Sogar die Griechen schöpfen ganz vorsichtig Hoffnung

Die aktuellen Ereignisse können eine Herausforderung oder Chance sein, so die spanischen Landwirtschaftskooperativen. [Foto: dpa (Archiv)]

In vielen Ländern Europas rechnen die Verbraucher in den kommenden Monaten mit steigenden Einkommen – wenn auch häufig auf sehr niedrigem Niveau. Die Deutschen erwarten indes deutlich höhere Löhne. EURACTIV.de dokumentiert die Ergebnisse des GfK Konsumklima Europa und USA.

Der Indikator bleibt überwiegend konstant oder steigt sogar an. Die niedrigsten Werte verzeichnen Portugal (-33,7 Punkte), Griechenland (-48,0 Punkte) und Italien?(-68,0 Punkte). Mit steigenden Einkommen rechnen die Österreicher (-1,0 Punkte), die Rumänen (1,6 Punkte) sowie die Deutschen?(40,1 Punkte). Der Durchschnitt in der Europäischen Union liegt bei -43 Punkten. Die USA weisen ein Niveau von 14,7 Punkten auf.

DEUTSCHLAND

Die Deutschen erwarten auch weiterhin eine Steigerung ihrer Einkünfte. Das im März mit 34,3 Punkten schon sehr hohe Niveau des Indikators ist bis Juni noch einmal auf 40,1 Punkte gestiegen.

Grund dafür sind die sehr guten Rahmenbedingungen. Auch wenn die Konjunkturerwartung zuletzt deutliche Einbußen hinnehmen musste, hält sich das Wirtschaftswachstum mit prognostiziert knapp einem Prozent für das Jahr 2012 auf einem vergleichsweise guten Niveau. Entscheidend ist, dass die Arbeitslosigkeit weiterhin zurückgeht und mit 6,6 Prozent derzeit den niedrigsten Wert seit 1991 erreicht hat.

Hinzu kommen hohe Tarifabschlüsse über alle Branchen hinweg. Auch der Inflationsdruck hat zuletzt nachgelassen. Die Preissteigerung für die Lebenshaltung ist im Mai unter die psychologisch wichtige Schwelle von zwei Prozent gesunken. Vor allem die Benzinpreise – ein in Deutschland psychologisch sehr wichtiger Faktor – gingen zuletzt wieder deutlich zurück. Dadurch sehen die Konsumenten ihre Kaufkraft gestärkt.

SPANIEN

Die Einkommenserwartung ist in Spanien in den vergangenen Monaten insgesamt betrachtet relativ stabil auf einem sehr niedrigen Niveau geblieben. Im März lag der Indikator bei -29,7 Punkten, im Juni bei -32,9 Punkten. Allerdings ist sie im Mai kurzfristig auf -43 Punkte abgesackt.

Das drängendste Problem Spaniens ist die hohe Arbeitslosigkeit. Sie liegt inzwischen bei knapp 25 Prozent. Das ist der höchste Wert in einem Industrieland weltweit. Insgesamt glauben 60 Prozent der Arbeitslosen – egal ob jung oder alt –, dass es in den nächsten zwölf Monaten sehr unwahrscheinlich oder absolut unwahrscheinlich ist, einen Job zu finden.

Durch die hohe Arbeitslosigkeit steigen auch die Staatsverschuldung und damit das Staatsdefizit immer weiter. Die Forderung der Europäischen Kommission an Spanien, die Verbrauchssteuern zu erhöhen, zeigt inzwischen offenbar Wirkung. Das Finanzministerium hat beschlossen, für eine Reihe von Produkten eine höhere Mehrwertsteuer zu erheben. Dies gilt unter anderem für Hotelunterkünfte, Transportkosten, Kinobesuche oder Lebensmittel, für die statt des ermäßigten Satzes von derzeit 8 Prozent künftig der Basissteuersatz von 10 Prozent gelten wird.

Dies schlägt natürlich auf die Kaufkraft der spanischen Verbraucher durch. Das ohnehin schon geringe Einkommen wird wohl noch weniger wert.

TSCHECHIEN

Nachdem sich die Einkommenserwartung der tschechischen Verbraucher bis Januar leicht erholt hatte, sackte sie wegen der sich verschärfenden Finanzkrise bis Mai auf -42,7 Punkte ab. Im Juni konnte sie sich erstmals wieder erholen und steht aktuell bei -24,5 Punkten.

Ein Grund für die Erholung dürfte die saisonal bedingte positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sein. Die Arbeitslosigkeit liegt aktuell bei 6,7 Prozent. Allerdings dürfte dieser Anstieg nur von kurzer Dauer sein.

Die tschechische Wirtschaft ist im zweiten Quartal in die Rezession abgerutscht. Für das Jahr 2012 wird insgesamt nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent gerechnet. Zudem hat die Regierung kürzlich eine Anhebung der Mehrwertsteuer ab Anfang 2013 von 14 Prozent auf 15 Prozent beziehungsweise von 20 Prozent auf 21 Prozent beschlossen.

Auch die Inflation liegt derzeit mit 2,7 Prozent über der als kritisch angesehenen Grenze von 2 Prozent.

Außerdem sollen im Zuge der Reformagenda Tausende Beamte aus dem öffentlichen Dienst entlassen werden. Diese Entwicklungen sind dafür verantwortlich, dass die Tschechen nicht mit einer Erhöhung ihrer Löhne und Gehälter sowie einer verbesserten Kaufkraft rechnen.

GRIECHENLAND

Die Einkommenserwartung der Griechen hat sich in den vergangenen Monaten von ihrem tiefsten Wert in diesem Jahr?(-66,6 Punkte im Februar 2012) auf aktuell -48 Punkte verbessert. Die Talsohle scheint vorerst durchschritten zu sein. Die Situation ist jedoch nach wie vor äußerst kritisch.

Die Arbeitslosigkeit liegt mittlerweile bei über 22 Prozent. Viele Bürger, die ihren Job noch haben, werden seit Monaten nicht mehr bezahlt. Die Wirtschaft verharrt tief in der Rezession und eine Besserung ist nicht in Sicht.

Die Griechen hegen jedoch offensichtlich die Hoffnung, dass nach den erneuten Wahlen im Juni (die erst nach dem Befragungszeitpunkt der Studie stattfanden) eine regierungsfähige pro-europäische Regierung an die Macht kommt. Sie soll in Verhandlungen mit der Troika erreichen, dass Griechenland bei der Erfüllung der Auflagen für die Hilfsmillionen mehr Zeit gelassen wird.

Hinzu kommt die Hoffnung, dass die begonnenen Reformen schließlich doch greifen und sich die Wirtschaft ganz langsam wieder erholen kann. Zudem wird derzeit die Kaufkraft der Verbraucher aufgrund fallender Preise vor allem bei Lebensmitteln und Elektrogeräten gestärkt.


(Wird morgen mit dem Kapitel Anschaffungsneigung fortgesetzt.)


Hintergrund

Die GfK ist eines der größten Marktforschungsunternehmen weltweit. Ihre mehr als 11.500 Mitarbeiter erforschen, wie Menschen leben, denken und konsumieren. Sie liefert in über 100 Ländern das Wissen, das Unternehmen benötigen, um ihre Kunden zu verstehen. Im Jahr 2011 betrug der Umsatz der GfK 1,37 Milliarden Euro.


Link

Bisher auf EURACTIV.de erschienen: (I) Verschärfung der Bankenkrise dämpft Europas Entwicklung (17. Juli 2012) 

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