Nehmen die G20 Schattenbanken ins Visier?

Willemstad ist die Hauptstadt Curaçaos (Niederländische Antillen). Die Karibik-Insel ist nicht nur bei Touristen beliebt, sondern auch bei Hedgefonds-Managern wie George Sorros. Foto: Klaus Brüheim / pixelio.de.

Hedgefonds, Zweckgesellschaften und Geldmarktfonds operieren oftmals unreguliert in Steuerparadiesen. Das System der „Schattenbanken“ umfasst mittlerweile 60 Billionen US-Dollar. Im Zuge neuer Bankenregeln könnte sich der Sektor noch weiter aufblähen, warnen Finanzaufseher.

Der Finanzstabilitätsrat (FSB) empfiehlt, Schattenbanken stärker zu regulieren und zu überwachen. Mit Schattenbanken sind Unternehmen gemeint, die zwar Finanz- und Kreditgeschäfte betrieben, allerdings keine Kreditinstitute sind. Die Aufseher fürchten, dass die stärkere Regulierung der normalen Geldhäuser Schattenbanken für Investoren noch attraktiver macht und dies ihre Bemühungen unterhöhlt.

Wie aus den FSB-Empfehlungen (27. Oktober 2011) hervorgeht, umfasst das Schattenbanken-System weltweit 60 Billionen US-Dollar, und ist damit seit der Finanzkrise 2007 nicht geschrumpft. Während Schattenbanken in Deutschland nur zehn Prozent des Finanzsektors ausmachen, haben sie etwa in den USA die Banken im Stellenwert bereits überrundet.

Der FSB, dem Aufsichtsbehörden und Zentralbank-Experten aus 24 Ländern angehören, wurde im November 2010 von den G20-Staaten beauftragt, sich der Regulierung des Schattenbanenksektors zu widmen. 

"Systemische Risiken"

Bisher haben die Regulierer kaum eine Handhabe gegen Hedgefonds, Geldmarktfonds und andere Finanzinvestoren. Schattenbanken sind oft in Steuerparadiesen gemeldet und agieren dort weitgehend unreguliert. Der Hedgefonds Quantum Endowment Fund von US-Starinvestor George Soros hat seinen Sitz beispielsweise auf den Niederländischen Antillen. Im Krisen jahr 2009 erwirtschaftete der Fonds einen Gewinn von 3,3 Milliarden US-Dollar.

Von Schattenbanken gehen laut FSB systemische Risiken aus, etwa wenn sie Liquidität aus dem Markt nehmen oder Finanzhebel erzeugen. Der FSB will außerdem untersuchen lassen, welche Risiken vom Scheitern einzelner Akteure im Schattenbankensystem für die regulierte Finanzwirtschaft ausgehen. 

Der FSB drängte zuletzt auf eine höhere Eigenkapitalausstattung der systemisch wichtigsten Finanzinstitute, der sogenannten Global Systemic Important Financial Institutions (G-SIFIs). Entsprechende Vorschläge will der Rat auf dem kommenden G20-Gipfel im November im französischen Cannes unterbreiten (EURACTIV.de vom 7. Oktober 2011). 

awr mit EURACTIV/rtr

Links

Dokumente

Finanzstabilitätsrat (FSB)

Progress report from the FSB, IMF and BIS on macroprudential policy tools and frameworks (27.Oktober 2011)

FSB report with recommendations to strengthen oversight and regulation of shadow banking (27. Oktober 2011)

Press Release on an FSB  report with recommendations to strengthen oversight and regulation of shadow banking (27.Oktober 2011)

Mehr zum Thema auf EURACTIV.de

"Too big to fail"-Dilemma: Finanzaufseher fordern neue Regeln (7. Oktober 2011)

EU-Parlament: Strengere Regeln gegen Spekulanten (5. Juli 2011)

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