Nie war Gedenken so wichtig

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV Media network.

Angesichts aktueller Geschehnisse ist es wichtig, dass wir uns weiter aktiv an den Holocaust und seine Millionen Opfer erinnern, so Romeo Franz. [Lee Beattie / Shutterstock]

Angesichts aktueller Geschehnisse ist das Gedenken an die Befreiung von Auschwitz wohl noch nie so wichtig gewesen wie heute, schreibt Romeo Franz. 

Romeo Franz ist deutscher Sinto und Mitglied des Europäischen Parlaments für Bündnis 90/Die Grünen.

Heute jährt sich zum 76. Mal der Tag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee. Seit dem UN-Beschluss von 2005 gedenken wir in der ganzen Welt an diesem Tag den Millionen von Menschen, die im Holocaust der rassistischen Ideologie der Nationalsozialisten auf grausamste Art zum Opfer fielen. Juden, Menschen mit Romani-Hintergrund, Menschen mit Behinderungen, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, sogenannte Asoziale und viele Weitere.

Mit wachsendem zeitlichen Abstand werden die persönlichen Erinnerungen an die Geschehnisse immer blasser, denn immer weniger Überlebende weilen unter uns. Aber Gedenken ist noch nie so wichtig gewesen wie aktuell.

Eine der ersten Erkenntnisse aus der globalen Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie ist die signifikante Zunahme von rassistischer und ethnischer Diskriminierung in Europa und weltweit. Schnell wurden Sündenböcke für das gesichtslose Virus gefunden. Schnell wurden in der öffentlichen Kommentierung rassistische Vorurteile bedient und auf Plattformen verbreitet. Zu oft wurden die Grundrechte von Menschen wegen ihrer ethnischen Herkunft oder wegen ihres Aufenthaltsstatus verletzt. Ein Vielzahl an Fällen von Polizeigewalt und staatlicher Diskriminierung sind im Rahmen der COVID-19 Maßnahmen registriert worden. Und wieder wird es von der Mehrheit zumindest toleriert.

Knapp 40 Jahre nach der Anerkennung des Völkermordes an Roma und Sinti nehmen wir es hin, dass in Bulgarien Roma-Siedlungen von Militär und Polizei abgesperrt und zigtausende Bewohner ohne Nahrungsmittel, sauberes Wasser und medizinische Grundversorgung gelassen werden.

Knapp 70 Jahre nach Inkrafttreten der Genfer Flüchtlingskonvention lassen wir es zu, dass geflüchtete Menschen an Europas Außengrenze ohne rechtliche Prüfung und angemessene humanitäre Hilfe brutal zurückgestoßen werden.

Diesen Menschen gegenüber sind die Sonntagsreden des „Nie Wieder“ zynisch. Nicht, weil die aktuelle Situation mit den Gräueltaten der Nazis in Ausmaß und Schwere vergleichbar ist. Sondern weil dem „Nie Wieder“ auch ein „jetzt endlich“ folgen müsste: Jetzt endlich sollten Maßnahmen in Deutschland ergriffen werden, damit antisemitische, antiziganistische oder rassistische Vorurteile nicht mehr zum Lebensalltag von Angehörigen ethnischer oder religiösen Minderheiten und eingewanderten Menschen gehören. Jetzt endlich müssen Rassismus und Diskriminierung in öffentlichen Institutionen und ja, auch in allen Sicherheitsbehörden, umfassend erforscht und angegangen werden. Jetzt endlich muss Rassismus in Europa nicht mehr als nationale Angelegenheit bewertet, sondern vor den Europäischen Gerichtshöfen konsequent verurteilt und sanktioniert werden.

Deshalb ist es wichtig, dass wir uns weiter aktiv an den Holocaust und seine Millionen Opfer erinnern. Damit sie in Gegenwart und Zukunft als Warnung vor den Gefahren von Hass, Intoleranz, Rassismus und Vorurteil dienen können. Nur so können wir aus diesem dunklen Teil unserer Geschichte lernen und endlich dem rassistischen Hass ein Ende setzen.

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