Die EU-Kommission wird Ende März ein Grünbuch zum Glücksspiel vorlegen. Im Interview mit EURACTIV erklärt Khalid Ali, Generalsekretär der European Sports Security Association (ESSA), warum Online-Wettanbieter zu einer Branche gehören, die sich Regulierung wünscht.
Khalid Ali, Generalsekretär der European Sports Security Association (ESSA), erhofft sich von dem Grünbuch, das EU-Kommissar Michel Barnier bereits vor mehreren Monaten angekündigt hat, einen funktionierenden Binnenmarkt und mehr Wettbewerb. "Das Internet kennt keine Grenzen und wir brauchen in Europa ein Umfeld, in dem wir florieren können. Es ist nicht wichtig, wie lange es dauert, sondern dass es richtig gemacht wird." Die Angst staatlicher Wettanbieter vor Marktverzerrungen sei unbegründet.
Ali zufolge stammen die größten Online-Wettanbieter aus Europa. Die Entwicklung neuer Standards, Sicherheitsmechanismen und Technologien wie das Live-Streaming von Spielen würde die Stärke der Europäer ausmachen. Hierdurch hätte man ein völlig neues Publikum erschlossen.
Online-Wetten seien "Europas heimliche Erfolgsgeschichte". Die Menschen würden das nur nicht immer sehen wollen. Insbesondere in Europa seien viele "moralistisch", sobald es um Wetten ginge, so Ali. Entweder würde man diese verabscheuen, sich nicht für sie interessieren oder sie gehörten wie in Großbritannien zur Kultur. Daher wolle man klar machen, dass die Mitglieder der ESSA verantwortungsbewusste und lizensierte Akteure sind.
"Online kann man alles zurückverfolgen"
Der staatliche Sportwettenanbieter Oddset verlor in der Affäre um den deutschen Schiedsrichter Robert Hoyzer Millionen, Online-Wettanbieter hingegen keinen Cent. "Denn Online kann man alles zurückverfolgen", erklärt Ali. Jeder, der ein Online-Wettkonto anlegt, müsse Details zu Kreditkarte und Pass angeben. Manche Online-Anbieter hätten zudem eigene Abteilungen, die die Identität ihrer Kunden überprüfen.
Ihre Kunden so gut wie möglich zu kennen, sei für Wettanbieter überlebensnotwendig: Manipulierte Spiele sind für Sportverbände ein Imageschaden, für Wettanbieter bedeuten sie den finanziellen Ruin, so Ali. "Niemand will auf manipulierte Spiele wetten."
Frühwarnsystem für manipulierte Spiele
Die führenden Online-Wettfirmen zogen daher aus dem Wettskandal um Hoyzer Konsequenzen: 2005 gründeten sie die ESSA und richteten damit ein Frühwarnsystem für manipulierte Spiele ein.
Wenn etwa auffällig viel auf ein schwächeres Team gewettet wird, obwohl der Preis fällt, wenn Wetten innerhalb einer kurzen Zeitspanne eintreffen oder alle aus ein und derselben Gegend stammen, greift das Frühwarnsystem. Die ESSA überprüft verdächtige Konten und versucht, die Ursachen für die Unregelmäßigkeiten zu ermitteln.
"Erst wenn wir ausreichend Beweise haben, informieren wir die entsprechenden Sportverbände. Sie entscheiden, wie es weitergeht. Wir schlagen mithilfe der Track-and-Trace-Technologie unserer Mitglieder nur Alarm und frieren verdächtige Konten ein", so Ali.
Von den Sportverbänden wünscht sich Ali allerdings mehr Feedback. "Wenn wir ihnen Informationen zur Verfügung stellen, wollen wir auch wissen, was damit passiert."
Da nur Spieler und Schiedsrichter letztlich das Ergebnis eines Spiels in der Hand haben, hat die ESSA gemeinsam mit der European Gaming and Betting Association (EGBA) und Sportlern einen Verhaltenskodex zum Thema Sportwetten erarbeitet. "Damit die Spieler um ihre Rolle und Verantwortung wissen und nicht etwas Dummes tun, das ihrer Karriere schadet." Die Devise laute hier: Abschreckung.
ssc
Das vollständige Interview (auf Englisch) finden Sie hier.
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