkeit der Ressource zu beeinträchtigen. Das Problem ist also komplex, aber ich denke, es muss mit strengen Standards, gut definiert, transparent und mit zunehmendem Ehrgeiz im Laufe der Zeit gelöst werden.“

In Bezug auf Ethanol sagte Frankl, dass die energietechnischen Aussichten zeigen, dass der Ethanol-Beitrag selbst im Jahr 2050 noch vorhanden sein wird. Er verteidigte den Import von nachhaltigem Ethanol, wie beispielsweise Zuckerrohr-Ethanol, das seiner Meinung nach sehr hohe Gewinne bei den Lebenszyklus-Emissionen im Vergleich zu Benzin aufweist.

Ethanol sei in jedem Fall „auch in Europa ein wichtiger Teil der Dekarbonisierung und der Kraftstoffnachfrage.“

Je mehr die Biokraftstoffproduktion expandiert, fügte er hinzu, desto komplizierter wird die Nachhaltigkeit des gesamten Rohstoffs. Spätestens an diesem Punkt sollten mehr abfallbasierte Rohstoffe zum Einsatz kommen.

„Aber zumindest für dieses Jahrzehnt gibt es eine Expansion, dann wird es eine Abflachung geben. Doch auch in unseren sehr langfristigen Szenarien ist Ethanol aus der ersten Generation immer noch präsent,“ schloss er.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

Unterstützer

Measure co-financed by the European Union

Der Inhalt dieses Berichts oder dieser Veröffentlichung gibt ausschließlich die Meinung des Autors/der Autorin wieder, der/die allein für den Inhalt verantwortlich ist. Die Europäische Kommission haftet nicht für die etwaige Verwendung der darin enthaltenen Informationen.

From Twitter

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN