KfW-Chef Schröder über Europas Investitionsstau und Kreditbedarf

Bezahlbar, sicher, ökologisch soll die Energieunion sein.

Investitionen für Wachstum und Stabilität in Europa (II)Wie können Zukunftsinvestitionen Wachstum und Stabilität in Europa bringen? Ein Diskurs der Europäischen Investitionsbank (EIB), der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), der Euro-Gruppe und des voestalpine-Konzerns – auf einer Konferenz in der österreichischen Botschaft zu Berlin sowie auf EURACTIV.de. Heute: Drei Fragen an Ulrich Schröder, den Vorstandsvorsitzenden der KfW Bankengruppe.

Zur Person

" /Dr. Ulrich Schröder (61) ist seit September 2008 Vorstandsvorsitzender der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit Sitz in Frankfurt am Main.

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EURACTIV.de: Herr Schröder, können Investitionen Europa wieder auf die Beine helfen?

SCHRÖDER: Definitiv. Ein Anstieg der Investitionen ist Voraussetzung für Wirtschaftswachstum. In Europa herrscht auch großer Investitionsbedarf. So schätzt die EU Kommission, dass bis zum Jahr 2020 etwa zwei Billionen Euro zum Ausbau transeuropäischer Netze – also Stromnetze, Transportnetze und schnelles Internet – nötig sind, um den Anschluss nicht zu verlieren. Diese Infrastrukturinvestitionen kurbeln nicht nur das Wachstum direkt an, sie erhöhen auch das langfristige Wachstumspotenzial Europas. Deutschland sollte seinen Teil dazu beitragen. Gerade bei der deutschen Infrastruktur gibt es einigen Handlungsbedarf.

EURACTIV.de: Aber diese Investitionen müssen auch finanziert werden. Halten sich nicht die Banken im Moment sehr zurück bei ihrer Kreditvergabe?

SCHRÖDER: In Südeuropa ist das in der Tat ein großes Problem, vor allem für die vielen kleinen Unternehmen. Und genau die brauchen wir für den Aufschwung. Manche Banken vergeben kaum noch Kredit, andere nur zu sehr hohen Zinsen.

In Deutschland ist die Lage anders. Zwar ist die Kreditvergabe auch hier schwach, das Kreditneugeschäft ist rückläufig. Das liegt aber in erster Linie an der schwachen Nachfrage. Die Angebotsbedingungen für normale Unternehmenskredite sind sehr gut.

EURACTIV.de: Für Infrastrukturinvestitionen sind ja wesentlich langfristigere Finanzierungen nötig als ein normaler Unternehmenskredit. Sieht es hier besser aus?

SCHRÖDER: Kaum. Derzeit ist kein Finanzierungsengpass bei langfristiger Projektfinanzierung zu beobachten. Das liegt aber auch hier an der sehr geringen Nachfrage. Sobald aber die Nachfrage wieder anzieht, sehe ich bei der langfristigen Projektfinanzierung Probleme. Die Banken können sich nach wie vor nicht so leicht langfristig refinanzieren wie vor der Krise. Gleichzeitig streben die Regulatoren eine stärkere Fristenkongruenz an. Das macht diese langfristigen Finanzierungen für Banken unattraktiver.

Interview: Ewald König

Hintergrund


Am 25. November veranstaltete die österreichische Botschaft in Berlin ein wirtschaftspolitisches Gespräch zum Thema
„Investitionen für Wachstum und Stabilität in Europa“Es diskutierten: Thomas Wieser, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Eurogruppe, Wilhelm Molterer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB), Ulrich Schröder, Vorstandsvorsitzender der KfW, sowie Robert Ottel, Finanzvorstand voestalpine AG. (Nähere Informationen per E-Mail: wachstumskonferenz.berlin@bmeia.gv.at)

Link


Wird fortgesetzt. Das Gespräch mit Robert Ottel, Finanzvorstand der voestalpne AG, erschienen auf EURACTIV.de am 21. November, finden Sie hier.

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