Europas große Volkswirtschaften wachsen alle wieder

Foto: dpa

Der Aufschwung in der Euro-Zone wird kräftiger. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs von Oktober bis Dezember mit 0,3 Prozent nicht nur etwas stärker als erwartet, sondern bereits das dritte Quartal in Folge.

Erstmals seit Jahren schafften die vier größten Länder – Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien – gleichzeitig ein Plus. Damit stehen die Vorzeichen gut, dass die Währungsunion 2014 wieder wächst, nachdem sie im Gesamtjahr 2013 noch um 0,4 Prozent schrumpfte. Eine erneute Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) wird nun unwahrscheinlicher.

Garant der Erholung ist Deutschland. Florierende Exporte sorgten im vierten Quartal für ein Wachstum von 0,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Ein besseres Ergebnis verhinderten die Verbraucher, die ihren Konsum einschränkten. Angesichts der Erholung in der Euro-Zone würden sich die Exporte beschleunigen, sagte der Deutschland-Chefvolkswirt der Großbank UniCredit, Andreas Rees. "Auch dürften die Unternehmen mehr investieren, denn sie haben sich während der Euro-Krise zurückgehalten und entsprechenden Nachholbedarf. Jetzt trauen sie sich wieder etwas zu."

Sorgenkinder fassen wieder Fuß

Die Konjunktur im Euro-Raum profitiert auch davon, dass die Sorgenkinder langsam wieder Fuß fassen. Italiens Wirtschaft legte erstmals seit Mitte 2011 wieder zu, wenn auch nur um 0,1 Prozent. Frankreichs Wirtschaft wuchs um 0,3 Prozent und damit stärker als erwartet, auch Spanien schaffte ein Plus in dieser Höhe. Portugal meldete sogar 0,5 Prozent Zuwachs.

Von dieser Erholung profitiert wiederum Deutschland, für die der Währungsraum der wichtigste Absatzmarkt bleibt. Volkswagen meldete im Januar, nach langer Durststrecke 8,5 Prozent mehr Autos in Europa verkauft zu haben. "Vor allem Westeuropa scheint die Talsohle hinter sich zu lassen", sagte Vertriebsvorstand Christian Klingler.

Noch immer Probleme

Es gibt aber noch immer Probleme. Die Wirtschaft in Zypern etwa schrumpfte um 1,0 Prozent zum Vorquartal. Für Griechenland liegen nur Vergleichszahlen zum vierten Quartal 2012 vor: Nach dieser Rechnung sackte die ohnehin stark gebeutelte Wirtschaft noch einmal um 2,6 Prozent ab.

Ökonomen warnen aber bereits vor der nächsten möglichen Krise: "Die außenwirtschaftlichen Risiken sind zuletzt deutlich gestiegen", sagte Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. So haben viele Notenbanken in den Schwellenländern wie Indien und Brasilien die Zinsen teilweise kräftig angehoben, um ihre Währungen zu stabilisieren. "Dies birgt erhebliche Risiken für die Binnen-Nachfrage in diesen Ländern." Dadurch könne sich die Lage in den Schwellenländern, die jahrelang die Weltkonjunktur angeschoben haben, verschärfen. Viele Euro-Krisenstaaten sind auf steigende Exporte angewiesen, da der private Konsum noch länger unter der hohen Arbeitslosigkeit und den vielfach sinkenden Löhnen leiden dürfte.

Die EZB traut der Euro-Zone in diesem Jahr ein Wachstum von 1,1 Prozent zu. "Die Chancen für eine Zinssenkung im März sind gesunken", sagte Ökonom Martin van Vliet von der ING-Bank. Derzeit liegt der Zins, zu dem sich Banken von der EZB Geld leihen können, auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent.

Deflationsgefahr noch nicht gebannt

Eine nochmalige Lockerung der Geldpolitik ist dennoch nicht vom Tisch, weil die Gefahr einer Deflation nicht gebannt ist – also eines wirtschaftlich gefährlichen Preisverfalls auf breiter Front. In Spanien fiel die Inflationsrate im Januar auf 0,2 Prozent. Die EZB spricht nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen. Im Falle einer Deflation halten sich Unternehmen in der Regel mit Investitionen zurück, auch der private Konsum wird aufgeschoben. Firmen könnten dann mit weiteren Entlassungen reagieren.

EURACTIV/rtr

Links

Eurostat: BIP im Euroraum um 0,3% und in der EU28 um 0,4% gestiegen (14. Februar 2014)

Statistisches Bundesamt: Bruttoinlandsprodukt im 4. Quartal 2013 um 0,4 % gestiegen (14. Februar 2014)

Abonnieren Sie unsere Newsletter

Abonnieren