IMK: Exporte schwächeln, Binnenwirtschaft wächst

Ein Gesicht der Sozialen Marktwirtschaft.© TiM Caspary / PIXELIO

Die deutsche Wirtschaft steht vor einem Umbruch: Während Deutschlands Exporte aufgrund der Euro-Krise zurückgehen, entwickelt sich die Binnenwirtschaft zum „tragenden Pfeiler der Konjunktur“, prognostiziert das Konjunkturforschungsinstitut IMK.

Während die Euro-Zone in einer Rezession steckt, könnte die deutsche Wirtschaft in diesem und im kommenden Jahr noch ein wenig wachsen. Das geht aus der Konjunkturprognose des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) hervor.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Euroländer wird voraussichtlich 2012 um 0,5 Prozent und 2013 um 0,7 Prozent zurückgehen. Doch selbst diese Prognose geht von der optimistischen Annahme einer Entschärfung der momentanen Krise in der Euro-Zone aus. "Ein tieferes Abgleiten ist jederzeit möglich", sagte IMK-Direktor Gustav Horn am Donnerstag (28. Juni) in Berlin.

Die weitere Konjunkturentwicklung hänge vom politischen Krisenmanagement ab. Horn kritisierte vor allem die Bundesregierung, die nicht angemessen auf  die "historischen Herausforderungen" reagiere. "Das Maß der Vereinfachung ist erschreckend", sagte der Ökonom in Bezug auf die aktuelle politische Debatte. Die Darstellung der Krise als individuelles Versagen einzelner Länder sei falsch. Es handele sich vielmehr um ein "systemisches Versagen", da die Ursache der Schuldenkrise in jahrelang vernachlässigten Ungleichgewichten im Handel zu sehen sei. Ein Austeritätskurs wie bisher helfe nicht beim Abbau der Schulden, so Horn. Man müsse beispielsweise bei einem Staat wie Griechenland in den Aufbau von Institutionen und in das Steuersystem investieren.

Prognose für Deutschland

Obwohl die deutsche Wirtschaft stark von der Entwicklung in Europa abhängt, kommt das IMK zu einer verhalten optimistischen Einschätzung. Mit einer "stagnativen Entwicklung in einem rezessiven Umfeld" stehe Deutschland innerhalb Europas relativ gut da, so Horn in Berlin. Die Wirtschaftsleistung wird in diesem Jahr wohl um 0,6 Prozent steigen, da die deutsche Industrie ihre Produkte in Nicht-EU-Länder verkaufen kann. Doch auch die Weltkonjunktur verliert an Fahrt, prognostizieren die Ökonomen. Daher werde der Anstieg des deutschen BIP mit einem Plus von 0,3 Prozent bereits deutlich schwächer ausfallen.

Dass die deutsche Wirtschaft überhaupt noch wächst, begründen die Konjunkturforscher mit der Ankurbelung der Binnennachfrage. So würden 2012 und 2013 das generelle Lohnniveau und der private Konsum weiter steigen. Durch die Stärkung der binnenmarktorientierten Wirtschaft könnten die sinnkenden Exporterlöse teilweise aufgefangen werden. Als negativen Nebeneffekt der Verschiebung von Export zu Binnenkonsum prognostiziert Horn eine Ausweitung des deutschen Niedriglohnsektors. Insgesamt wird die Lage auf dem Arbeitsmarkt wieder schwieriger. So sinke die Arbeitslosigkeit in Deutschland in diesem Jahr bereits weniger stark als im Vorjahr. Für 2013 sagt das IMK einen Anstieg der Arbeitslosigkeit von 6,8 auf 7 Prozent voraus.

ank, ayh

Links

IMK: Deutsche Wirtschaft wächst 2012 um 0,6 und 2013 um 0,3 Prozent (28. Juni 2012)

Zum Thema auf EURACTIV.de

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