Tschechien drängt auf gemeinsame Beschaffung von Orphan-Arzneimitteln

Neben Orphan-Arzneimitteln sollte die EU auch die Möglichkeit des gemeinsamen Kaufs anderer medizinischer Produkte prüfen, sagte Válek. Nach Ansicht des Ministers sollte die EU auf ihren Erfahrungen mit Sammelverträgen für Corona-Impfstoffe aufbauen. [EPA-EFE/MARTIN DIVISEK]

Der tschechische Gesundheitsminister Vlastimil Válek fordert den gemeinsamen Ankauf von Arzneimitteln gegen seltene Krankheiten (Orphan-Arzneimittel) durch die EU, da mögliche EU-weite Verträge die Preise für diese Medikamente senken und ihre Zugänglichkeit für Patienten verbessern könnten.

Diese Arzneimittel werden zur Behandlung so seltener Krankheiten entwickelt, dass ihre Herstellung ohne öffentliche Unterstützung nicht rentabel wäre. Die EU bietet derzeit Anreize, um die Entwicklung ausgewählter Arzneimittel für seltene Krankheiten zu fördern, aber es gibt kein System für die gemeinsame Anschaffung.

Stattdessen kauft jedes EU-Land Medikamente für seltene Krankheiten in kleinen Mengen, da weniger als eine von 2.000 Personen von einer seltenen Krankheit betroffen ist.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) schätzt, dass etwa 30 Millionen Menschen in der EU an einer seltenen Krankheit leiden.

Neben Orphan-Arzneimitteln sollte die EU auch die Möglichkeit des gemeinsamen Kaufs anderer medizinischer Produkte prüfen, sagte Válek. Nach Ansicht des Ministers sollte die EU auf ihren Erfahrungen mit Sammelverträgen für Corona-Impfstoffe aufbauen.

Was die Corona-Impfstoffe betrifft, so wird auf europäischer Ebene intensiv darüber diskutiert, was mit den für 2022 bestellten Lieferungen geschehen soll.

Einige Länder, darunter Tschechien und Polen, werden die zugeteilten Impfstoffe nicht verwenden, da ihre Bürger kein Interesse mehr an einer Impfung haben.

Polen hat der Europäischen Kommission bereits mitgeteilt, dass es im Rahmen des EU-Liefervertrags keine weiteren Impfstoffe abnehmen oder bezahlen wird.

Válek sagte auch, dass er gerne zukünftige Vorschriften für Corona-Impfstoffe festlegen würde, wenn Tschechien in der zweiten Hälfte dieses Jahres die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt.

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