Kommission überzeugt die Märkte: Erste Recovery-Anleihen ausgegeben

Johannes Hahn, EU-Kommissar für Haushalt und Verwaltung: "Heute haben wir ein wichtiges Zwischenziel bei der Umsetzung von NextGenerationEU erreicht." [EU-Kommission]

Die Europäische Kommission hat am Dienstag (15. Juni) per Anleihenverkauf 20 Milliarden Euro an den Märkten eingenommen, um mit der Finanzierung des EU-Konjunkturprogramms beginnen zu können.

Fast ein Jahr nachdem sich die EU-Staats- und Regierungschefs auf die Einrichtung des EU Recovery Fund geeinigt hatten, konnte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gestern das Erreichen eines ersten Meilensteins feiern. „Heute ist ein wahrhaft historischer Tag für die Europäische Union. Wir haben die erste Mittelbeschaffung für NextGenerationEU erfolgreich durchgeführt,“ zeigte sie sich zufrieden.

Bei der ersten sogenannten syndizierten Emission überstieg die Nachfrage das Angebot deutlich: „Das endgültige Orderbuch wies einen Überschuss von 142 Milliarden Euro auf, was bedeutet, dass die Anleihe mehr als sieben Mal überzeichnet war,“ teilte die Kommission mit. Man zahle Zinsen von unter einem Prozent.

Der Appetit der Investoren war dabei allerdings geringer als das Rekordvolumen von 230 Milliarden Euro, das im vergangenen Oktober beim ersten Anleiheverkauf zur Finanzierung des SURE-Mechanismus zur Unterstützung der Arbeitnehmenden nachgefragt wurde. Dieses Paket enthielt Anleihen mit Laufzeiten von 10 und 20 Jahren.

EU kann mit Aufnahme gemeinsamer Schulden für Corona-Hilfsfonds starten

Die EU-Kommission kann mit der Aufnahme gemeinsamer Schulden zur Finanzierung des 750 Milliarden Euro schweren Corona-Hilfsfonds beginnen.

EU-Haushaltskommissar Johannes Hahn sagte gestern, die erfolgreiche Emission sei der größte Betrag, der von der EU oder einer anderen supranationalen Organisation jemals auf einen Schlag aufgenommen wurde. Die eingenommenen 20 Milliarden Euro liegen auch deutlich über dem Betrag von etwa 12,5 Milliarden Euro, den die Kommission eigentlich zur Finanzierung des Rettungsfonds pro Monat eingeplant hatte.

Käufer-Institutionen

Mehr als 50 Prozent der Käufer sind in der EU ansässig, erklärte Hahn weiter. Darunter seien etwa 25 Prozent Zentralbanken, 37 Prozent Pensionsfonds und elf Prozent Versicherungsfonds. Der österreichische Kommissar zeigte sich zufrieden mit dem Interesse der Langfristinvestoren.

Insgesamt sieben Banken beteiligten sich an dem syndizierten Verkauf, bei dem Finanzinstitute dafür bezahlt werden, große Käufer anzuziehen. Diese Konsortialführer waren BNP Paribas, DZ BANK, HSBC, IMI-Intesa Sanpaolo und Morgan Stanley. Weitere Unterstützung gab es von der Danske Bank und Santander.

Die Kommission beschloss allerdings auch, zehn Banken aufgrund offener Fragen im Zusammenhang mit ihrer Verwicklung in frühere Kartellfälle von der Teilnahme auszuschließen. Die Liste der ausgeschlossenen Banken umfasst unter anderem JPMorgan, Citigroup und die Bank of America. Hahn teilte mit, die Kommission werde die von diesen Banken jeweils vorgeschlagenen Korrekturmaßnahmen bewerten und „so schnell wie möglich“ handeln.

Schließlich hat auch die EU-Exekutive Interesse daran, in den kommenden Jahren weitere Großbanken für den historisch beispiellosen Anleiheverkauf an Bord zu holen.

ESM-Chef Regling: Investoren "besorgt" über langsame Umsetzung des Recovery Funds

Die EU-Gelder aus dem 750 Milliarden Euro schweren Recovery Fund sollen noch vor dem Sommer an die Mitgliedsstaaten fließen. Dennoch seien Investoren „besorgt“ über die Geschwindigkeit der Umsetzung, warnte der ESM-Chef.

Die 800 Milliarden Euro, die zur Finanzierung von NextGenerationEU bis 2026 benötigt werden, werden zusammen mit den 90 Milliarden, die bereits an den Märkten für SURE aufgenommen wurden, die EU zum größten supranationalen Schuldner machen. Sie steht dann in Sachen Schuldenemission auf Augenhöhe mit Staaten wie Deutschland oder Spanien.

Etwa 30 Prozent des Recovery Fund sollen über sogenannte grüne Anleihen finanziert werden – sobald der Block sein Rahmenwerk für eben diese Art von Anleihen veröffentlicht hat. Dies soll im September erfolgen.

Weitere Runden & erste Prüfungsabschlüsse

Die Kommission will vor der Sommerpause noch zweimal an die Märkte gehen. Insgesamt rechnet die EU-Exekutive damit, bis zum Jahresende Anleihen im Wert von 80 Milliarden Euro zu emittieren, dazu kommen noch Schatzanweisungen.

Mit diesen Verkäufen sollen die ersten Überweisungen der EU-Konjunkturmittel an die Mitgliedsstaaten gedeckt werden.

Brüssel billigt kommende Woche erste Pläne für Corona-Hilfsgelder

Die EU-Kommission will kommende Woche erste nationale Ausgabenpläne für den 750 Milliarden Euro schweren Corona-Hilfsfonds genehmigen. Erste Gelder könnten dann „in den kommenden Wochen zu fließen beginnen“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Für die Geldausschüttung müssen allerdings zunächst noch die nationalen Wiederaufbaupläne der Staaten in Brüssel bewertet und abgesegnet werden.

Die Kommission könnte bereits am heutigen Mittwoch erste positive Beurteilungen zu den spanischen und portugiesischen Plänen abgeben: Von der Leyen wird nach Madrid und Lissabon reisen, um die Stellungnahmen der Kommission zu den nationalen Investitions- und Reformvorschlägen dort vorzulegen. Am Donnerstag wird sie Dänemark und Griechenland besuchen, am Freitag Luxemburg. Weitere Reisen sind in den folgenden Tagen zu erwarten.

Vermutlich werde die Kommission bis Ende Juni zwölf Pläne genehmigen, die bis zum 30. April eingereicht wurden, einschließlich denen der wirtschaftlichen Schwergewichte Italien, Frankreich und Deutschland, erklärte ein EU-Beamter gegenüber EURACTIV.

Nachdem die EU-Exekutive grünes Licht für diese nationalen Konjunkturpläne gegeben hat, könnte der Rat seine entsprechende Stellungnahme während des Ecofin-Treffens der Finanz- und Wirtschaftsminister am 13. Juli abgeben.

Die ersten Recovery-Überweisungen dürften somit Ende Juli oder Anfang August erfolgen.

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