EZB wagt Mini-Schritt Richtung Normalität

Der umstrittene EZB-Präsident Mario Draghi. [EPA-EFE/STEPHANIE LECOCQ]

Die EZB wagt einen weiteren vorsichtigen Schritt in Richtung einer weniger lockeren Geldpolitik.

Seit Monaten wird ein Ende der lockeren Geldpolitik erwartet und angekündigt. Der Aufschwung in Euroland ist jedoch zu instabil, die wirtschaftliche Nachfrage zu schwach, für einen raschen Ausstieg. Auch die Hängepartie in Italien und die Zollscharmützel mit den USA sprechen für Vorsicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) tastet sich daher weiter mit kleinen Schritten Richtung Normalität.

So strichen die Währungshüter am gestrigen Donnerstag die Option aus ihrem Ausblick, nötigenfalls die vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe erneut auszuweiten. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen, sagte EZB-Chef Mario Draghi. Neue Daten würden bestätigen, dass der Aufschwung im Euro-Raum breit genug angelegt sei. Allerdings sei die Inflation immer noch gering. Den Leitzins zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld beließ die Europäische Zentralbank auch deswegen auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

EZB verdient gut an Anleihenkaufprogramm

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat 2017 beachtliche Gewinne erzielt. Das weckt auch Begehrlichkeiten.

Volkswirten zufolge naht jetzt das Ende der Anleihenkäufe: „Hier deutet sich endlich der lange erwartete Einstieg in das Ende an“, so Friedrich Heinemann vom Forschungszentrum ZEW. Alexander Krüger, Chefvolkswirt vom Bankhaus Lampe, rechnet damit, dass die Notenbank im Juni ein Enddatum für ihre Transaktionen benennen wird. Zuletzt hat die EZB schon das monatliche Volumen auf 30 Milliarden Euro halbiert. Die Käufe sollen noch bis mindestens Ende September fortgesetzt werden. Das Programm ist auf 2,55 Billionen Euro angelegt.

Sorgen bereitet Draghi & Co der sich abzeichnende Handelskonflikt zwischen den USA und Europa. Der EZB-Chef nannte „steigenden Protektionismus“ als eine der Gefahren für das Wirtschaftswachstum. Es gebe eine gewisse Sorge über den Stand der internationalen Beziehungen. Wenn Handelshürden gegen Verbündete errichtet würden, stelle sich die Frage: „Wer sind eigentlich die Feinde?“ US-Präsident Donald Trump hatte jüngst angekündigt, Stahl und Aluminium bei der Einfuhr in die USA mit neuen Zöllen zu belegen.

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