Lettland will den Euro

Nachdem Estland 2011 den Euro eingeführt hat, will nun auch Lettland der Währungsunion beitreten. Foto: Bundesministerium für Finanzen

Lettland will der Euro-Zone beitreten – dies hat das Regierungskabinett beschlossen. Trotz der Krise setzt das baltische Land sein Vertrauen in die Gemeinschaftwährung. Daran hat sich seit einem Interview mit dem Wirtschaftsminister Daniels Pavluts für EURACTIV.de absolut nichts geändert.

Lettland hat am Montag (4. März) beschlossen, sich um den Beitritt zur Euro-Zone zu bewerben. Regierungschef Valdis Dombrovskis, Finanzminister Andris Vilks und Notenbankchef Ilmars Rimsevics unterzeichneten den Antrag dazu.

Um der Euro-Zone beitreten zu können, benötigt Lettland eine Beurteilung durch die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB). Auf Grundlage des Konvergenzberichtes der Kommission und der EZB  werden dann die EU-Finanzminister wahrscheinlich im Juli über den Antrag entscheiden. Kommissionssprecher Simon O’Connor erklärte gegenüber EURACTIV, dass der Konvergenzbericht im Frühling zu erwarten sei.

"Dieser Tag wird in die lettische Geschichte eingehen", so Vilks nach der Unterzeichnung des Antrags. Dombrovskis sagte, Lettland werde vom Euro durch mehr Investitionen und weniger Kosten beim Währungstausch profitieren. Zudem werde der Euro dabei helfen, soziale Probleme zu verringern.

Bevölkerung will eigene Währung behalten 

Lettland hatte seine Währung nach dem EU-Beitritt 2004 an den Euro gekoppelt. Infolge der Wirtschaftskrise 2008 schrumpfte die Wirtschaft des Landes um ein Fünftel. Lettland konnte jedoch von einem Rettungspaket der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Jahr 2009 profitieren. Nun will es seinem baltischen Nachbarn Estland, das den Euro 2011 eingeführt hat, als 18. Euro-Land nachfolgen.

Viele lettische Hypotheken sind in Euro, was eine Verringerung des Währungsrisikos bedeuten würde. Die meisten Experten sehen langfristig im Euro ein geringeres Risiko als im lettischen Lats. Das Land ist zudem daran interessiert, seine Beziehungen zu Westeuropa zu festigen, um so Russland auf Abstand zu halten.

Viele Letten sind jedoch besorgt, dass durch den Euro die Preise steigen und Lettland die Kontrolle über seine Wirtschaft verlieren könnte. Dombrovskis hofft, dass sich die öffentliche Meinung ändert, wenn das Beitrittsdatum näher rückt. Deshalb plane er auch kein Referendum.

Aufschwung, aber trotzdem arm

Die Begeisterung für einen Euro-Beitritt ist in Mittel- und Osteuropa seit den Problemen in Griechenland stark gesunken. Durch das entschlossene Handeln der EZB im vergangenen Jahr, stehen die Beitrittspläne allerdings wieder auf der Tagesordnung Polens, der größten Volkswirtschaft in der Region.

Tschechien und Ungarn bleiben weiterhin skeptisch, während Rumänien und Bulgarien noch weit davon entfernt sind, die Maastricht-Kriterien zu erfüllen. Litauen kündigte die Einführung des Euros für 2015 oder 2016 an.

Bereits vor knapp anderthalb Jahren hatte der lettische Wirtschaftsminister Daniels Pavluts in einem Interview mit EURACTIV.de in Berlin betont, dass sein Land 2014 den Euro wolle. Trotz aller Krisen gebe es keinen Grund für Lettland, das Euro-Ziel in Frage zu stellen. "Lettland will helfen, das Überleben der Eurozone zu sichern", sagte der Minister zu EURACTIV.de. "Natürlich kommt es stark auf Deutschland an, es darf aber nicht mit der Belastung und den Entscheidungen an der Front allein gelassen werden."

EURACTIV.com (Brüssel)
Übersetzung: Othmara Glas

Links


EURACTIV Brüssel:
Latvia formally applies for eurozone membership (5. März 2013)

EURACTIV.de: Interview mit Wirtschaftsminister Daniels Pavluts: "Trotz allem: Lettland will 2014 den Euro" (5. Dezember 2011)

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