Eine Umsetzung des Vorschlags der EU-Kommission für eine neue Tabakproduktrichtlinie (TPD) würde die Zukunftsfähigkeit der deutschen Tabakpflanzer konkret gefährden. Ein Standpunkt des Bundesverbands deutscher Tabakpflanzer (BdT).
Der Tabakanbau in Deutschland hat eine über 300 Jahre alte Tradition. Heute bauen rund 130 Betriebe mit saisonbedingt bis zu 4.000 Beschäftigten in fast allen deutschen Flächenländern Tabak an. Diese landwirtschaftlichen Betriebe befinden sich bereits seit dem Auslaufen der EU-Rohtabakmarktordnung im Jahr 2009 und dem damit verbundenen Subventionswegfall in einer äußerst unsicheren und massiv preisreduzierten Vermarktungssituation. Hinzu kommen gestiegene Beschaffungskosten für Energie und weitere Betriebskosten, die den Absatz des unter Berücksichtigung hoher ökologischer und sozialer Standards hergestellten deutschen Tabaks zusätzlich erschweren. Nichtsdestotrotz ist es gelungen, durch erste Abnahmeabkommen mit der deutschen Tabakindustrie für die Erzeugerbetriebe und ihre Angestellten eine Zukunftsperspektive zu entwickeln.
Eine Umsetzung des Vorschlags der Europäischen Kommission für eine neue Tabakproduktrichtlinie würde diese Zukunftsfähigkeit der deutschen Tabakpflanzer konkret gefährden. Die Einführung von weitgehend standardisierten und dadurch kaum noch unterscheidbaren Tabakverpackungen mit Schockbildern auf 75 Prozent der Packungsfläche hätte die absehbare Folge, dass den Herstellern zur Differenzierung ihrer Produkte im Wettbewerb einzig der Preis verbliebe. Dies würde unmittelbar den Preisdruck auf den eingesetzten Rohtabak erhöhen, mit der Konsequenz, dass die Nachfrage nach den teureren Tabaken aus Deutschland zuerst zurückginge.
Tabak "Made in Germany" vor dem Aus?
Die deutschen Tabakpflanzer versuchen sich zurzeit mit Projekten zu nachhaltigem Tabakanbau im Markt zu entwickeln und somit der in Deutschland traditionell höheren Kostenstruktur mit einer erweiterten Wertschöpfung zu begegnen. Die vorgeschlagenen Einheitsverpackungen in Verbindung mit dem ebenfalls im Richtlinienentwurf enthaltenen weitreichenden Verbot der Verbraucherinformation führen zum Verlust von Marktchancen und dem Scheitern dieser Bemühungen. Tabak "Made in Germany" stünde so vor dem Aus.
Große Sorgen macht den deutschen Tabakpflanzern zudem die absehbare Zunahme von illegal eingeführten Zigaretten. Bereits heute ist jede fünfte in Deutschland gerauchte Zigarette nicht hierzulande versteuert – bei einem bedeutenden Teil hiervon handelt es sich um Schmuggelware. Die Folgen sind u.a. Steuerausfälle und die Etablierung organisierter Kriminalität, zudem unterlaufen geschmuggelte Zigaretten die staatlichen Maßnahmen zur Minderung der Gefahren durch den Tabakkonsum (z.B. die Durchsetzung der Jugendschutzbestimmungen). Zugleich führt der illegale Handel auch zu einer eingeschränkten Nachfrage von legal in Deutschland angebautem und produziertem Tabak.
Der illegale Handel könnte weiter zunehmen
Die Umsetzung verschiedener Maßnahmen des Richtlinienvorschlags lassen befürchten, dass der illegale Handel in Deutschland und der EU insgesamt weiter zunehmen wird. So dürfte ein Verbot ganzer Produktkategorien wie Menthol- oder Slim-Zigaretten dazu führen, dass für ein Teil der Konsumenten dieser Produkte die Nachfrage zukünftig vom Schwarzmarkt bedient werden wird. Diese Gefahr wird auch von der EU-Kommission in ihrem Bericht zur Folgenabschätzung ausdrücklich eingeräumt: "Sales lost from menthol cigarettes would therefore be partially off-set […] by efforts to acquire the products outside the EU or illicitly."
Zudem dürften auch die vereinheitlichten Verpackungen der Tabakprodukte deutlich einfacher und kostengünstiger zu kopieren sein und sich auf diese Weise die Problematik der Produktfälschungen verschärfen. Die im Richtlinienvorschlag enthaltenen Maßnahmen zur Rückverfolgbarkeit (der legalen Ware) und Sicherheitsmerkmale dürften die organisierte Kriminalität nicht von ihren Machenschaften abhalten.
Faktisches Verbot rauchloser Tabakprodukte
Die Zukunftsfähigkeit des deutschen Tabakanbaus wird ebenfalls durch das faktische Verbot rauchloser Tabakprodukte beeinträchtigt. Für deutschen Schnupf- und Kautabak ist die Beimischung von Aromastoffen wie z.B. Menthol essentiell – ein Verbot dieser sogenannten charakterisierenden Aromastoffe käme einem Vermarktungsverbot für diese Tabakerzeugnisse gleich. Da in diesen Produkten verstärkt qualitativ hochwertige Tabake zum Einsatz kommen, könnte gerade auch der Anbau in Deutschland in seinem weiteren Erhalt davon profitieren.
Die deutschen Tabakpflanzer befürworten eine angemessene Regulierung von Tabakerzeugnissen – nicht jedoch die grenzenlose Regulierungswut der EU-Kommission oder gar die Prohibition eines legalen Produktes. Sie fordern die deutsche Politik auf, sich im Rahmen der TPD-Verhandlungen für eine solch angemessene und verhältnismäßige Regulierung einzusetzen und die Zukunftschancen des deutschen Tabakanbaus zu erhalten.
Bundesverband deutscher Tabakpflanzer (BdT)
E-Mail:
bdt@bawue-tabak.de

