Die Förderung der europäischen Industrie finde vor allem auf dem Papier statt, kritisiert BDI-Präsident Grillo. In Tat und Wahrheit lege die EU-Kommission viel mehr Wert auf die Energie- und Klimapolitik. Die deutsche Industrie sei deshalb in Gefahr.
Die EU-Industriepolitik bedrohe Arbeitsplätze in Deutschland, warnte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) Ulrich Grillo gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Absicht der EU-Kommission, den Anteil der industriellen Wertschöpfung in Europa von derzeit 16 auf 20 Prozent zu erhöhen, sei wenig glaubwürdig. Denn in der Praxis unternehme die Kommission wenig, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie tatsächlich zu stärken.
In Brüssel haben energie- und klimapolitische Ziele höhere Priorität als die Industriepolitik, so Grillo. Den geplanten Eingriff in den Emissionshandel, zum Beispiel, halte er für falsch. "Das Emissionshandelssystem funktioniert", ist der BDI-Präsident überzeugt.
Bereits im Juli bezeichnete Grillo die EU-Emissionshandelspläne sowie die vorgeschlagene CO2-Regulierung für Autos gegenüber der Rheinischen Post als "nicht durchdachte Schnellschüsse". Der Eingriff "hätte die deutsche Automobilindustrie – eine europäische Schlüsselindustrie – erheblich gefährdet", so Grillo.
Die Absichten der EU-Kommission seien unausgewogen, sagte er gegenüber der FAZ. Sie müssten korrigiert werden, da sie nicht zum Geschäftsmodell der deutschen Autobauer passten.
"Auch beim Emissionshandel im Luftverkehr macht die EU-Industriepolitik keine gute Figur". Grillo macht den europäischen Alleingang für den Handelskonflikt mit den USA und China verantwortlich.
EURACTIV/rtr/pat

