Filmförderung: EU-Kommission will Subventionswettlauf stoppen

Mit 6,8 Millionen Euro wurde der US-Star-Regisseur Quentin Tarantino nach Deutschland gelockt. In Babelsberg drehte er seinen Film "Inglourious Basterds". Foto: dpa.

Filmemacher werden in der EU jedes Jahr mit Steuergeldern in Milliardenhöhe bezuschusst. Die EU-Kommission will nun neue Regeln. Speziell der Subventionswettlauf um US-Produktionen in Europa ist Brüssel ein Dorn im Auge.

Die EU-Kommission prüft neue Regeln für die Subventionierung von Filmen, die ab 2013 in Kraft treten sollen. Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia erklärte hierzu am Montag: "Bevor wir uns daran machen, künftige Beihilferegelungen für diese wichtige Branche zu erarbeiten, möchten meine Kollegen und ich uns ein Meinungsbild darüber verschaffen, worin das gemeinsame europäische Ziel einer solchen Förderung bestehen sollte." Am Montag hat die Brüsseler Behörde eine Konsultation gestartet, mit der sie die Positionen der Akteure einholt.

Die Kommission will künftig verhindern, dass sich Mitgliedsstaaten einen Subventionswettlauf liefern, um US-amerikanische Filmproduktionsgesellschaften als Investoren zu gewinnen. "Die einzigen Gewinner solcher Wettläufe sind die großen US-amerikanischen Verleiher – die größten Verlierer die Filmindustrie in den Mitgliedsstaaten", heißt es bei der Kommission. "Dabei wurde die Mitteilung zur Filmwirtschaft von 2001 auf europäische Filmförderregelungen abgestimmt, die in erster Linie die Kultur(en) Europas und der EU-Mitgliedstaaten unterstützen sollen." Die Kommission wolle deshalb diesen "offensichtlichen Widerspruch" untersuchen.

Gemeint ist wohl auch die deutsche Filmförderung. Der Film "Inglourious Basterds" (2009) von US-Regisseur Quentin Tarantino wurde zum Beispiel vom Deutschen Filmförderfonds (DFFF) mit 6,8 Millionen Euro Steuergeldern bezuschusst. Reiner Holznagel, Bundesgeschäftsführer des Bunds der Steuerzahler, kritisierte dies als "Subventionsirrsinn".

Auch "territoriale Auflagen" bei der Filmförderung stehen auf dem Prüfstand. Filmproduzenten müssen oftmals einen bestimmten Anteil des Gesamtfilmbudgets oder der gewährten Beihilfen in dem Mitgliedsstaat ausgeben, das ihnen Beihilfen gewährt. "Eine solche Einschränkung muss mit Blick auf die spezifischen Umstände der europäischen Filmproduktionstätigkeiten gerechtfertigt und angemessen sein und den allgemeinen Grundsätzen des Unionsrechts entsprechen", heißt es bei der Kommission.

Grundsätzlich stelle man den Bedarf an staatlichen Beihilfen für Filme und audiovisuelle Werke nicht in Frage.

Hintergrund

Die Filmförderung der EU-Länder beläuft sich auf rund 2,3 Milliarden Euro im Jahr (Zuschüsse/Kredite/Steuererleichterungen). 80 Prozent dieser Mittel fließen in die Filmproduktion. Hauptförderer sind Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien und Spanien.

Nächste Schritte

  • Oktober 2011: Veröffentlichung der Stellungnahmen zum Konsultationspapier

  • Dezember 2011 bis Februar 2012: Öffentliche Konsultation zum Mitteilungsentwurf

  • April 2012: Veröffentlichung der Stellungnahmen im Rahmen der Konsultation

  • 2. Halbjahr 2012: Annahme einer neuen Mitteilung zur Filmwirtschaft

Red.

Links


Presse

DerWesten: "Inglourious Basterds" Steuerzahlerbund wettert gegen Filmförderung (15. Mai 2009)

Dokumente

EU-Kommission: Staatliche Beihilfen: Kommission startet Konsultation zur Filmförderung (20. Juni 2011)

EU-Kommission: Staatliche Beihilfen: Kommission startet Konsultation zum Thema Filmförderung – häufig gestellte Fragen (20. Juni 2011)

EU-Kommission: Mitteilung zur Filmwirtschaft (IP/01/1326) (27. September 2001)

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