Biokraftstoffe: EU importiert viel Rest-Öl aus China und von Palmöl-Produzenten

Die NGO T&E findet es "verdächtig", dass große Speiseöl-Lieferungen in die EU gerade aus den wichtigen Palmöl-Produzentenländern Malaysia und Indonesien stammen. [Shutterstock/yortzafoto]

Ein neuer Bericht zeigt auf, dass mehr als die Hälfte des gebrauchten Speiseöls (used cooking oils, UCO), das 2019 in Europa für Biodiesel verwendet wurde, importiert wurde (1,5 von insgesamt 2,8 Millionen Tonnen). Der größte Anteil kommt dabei aus China (34 Prozent). Knapp 20 Prozent stammen aus Malaysia und Indonesien, den weltweit größten Produzenten von Palmöl.

Laut dem am 30. Juni von der NGO Transport & Environment (T&E) veröffentlichten Bericht stieg die Verwendung von UCO für Biodiesel in der EU-27 und im Vereinigten Königreich im Jahr 2019 erneut an, von 2,6 Millionen Tonnen 2018 auf 2,8 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr.

Gebrauchte Speiseöle werden im Rahmen der EU-Richtlinie über erneuerbare Energien doppelt gewichtet, weil sie zur Dekarbonisierung des europäischen Verkehrssektors beitragen können.

Im vergangenen Jahr hatten das Vereinigte Königreich und die Niederlande offizielle Ermittlungen gegen Unternehmen eingeleitet, die angeblich nicht nachhaltiges UCO verkauft hatten, das auch Palmöl enthielt.

EURACTIV.com wurde kürzlich mitgeteilt, dass auch die Europäische Kommission keinen „vollständigen Überblick“ über die Herkunft von gebrauchten Speiseölen hat, die für die Herstellung von in der EU verbrauchtem Biodiesel verwendet werden.

Die aktuelle Erneuerbare-Energie-Richtlinie unterscheidet jedoch nicht zwischen im Inland gesammelten Ölen und solchen, die aus Drittländern importiert werden. Kritiker vermuten, dass ein gewisser Teil Letzterer Palmöl enthält. Dabei hatte die EU den Ausstieg aus dem Palmöl-Import beschlossen, um die Abholzung der Wälder in tropischen Ländern zu verlangsamen.

T&E deutete an, es sei daher verdächtig, dass große UCO-Lieferungen gerade aus Malaysia (zwölf Prozent) und Indonesien (sieben Prozent), den beiden größten Palmölproduzenten der Welt, sowie aus China (34 Prozent) stammen.

„Aufgrund der mutmaßlichen Betrugsfälle – die derzeit untersucht werden – ist es wichtig, diese Importe entlang der Lieferkette genau zu überwachen, um sicherzustellen, dass auch wirklich Speiseöl verwendet wurde,“ fordert Cristina Mestre, Biokraftstoff-Managerin bei T&E, im Gespräche mit EURACTIV.com.

„Dies ist besonders wichtig, da Speiseöle auch andere wichtige Verwendungszwecke außerhalb Europas haben, beispielsweise im Tierfutter,“ so Mestre weiter. Wenn nicht sichergestellt sei, dass tatsächlich ausschließlich Speiseöl verwendet werde, könne dies zu weiterer Abholzung und zur Trockenlegung von Feuchtgebieten führen.

Sie erklärte weiter: „Wenn Speiseöle im EU-Inland beschafft werden und dabei eine klare Herkunftskette verfolgt werden kann, kann UCO im Vergleich zu fossilen Brennstoffen Treibhausgasemissionen einsparen.“ Sie wies jedoch auf die begrenzte Verfügbarkeit von nachhaltigem gebrauchtem Speiseöl für den Verkehrskraftstoffmarkt hin, der auf „robusten Abfallsammelsystemen“ beruhen müsse.

Mestre fordert: „Es gibt keine Klarheit über die verfügbaren nachhaltigen Speiseöl-Mengen. Deshalb sollten die europäischen Länder nicht über die „weiche“ Grenze von 1,7 Prozent hinausgehen, die im EU-Recht festgelegt ist. Andernfalls besteht die Gefahr einer Zunahme importierter Öle mit schwacher Rückverfolgbarkeit.“

Der Branchenverband European Waste-to-Advanced Biofuels Association (EWABA) teilt diese Ansicht nicht: Sein Generalsekretär Angel Alberdi betonte: „Die bestehenden Zertifizierungssysteme machen gebrauchte Speiseöle zu einem der am strengsten regulierten Rohstoffe der Welt, was die Rückverfolgbarkeit bis zum Ursprung betrifft, sei es von einem einzelnen Straßenverkäufer in China oder von einer Fast-Food-Kette mit Hunderten von Restaurants in ganz Europa.“

Alberdi fügte hinzu, dass die Regeln für alle gebrauchten Speiseöle, ob importiert oder nicht, die gleichen seien. Alle Akteure müssten vom Ursprungsort an die von der Europäischen Kommission anerkannten Zertifizierungssysteme einhalten.

[Bearbeitet von Benjamin Fox]

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