Airbus befürchtet Ende des Passagierjet-Booms

Im letzten Jahr ging es mit Airbus steil aufwärts. Foto: dpa

2013 war für Airbus ein Rekordjahr: 1619 Bestellungen gingen ein, 626 Maschinen wurden ausgeliefert. Allein vom beliebtesten Modell A320 baute der Flugzeughersteller im vergangenen Jahr 42 pro Monat. Nach dem Allzeithoch stellt sich Airbus nun allerdings auf ein Abflauen des Flugzeugbooms ein.

"Wir können den Auftragseingang auf diesem Niveau nicht halten", sagte Airbus-Vertriebschef John Leahy am Montag bei der Jahres-Pressekonferenz des Flugzeugbauers am Firmensitz in Toulouse. Nach der branchenweiten Rekordzahl von 1619 Bestellungen im vergangenen Jahr verzichtete der Boeing-Konkurrent deshalb im Gegensatz zu seinen sonstigen Gepflogenheiten auf eine Zielmarke für 2014. Stattdessen will sich Airbus auf die Auslieferung seiner Maschinen konzentrieren und erwägt eine Erhöhung der Produktionsraten für sein beliebtestes Modell – den Kurz- und Mittelstreckenflieger A320.

"Noch müssen wir ein paar Hausaufgaben machen, aber es gibt Möglichkeiten nach oben und das prüfen wir für die A320ceo", sagte Firmenchef Fabrice Bregier. Derzeit baut Airbus 42 A320-Flugzeuge im Monat. Diese Quote könnte ab 2018 erhöht werden, sobald die Umstellung auf die modernisierte, spritsparende Version A320neo vollständig umgesetzt wurde, wie Airbus erklärte. Abhängig von der Nachfrage könnte aber auch schon vorher die Produktionsrate für das alte Modell A320ceo angehoben werden. Zulieferer sagten, sie seien ermutigt worden, sich bei ihren Planungen auf bis zu 52 Maschinen pro Monat einzustellen.

Airbus hat Aufträge für 5559 Maschinen im Wert von 809 Milliarden Dollar nach Listenpreis in den Büchern – so viel wie kein anderer Flugzeugbauer. Damit sind die Werke für etwa acht Jahre ausgelastet. Allein 2013 gingen bei Airbus nach Abzug von Stornierungen 1503 Bestellungen ein. Das sind 80 Prozent mehr als 2012. Angetrieben wurde der Boom aus Asien und den USA, wo Airlines ihre veralteten Flotten modernisieren. Gestrichen wurde unter anderem von Airbus selbst der Auftrag für zehn A350 und A380 von Kingfischer, weil die indische Fluggesellschaft den Betrieb 2012 wegen finanzieller Schwierigkeiten eingestellt hatte.

Mit diesen Zahlen stach Airbus den Erzrivalen Boeing aus. Allerdings hatte der US-Konzern bei den Auslieferungen die Nase vorn. 2013 wurden 626 Airbus- und 648 Boeing-Maschinen an die Kunden übergeben. Auch bei den Produktionserhöhungen kam Boeing den Europäern zuvor. Erst vor Kurzem kündigten die Amerikaner an, dass bis 2017 monatlich 47 Boeing 737 die Montagehallen verlassen. Derzeit sind es 38.

Das neueste Modell aus der europäischen Flugzeugschmiede kommt unterdessen voran. Der Langstreckenjet A350 werde in zwei Monaten zu den ersten Zulassungsflügen abheben, sagte Bregier. "Die Risiken für das A350-Programm nehmen Tag für Tag ab; aber die Herausforderungen verändern sich zugleich", dämpfte er die Erwartungen. Airbus hofft, bis zum Jahresende die ersten Modelle des spritsparenden Typs auszuliefern. Bis Ende 2018 sollen monatlich zehn Stück die Airbus-Werke verlassen.

Bregier bekräftigte zudem, dass sein Haus mit dem Riesenflieger A380 ab Ende kommenden Jahres Geld verdienen werde. Das werde dem gleichnamigen Mutterkonzern, der sich jüngst von zuvor EADS umbenannt hat, helfen, seine angestrebte Rendite von zehn Prozent zu erreichen. "Wenn wir den A350 ohne Pannen liefern können und den Produktionsstart und die Kosten im Griff behalten, werden wir dieses Ziel erreichen; der letzte fehlende Baustein ist die Gewinnschwelle des A380", sagte Bregier.

EURACTIV/rtr

Abonnieren Sie unsere Newsletter

Abonnieren