Für Mittel- und Osteuropa wird 2014 wirtschaftlich ein sehr gutes Jahr werden, prophezeit eine Raiffeisen-Studie. Vor allem Polen, Tschechien und die Slowakei schwingen oben aus und profitieren vom Konjunkturmotor Deutschland. Gedämpfter sind die Erwartungen für Russland und die Ukraine.
"2014 steht in Europa, aber auch global gesehen, ganz im Zeichen der Konjunkturerholung. Für die Euro-Zone bringt das neue Jahr mit Basel III nicht nur eine Vielzahl von neuen Regelungen, sondern mit Lettland auch ein neues Mitglied. Auf den globalen Märkten kommt es durch den Rückzug des amerikanischen Anleihenkaufprogramms zu einem Ende der Liquiditätsschwemme. Die Emerging Markets außerhalb Europas dürften im ersten Quartal tendenziell hinter den etablierten Märkten zurückbleiben. Allerdings wird die Entwicklung differenziert ausfallen, denn reformorientierte Länder werden weiterhin höhere Performancegewinne aufweisen", schreibt Peter Brezinschek, Leiter von Raiffeisen Research der Raiffeisen Bank International AG in einer aktuellen Publikation zu den Themen "Strategie Globale Märkte" und "Strategie Österreich & CEE".
BRIC Staaten bleiben vorerst wachstumsschwach
"Für die BRIC-Staaten sehen wir keine nennenswerte Wachstumsverbesserung aufgrund einsetzender Strukturänderungen in den nächsten zwölf Monaten. Wir erwarten den Höhepunkt der globalen Wachstumsdynamik Anfang 2015, weshalb die korrespondierenden BIP-Schätzungen für jenes Jahr über dem Potenzialwachstum liegen sollten. Auffallend ist auch, dass die Wachstumsdifferenzen innerhalb der Eurozone abnehmen sollten", so Brezinschek weiter.
Österreich: Konjunkturelle Durststrecke überwunden
Nachdem die österreichische Volkswirtschaft im zweiten Halbjahr 2012 sowie im ersten Halbjahr 2013 so gut wie nicht vom Fleck gekommen ist, setzte im dritten Quartal 2013 eine zaghafte Konjunkturbelebung ein. Erstmals seit Anfang 2012 steuerten dabei Bruttoanlageinvestitionen, privater und vor allem staatlicher Konsum einen höheren Beitrag zum BIP-Wachstum pro Quartal bei als der Außenhandel, der zuvor als maßgebliche Wachstumsstütze fungierte. Die sichtbare Tendenz einer sich belebenden Binnennachfrage bei gleichzeitig geringer werdender Abhängigkeit vom Außenhandel sollte auch in den kommenden Quartalen das konjunkturelle Bild prägen. "Für die kommenden Quartale rechnen wir mit einer weiteren Belebung der Konjunkturdynamik. Der konjunkturelle Höhepunkt dürfte dabei im Winterhalbjahr 2014/2015 erreicht werden. Für das Jahr 2014 gehen wir von einer Wachstumsbeschleunigung auf 1,5 Prozent nach erwarteten 0,3 Prozent in 2013 aus, gefolgt von 2,3 Prozent im Jahr 2015", so die optimistischen Wachstumsaussichten Brezinscheks für Österreich.
Zentraleuropa als neuer Wachstumsführer
Gegenüber den letzten Jahren hat sich das Konjunkturbild deutlich verschoben. War seit dem letzten Aufschwung die GUS-Region (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten) mit den stärksten Wachstumszahlen unterwegs, verschiebt sich die Wachstumsdynamik seit Sommer 2013 in Richtung Zentraleuropa. Hier nehmen vor allem Polen, Tschechien und die Slowakei eine führende Rolle ein. "Während wir für Zentraleuropa von einem Wachstum von rund 2,3 Prozent in 2014 ausgehen, bleiben die Wachstumsaussichten in der GUS-Region weiter verhalten. Vor allem Russland mit nur 1,7 Prozent und die Ukraine mit einem Nullwachstum bleiben hinter den Erwartungen. Den Hauptgrund darin sehen wir in der mangelnden Modernisierung der Industrie außerhalb des Öl und Gas Sektors. Auch die Forcierung hochwertiger Güterproduktion für Konsumzwecke und die Umlenkung der Kapitalabflüsse in inländische Bruttoanlageinvestitionen sind unzureichend", analysiert Brezinschek die Gründe für das schwache Wachstum in der GUS-Region. Für die Wachstumsführerschaft in Zentraleuropa sieht er dabei vor allem zwei Effekte maßgeblich: "Zentraleuropa profitiert von den engen wirtschaftlichen Verflechtungen zu Deutschland, das der Konjunkturmotor der Eurozone ist. Darüber hinaus haben diese Länder ihre Industrie wettbewerbsfähig gemacht und können mit niedrigen Lohnstückkosten auch gegenüber Importen punkten.
Zweifel am "Fahrplan" der US-Notenbank (FED)
Im Mai angedeutet, im September zurückgezogen, ist die Entscheidung zum Rückzug aus dem US-Anleihenkaufprogramm nun definitiv gefallen. Geplant ist eine schrittweise Einschränkung des Anleihenkaufprogramms, sodass dieses im vierten Quartal 2014 abgeschlossen sein sollte. Für 2014 ist noch eine Bilanzausweitung um 450 Milliarden US-Dollar, also von rund 3 Prozent des BIP, geplant. "Wir haben nach wie vor erhebliche Zweifel am Fahrplan der FED zur Normalisierung der Geldpolitik. Grund dafür ist, dass sich die US-amerikanische Konjunktur 2014 deutlich besser entwickeln wird als im abgelaufenen Jahr. Die Arbeitslosenquote dürfte damit weiter sinken und in der Folge sollte der Lohnauftrieb zunehmen. Der vorab festgelegte Schwellenwert der Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent wird bereits für das vierte Quartal 2014 erwartet. Obwohl die FED eine Zinsanhebung erst für das zweite Halbjahr 2015 signalisiert, rechnen wir dennoch mit einem ersten Zinsschritt bereits Anfang 2015", sieht Brezinschek die aktuellen Aussagen der Fed skeptisch.
Herbert Vytiska (Wien)

