Euro-Krise erreicht Deutschland und Frankreich

Die Stimmung in deutschen Unternehmen ist so gut wie lange nicht mehr. [Foto: dpa]

Die Wirtschaftskrise im Euro-Raum hat nun auch Frankreich und Deutschland erfasst. Alle wichtigen Wirtschaftsindikatoren sind ins Minus gedreht, die Aussichten sind negativ. Frankreich steht am Rande der Rezession, bei Deutschlands Industrie fielen im Juni Exporte, Produktion, Aufträge und Umsatz.

Die Serie schlechter Nachrichten aus der deutschen Industrie reißt nicht ab. Nach Exporten, Produktion und Aufträgen fiel im Juni auch der Umsatz. Das Verarbeitende Gewerbe nahm 1,6 Prozent weniger ein als im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Besonders schlecht lief es für die deutschen Hersteller in der kriselnden Euro-Zone: Hier gab es ein Minus von 2,6 Prozent.

Im deutschen Einzelhandel läuft es ebenfalls schlecht: Seit April geht das Absatzvolumen kontinuierlich zurück. Das geht aus den Daten von Eurostat hervor.

Mini-Rezession in Frankreich

Die französische Wirtschaft steuert sogar auf eine Rezession zu. Für das dritte Quartal prognostiziert Frankreichs Notenbank ein Mini-Minus von 0,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Falls sich die Daten bestätigen würde Frankreich mit einem BIP-Rückgang in zwei Quartalen in Folge "technisch" in der Rezession angekommen sein. Für die französische Regierung sind diese Aussichten denkbar schlecht. Sie strebt an, das Staatsdefizit bis Jahresende auf -4,5 Prozent des BIP zu drücken, ging bisher aber von einem leichten Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent aus.

Frankreich ist die zweitgrößte Wirtschaftskraft im Euro-Raum und Deutschlands wichtigster Handelspartner. Die seit Monaten unter der Wirtschaftskrise leidenden Euro-Länder Spanien und Italien sind die dritt- beziehungsweise viertgrößte Wirtschaft im Euro-Raum.

Pessimistischer EZB-Ausblick

Der Ausblick der Ökonomen der Europäischen Zentralbank ist ebenfalls pessimistisch: "Die Risiken für den Wirtschaftsausblick im Euro-Gebiet sind nach wie vor abwärtsgerichtet. Sie ergeben sich insbesondere aus den Spannungen an einigen Finanzmärkten des Euro-Raums und deren möglichem Übergreifen auf die Realwirtschaft des Euro-Währungsgebiets. Abwärtsrisiken bestehen auch dahingehend, dass die Energiepreise auf mittlere Sicht abermals anziehen könnten", heißt es im EZB-Monatsbericht vom 9. August.

EURACTIV/rtr/mka

Links


EZB:
Monatsbericht (9. August 2012)

Banque de France:
Conjoncture Industrie & Services (8. August 2012)

Destatis: Website des Statistischen Bundesamtes

Eurostat: Absatzvolumen im Einzelhandel (3. August 2012)

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