Biokraftstoffe: Erneuter Öl-Betrug

Eine neue Untersuchung zum Betrug mit Biokraftstoffen in den Niederlanden hat die Herkunft von importiertem Altspeisefett in der EU wieder einmal ins Rampenlicht gerückt. [Shutterstock/yortzafoto]

Eine neue Untersuchung zum Betrug mit Biokraftstoffen in den Niederlanden hat die Herkunft von importiertem Altspeisefett in der EU wieder einmal ins Rampenlicht gerückt.

Die Untersuchung, die Anfang des Monats vom Inspektionsbüro für Umwelt und Verkehr (ILT) zusammen mit niederländischen Ermittlungsdiensten durchgeführt wurde, führte zu einer Razzia bei einem nicht genannten Biokraftstoffunternehmen. Grund war der Verdacht auf gefälschte Zertifikate für Biodiesel. Demnach seien Kraftstoffe, die nicht nachhaltig produziert wurden, als „Bio“ registriert und als nachhaltiger Kraftstoff verkauft worden.

Derartiges Vorgehen „kann Betrügern große Gewinne einbringen“, sagte ILT-Sprecher Ernst Koelman dem niederländischen Nachrichtenportal DVHN. Eine Reihe von teuren Autos sei beschlagnahmt worden – es bestehe „genügend Grund zur Annahme, dass diese mit illegalen Mitteln beschafft wurden“.

Biokraftstoffe: EU importiert viel Rest-Öl aus China und von Palmöl-Produzenten

Ein neuer Bericht zeigt auf, dass mehr als die Hälfte des gebrauchten Speiseöls (UCO), das 2019 in Europa für Biodiesel verwendet wurde, importiert wurde (1,5 von insgesamt 2,8 Millionen Tonnen).

Gebrauchte Speiseöle (UCO) gelten als abfallbasiert und werden im Rahmen der EU-Richtlinie über erneuerbare Energien zur Dekarbonisierung des europäischen Verkehrssektors doppelt gezählt. Die aktuelle Richtlinie unterscheidet jedoch nicht zwischen im Inland gesammelten und aus Drittländern importierten Ölen. Kritiker vermuten darüber hinaus, dass einige dieser importierten Öle Palmöl enthalten, dessen Ausstieg die EU beschlossen hat, um die Abholzung der Wälder in tropischen Ländern zu verlangsamen.

Im vergangenen Jahr leiteten das Vereinigte Königreich und die Niederlande offizielle Untersuchungen gegen Unternehmen ein, die angeblich nicht nachhaltiges UCO mit Palmöl verkauft hatten.

Im September dieses Jahres leitete die EU-Bürgerbeauftragte einen Prozess bezüglich der Weigerung der Europäischen Kommission ein, der Öffentlichkeit Zugang zu Dokumenten über die Herkunft und die Menge an UCO zu gewähren, die von allen freiwilligen Zertifizierungssystemen für die Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen im Rahmen der Richtlinie über erneuerbare Energien gemeldet werden.

„Betrug mit Biokraftstoffen ist nicht hinnehmbar. Deshalb haben wir in der EU eine strengere Aufsicht über die private Zertifizierung gefordert,“ teilte ein niederländischer Diplomat gegenüber EURACTIV.com mit.

EU-Daten

Die Kommission selbst arbeitet derzeit an der Entwicklung einer EU-weiten Datenbank, mit der komplette Wertschöpfungsketten von der Sammlung und Produktion des Rohmaterials bis zum Brennstoffverbrauch verfolgt werden sollen. Diese wurde speziell für Wertschöpfungsketten konzipiert, die ein hohes Betrugsrisiko bergen. Quellen zufolge soll damit die Rückverfolgbarkeit von Brennstoffen verbessert und die Aufdeckung möglicher Unregelmäßigkeiten erleichtert werden.

Auf Grundlage dieser Daten könnten die Mitgliedsstaaten, die Kommission und die Betreiber dann die Zusammensetzung der von ihnen verwendeten Roh- und Brennstoffe beurteilen.

„Ereignisse wie diese zeigen, dass es noch viel zu tun gibt, um sicherzustellen, dass das gebrauchte Speiseöl, das für Biokraftstoff nach Europa importiert wird, nachhaltig ist“, so Cristina Mestre, Biokraftstoff-Managerin bei der Organisation Transport and Environment. „Wir verfolgen diese Fälle sehr genau und bitten die Kommission und die Mitgliedsstaaten, dafür zu sorgen, dass eine solide Verifizierung und eine nachverfolgbare Produktkette eingerichtet wird, um die betrügerische Verwendung von UCO in Europa künftig zu verhindern.“

NGOs: Kommission muss zwischen guten und schlechten Biokraftstoffen unterscheiden

NGOs haben die Europäische Kommission aufgefordert, bei der Überarbeitung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie eine deutliche Trennlinie zwischen nachhaltigerem Ethanol und ölbasierten Kraftstoffen mit hohem Treibhausgasausstoß zu ziehen.

Sie fügte hinzu, dass eine kürzlich von ihrer NGO durchgeführte Analyse ergab, dass UCO zunehmend aus China, Indonesien und Malaysia importiert wird. „Angesichts des globalen Klimakampfes empfehlen wir Europa hingegen, sich auf einheimische UCO zu konzentrieren, die leichter zurückverfolgt und überprüft werden können,“ so Mestre.

Unter Bezugnahme auf die Ermittlungen in den Niederlanden und Großbritannien betonten die EU-Abfall-Biodieselproduzenten (EWABA) im vergangenen Jahr gegenüber EURACTIV.com: „Ohne dem Ergebnis der Untersuchung vorgreifen zu wollen, unterstützen wir Maßnahmen gegen diejenigen, die gegen die Regeln verstoßen und diese Vorteile nutzen.“ Ebenso wurde festgehalten, „dass die überwiegende Mehrheit der Industrie sich korrekt verhält“.

In einem Meinungsartikel betont die EWABA auch, dass UCO-Biodiesel „am besten zur Dekarbonisierung des Straßenverkehrs“ geeignet sei.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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