Völker, hört die Signale – zur Opel-Werksschließung

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV.COM Ltd.

Opel legt die Autoproduktion in Bochum 2016 still. Bis zu 3.000 Stellen könnten wegfallen. Foto: dpa

Kommentar von Andreas GeigerOpelfahrzeuge in Bochum zu bauen, ist wirtschaftlicher Unfug, schreibt Andreas Geiger in einem Kommentar auf EURACTIV.de. General Motors hat in der Sache völlig Recht. Der wahre Schuldige für die Tränen unterm Weihnachtsbaum sitzt woanders. Und ihn gilt es endlich zu benennen.

Der Autor

" /Dr. Andreas Geiger ist Managing Partner der Lobbykanzlei Alber & Geiger (Brüssel und Berlin) und Autor des "EU Lobbying Handbook".
______________

Nach den Neckermännern und Schlecker-Frauen nun also auch die Opelaner. Aus in Bochum. Großes politisches Bedauern aller Orten. Und ausgerechnet die FDP, vertreten durch Herrn Brüderle, schwingt sich unter Ausblendung aller marktwirtschaftlichen Prinzipien zum Arbeiterführer in der Sache auf.

Dabei hat General Motors völlig Recht in der Sache. Heute Opelfahrzeuge in Bochum zu bauen, ist wirtschaftlicher Unfug. Und keiner der Opelarbeiter würde, wenn er selbst diesen Betrieb sein eigen nennen würde, auch nur eine Sekunde zögern, die Produktion zu schließen und woanders weiterzubauen. Bevorzugt in Osteuropa. Oder noch weiter weg. Alles andere ist Augenwischerei.

Der wahre Schuldige für die Tränen unterm Weihnachtsbaum sitzt woanders. Und ihn gilt es endlich zu benennen. Und zwar auch und gerade von Arbeiterseite. Es sind die Gewerkschaften. Denn während in Bochum die IG Metall nach ihren vergeigten weil inakzeptablen Verhandlungen mit Opel zusieht, wie das Licht ausgeschaltet wird, schickt parallel und zeitgleich Verdi an den deutschen Flughäfen seine Mitglieder in den Warnstreik.

Als ob die Gewerkschaften den Schuss nicht gehört hätten. Aber das haben sie. Sie sagen es nur ihren Mitgliedern nicht. Diese lassen sie in dem Glauben, die gewerkschaftlich gebetsmühlenartig aufgestellten Forderungen nach mehr Geld, mehr Sozialleistungen, weniger Arbeitszeit etc. hätten ihre althergebrachte Umverteilungsberechtigung gegenüber „denen da oben“. Sie sagen ihren Mitgliedern nicht, dass dies die Unwahrheit ist. Sie sagen ihnen zwar, dass sie dies alles tun, um Arbeitsplätze zu sichern. Sie sagen ihnen aber nicht, dass sie damit nur ihre eigenen Funktionärssessel meinen. Wie viele Arbeitsplätze wurden in den warmen Verdi-Büros gestrichen nach den Neckermann- und Schleckerpleiten? Wie viele IG-Metall-Funktionäre müssen ihren Hut nehmen, weil Bochum dicht gemacht wird? Eben. Forderungen aufstellen, die andere den Kopf kosten, kann jeder. Selbst in die Haftung geht von diesen „Genossen“ aber keiner. Sie erwecken bei ihren Mitgliedern den Eindruck, sie seien „einer von ihnen“. Dabei ist der Arbeitgeber und Unternehmer seinen Arbeitern heute viel näher, als jeder Gewerkschaftsfunktionär. Das müssen die Arbeiter endlich begreifen.

Wie schon in Sachen Neckermann und Schlecker, so trifft die Verantwortung auch bei Opel für das jetzige Desaster einzig und allein die Gewerkschaften. Nicht das deutsche Opelmanagement. Nicht die amerikanische Konzernmutter General Motors. Die wären verantwortlich, wenn kein Mensch einen Opel kaufen würde. Dann aber würden sie nicht Bochum zumachen, sondern weltweit alle Opelproduktionen. Das ist aber nicht der Fall. Sie machen Bochum zu, weil es sich nicht lohnt, dort Autos dieses Preissegments weiter zu bauen.

Die Gewerkschaften in Europa waren einmal eine gute und richtige Sache. Die westeuropäischen Gewerkschaftsfunktionäre – und da sind die Deutschen nicht allein – haben aber längst jeden Realitätsbezug verloren. Sie haben verlernt, ihr Modell anzupassen an das Leben. Die Welt ist heute nicht mehr so, wie sie ihren Mitgliedern weismachen wollen. Das Zynische daran ist, dass sie damit ausgerechnet jenen Menschen schaden, die sie zu schützen vorgeben. Und die auf diesen Schutz vertrauen. Es ist an der Zeit, dass die Arbeiter sich erheben. Nicht gegen ihren Arbeitgeber, sondern gegen den Feind in ihrem Bett. Denn einmal abgewanderte Arbeitsplätze kommen nicht zurück.

Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 10 Uhr Newsletter.