Dänemark kämpft gegen Steueroasen in der EU

Der dänische Premier Lars Løkke Rasmussen auf dem Weg zu einem Treffen mit den EU-Amtskollegen. Viele von ihnen regieren "Steueroasen". Foto: ER.

Dänemark schert sich um kein Bankgeheimnis. Systematisch werden Überweisungen der Bürger ins Ausland untersucht, um Steuerflüchtigen auf die Spur zu kommen. Pikant: Gleich sieben EU-Länder gelten als „Steueroasen“. Der grüne Finanzexperte Sven Giegold will das dänische Modell auch in Deutschland.

Dänische Unternehmen und Privatpersonen haben in den vergangenen Jahren Transaktionen in Höhe von einer Billion Kronen (rund 1,343 Milliarden Euro) mit 55 Ländern getätigt, die von den dänischen Behörden als "Steueroasen" bezeichnet werden. Das ergab in dieser Woche die Untersuchung "Project Money Transfer" der dänischen Steuerbehörde Skat. Die Banken stellten die entsprechenden Daten zur Verfügung. Nun wollen Fahnder möglicher Steuerflucht mit aller Härte nachgehen. 

Die Liste der "Steueroasen" könnte noch diplomatische Verstimmungen auslösen. Auf der Liste befinden sich auch die EU-Nachbarn Großbritannien, Österreich, Lichtenstein, Zypern, Luxemburg, Litauen und Österreich.

Steuerminister Troels Lund Poulsen sagte, er sei "schockiert" über das Ausmaß der Transaktionen. "Auch wenn vielleicht am Ende nur ein Promille-Betrag an Steuern nachgezahlt werden muss, so wäre dies dennoch eine hohe Summe, die wir ja brauchen, um unseren Wohlfahrtsstaat finanzieren zu können".

Sven Giegold, finanz- und wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion Grüne/EFA im EU-Parlament, ruft zur Nachahmung der dänischen Aktion auf. "So kann man der Steuerflucht auf die Schliche kommen und den politischen Druck auf die Steueroasen erhöhen", so Giegold. "Auch die Finanzminister der übrigen EU-Länder, allen voran Bundesfinanzminister Schäuble, dürfen Steuerhinterzieher nicht länger schützen".

Während die deutsche "Steueroasen-Liste" derzeit leer sei, nenne Dänemark die Länder beim Namen, so Giegold. "All diese Länder gehören auch auf die Liste des deutschen Gesetzes". Deutschland und alle anderen europäischen Länder dürften das kleine Dänemark mit dieser mutigen Aktion nicht alleine lassen, sondern sollten sich ein Beispiel daran nehmen.

Die Luxemburger Botschafterin Martine Schommer wehrte sich jüngst im Interview mit EURACTIV.de dagegen, dass Luxemburg als Steuerparadies bezeichnet wird.

awr

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EURACTIV.de: "Luxemburg ist kein Steuerparadies" (2. September 2010)

Presse

Copenhagen Post Online: Tax authority trails a trillion (7. September 2010)

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