Deutschland attraktivster Investitionsstandort in Europa

Trotz Schuldenkrise gilt Deutschland im Ausland als attraktivster Investitionsstandort in Westeuropa. © Dieter Schütz / PIXELIO

Für ausländische Unternehmen ist Deutschland laut einer Studie der beliebteste Standort für Investitionen in Westeuropa.
Aber die Kluft zwischen Nord und Süd wächst – und stellt Europa vor eine Zerreißprobe.

Deutschland stellt in Europa den attraktivsten Wirtschaftsstandort dar. Dies geht aus einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young hervor. Im weltweiten Ranking der Regionen belegt Westeuropa nach China den zweiten Platz auf der Liste der beliebtesten Investitionsstandorte. Im Ländervergleich kann sich die Bundesrepublik klar von ihren Nachbarländern absetzen.  
 
Die befragten internationalen Führungskräfte sahen in Deutschland den attraktivsten Investitionsstandort in den kommenden drei Jahren. "Deutschland ist heute eindeutig die dynamischste und wettbewerbsfähigste unter den großen Volkswirtschaften Europas", sagte Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young.
 
International am meisten geschätzt wird in Deutschland vor allem die Infrastruktur, das Qualifikationsniveau der Arbeitskräfte und das soziale Klima. "Bei ausländischen Unternehmen hat Deutschland einen hervorragenden Ruf und wird als Global Player wahrgenommen. Wer in Europa investieren möchte, nimmt fast immer Deutschland in die engere Wahl – das war noch vor fünf Jahren ganz anders", so Englisch. Trotz oder gerade wegen der Krise, habe Deutschland seine internationale Wettbewerbsfähigkeit und einigermaßen gesunde Haushaltslage unter Beweis stellen können. Vor allem die Automobilindustrie und die IT-Branche seien vielversprechend.
 
Deutschland konnte bei ausländischen Direktinvestitionen im vergangenen Jahr einen überdurchschnittlich starken Zuwachs verzeichnen: Die Zahl der Investitionsprojekte stieg um 7 Prozent auf 597. Dabei wurden etwa 17.600 Arbeitsplätze geschaffen – 43 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Studie weist auf eine starke Zunahme bei Investitionsprojekten chinesischer Unternehmen in Deutschland hin: Im Jahr 2011 wurden in Deutschland 45 Projekte chinesischer Investoren gezählt – das waren 36 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie in keinem anderen Land Europas: Jedes dritte Investitionsprojekt chinesischer Unternehmen in Europa wurde in Deutschland umgesetzt. Chinesische Unternehmen stellen damit die viertgrößte Investorengruppe – hinter den USA, der Schweiz und Großbritannien.

Mehr Investitionen in Bildungssektor

 
Vor allem die Stabilität und Transparenz des politischen und rechtlichen Umfelds und der hierzulande zu erzielende Produktivitätszuwachs werden positiver bewertet als 2011. Negativ bewerten die Führungskräfte die deutschen Arbeitskosten, das wenig flexible Arbeitsrecht und die Art der Besteuerung von Unternehmen. International geschätzt wird die Qualität der Forschung und der Entwicklung, in die aber weiterhin investiert werden müsste. "Deutschland steht im Ausland für Qualität, Teamgeist und Innovationskraft. Das sind die Stärken, die wir weiter ausbauen müssen. Das heißt zuallererst: mehr Investitionen in Bildung und Ausbildung der Arbeitskräfte", sagte Englisch.
 
Gleichzeitig warnte Englisch davor, dass der prosperierende und wettbewerbsfähige Teil Europas mit Deutschland als Zentrum sich in dramatischem Tempo von den Krisenländern entferne. "Die Kluft zwischen Nord und Süd wächst – das stellt Europa vor eine Zerreißprobe. Die Politik muss dringend Antworten finden auf die zunehmende Ungleichheit."

Bislang habe Deutschland zudem stark von der guten Entwicklung in den USA und in Ländern wie China, Russland oder Brasilien profitiert. "Doch auch dort stehen die Zeichen inzwischen auf Abkühlung. Und der europäische Markt bietet keinerlei Wachstumsimpulse mehr." Das Risiko herber Rückschläge in der zweiten Jahreshälfte habe erheblich zugenommen, so Englisch.

fix

Links

Ernst & Young-Studie: Standort Deutschland 2012

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