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Deutsch-polnische Zusammenarbeit: „Vernetzung ist der Kern unserer Wirtschaftspolitik“

Cherenkov Telescope Array auf dem WISTA-Gelände Berlin-Adlershof [© Adrian-D (CC BY-NC 2.0)]

Deutschland und Polen haben sich in den Bereichen Wirtschafts- und Forschungspolitik gegenseitig viel zu bieten, sagt der Staatssekretär im Berliner Senat, Henner Bunde (CDU). Im Interview spricht Bunde über den Nutzen der wirtschaftlichen Kooperationen beider Länder und erklärt, welche Rolle nachbarschaftliches Vertrauen spielt.

Henner Bunde ist Staatssekretär in der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung. Der 48-Jährige stammt aus Berlin und war zuvor in der Senatsverwaltung in den Bereichen Finanzen, Vermögens- und Landesbeteiligung tätig.

EURACTIV.de: Die Zusammenarbeit in Bildung und Forschung zwischen Berlin und Polen ist in vielen Bereichen bereits seit langem etabliert. Welche neuen Ziele verfolgt die Wirtschaftskooperation zwischen Berlin bzw. Deutschland und Polen?

Henner Bunde: Unser Nachbarland Polen ist für Berliner Unternehmen sowohl als Produktionsstandort als auch als Absatzmarkt wichtig und attraktiv. Das zeigt sich nicht zuletzt bei den Import- und Exportzahlen. In diesem Jahr ist Polen hinter den USA sowohl beim Im- als auch Export zweitwichtigster Außenhandelspartner Berlins.

In Zukunft wird es noch stärker darum gehen, Kooperationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu stärken und weiter auszubauen. In erster Linie betrifft das den Austausch im Bereich der Forschung und Entwicklung sowie Beschaffungs-, Marketing- oder Vertriebskooperationen. Aber auch der Personalaustausch zwischen Unternehmen aus der Hauptstadt und Polen ist ein großer Vorteil für beide Seiten.

Unter dem Schlagwort der „intelligenten Spezialisierung“ sollen innovative Unternehmen sich europaweit in grenzübergreifende Kooperationen mit anderen Unternehmen und Forschungseinrichtungen begeben. Welche Vorteile bringt das?

Die Vernetzung von Wirtschaft und Forschung, von innovativen Unternehmen und spezialisierten Einrichtungen, ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Wirtschaftspolitik. Die Unterstützung von Technologieparks in Berlin-Adlershof, wo Wirtschaft, Forschung und Wissenschaft eng miteinander arbeiten, schafft hochqualifizierte Arbeitsplätze. Das Wissen über neue Technologien ist vor allem bei den Berliner Forschungseinrichtungen vorhanden. Deshalb können und sollten diese als Wegbereiter für die kleinen und mittleren Unternehmen unserer Stadt fungieren.

Auch Polen hat in der vergangenen europäischen Förderperiode eine Menge Geld in den Ausbau hochmoderner Forschungsinfrastruktur investiert. Als Beispiel sei das neu gegründete NanoBioMedical Centre der Adam Mickiewicz University in Pozna? genannt. Berliner Unternehmen wiederum können diese Infrastruktur zur Weiter- und Neuentwicklung von Produkten nutzen und somit in der grenzübergreifenden Kooperationen vorhandene Wertschöpfungslücken schließen.

Welche Rolle spielt die regionale Nähe von Deutschland und Polen für miteinander kooperierende Unternehmen?

Natürlich ist die geografische Nähe zu den Partnern ein zentraler Treiber grenzübergreifender Kooperationen. Von Berlin aus sind Sie beispielsweise in einer Stunde an der deutsch-polnischen Grenze und in 2,5 Stunden in Posen, einem der dynamischsten und wichtigsten Wirtschaftszentren Polens. Dies ist eine gute Basis für den Aufbau von Kooperationen, deren Erfolg im hohen Maße auch vom gegenseitigen Vertrauen abhängt.

Was tun Berlin und Polen, um Forschung und Unternehmen zu einer engeren Kooperation mit potenziellen Partnern im jeweiligen Nachbarland zu motivieren. Auf welchen Wegen werden Wissenschaft und Wirtschaft über Möglichkeiten und Vorteile informiert?

Hier spielen unsere Forschungseinrichtungen, regionale Unternehmensnetzwerke und die Clustermanagements, die das Land Berlin fördert, eine wesentliche Rolle. Konferenzen, Mitgliedertreffen oder Informationsveranstaltungen der genannten Institutionen werden dann dafür genutzt, Unternehmen zu dem Schritt über die Landesgrenze hinweg zu motivieren.

Wo findet bereits eine wirtschaftspolitische Zusammenarbeit mithilfe der Instrumente der Kohäsionspolitik statt?

Als Wirtschaftsverwaltung des Landes Berlin haben wir mithilfe der europäischen Strukturfondsmittel für Berliner kleine und mittlere Unternehmen ein vielfältiges Förderinstrumentarium erstellt, beispielsweise in Form der Messeförderung oder der Förderung von Netzwerkbildungsprojekten wie Matchmakings, Workshops, Konferenzen. Derzeit werden Netzwerkbildungsprojekte z.B. in den Themenfeldern Design, IKT, Gamesindustrie, Photonik und Tourismus durch unser Haus gefördert.

Die Zielsetzungen und Schwerpunkte der jeweiligen Projekte richten sich dabei nach den Bedarfen der Unternehmen. So ist für Berliner Designer Polen als Produktionsstandort ein wichtiger Partner. Für Gamesentwickler und die IKT-Branche wiederum ist Polen als Partner für Koproduktionen attraktiv, während für die Photonik Branche Kooperationen in der Forschung und Entwicklung im Vordergrund stehen. Und nicht zu vergessen natürlich der Tourismus mit einem gemeinsamen Marketing der Grenzregion.

Die Deutsch-Polnische Regierungskommission tagt seit 1991 einmal im Jahr. Welche Forschungszweige in Polen und in Deutschland stehen momentan im Fokus der gewünschten Zusammenarbeit?

Für Berliner Forschungseinrichtungen ist das Nachbarland Polen mit der exzellenten Forschungsinfrastruktur und gut ausgebildeten Fachkräften ein sehr attraktiver Standort für Forschung und Entwicklung. Bereits laufende Kooperationen, etwa im Bereich Biotechnologie und Medizin, werden in den nächsten Jahren noch intensiver.

Enge Kooperationen bestehen auch zwischen der TU Berlin und den polytechnischen Hochschulen und Universitäten in polnischen Großstädten, u.a. in Warschau, Krakau, Danzig und Posen. Hierbei steht die Zusammenarbeit im Bereich IKT im Vordergrund.

In der neuen europäischen Förderperiode 2014-2020 sollen in Polen Maßnahmen zur stärkeren transnationalen Vernetzung polnischer Forschungszentren gefördert werden. Dabei ist es besonders wichtig, dass die Forschungsergebnisse in der Wirtschaft genutzt werden können.

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