Grütters: Noch ‚Luft nach oben‘ für Kultur als ‚Integrationsmotor‘

Die vierte Jahrestagung der Initiative stand ganz im Zeichen der Bedeutung der Erwerbstätigkeit für die gesellschaftliche Teilhabe und die Integration.

Kultur könne in doppelter Weise integrierend wirken, als Brückenbauerin und als Arbeit- und Auftraggeberin, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters am Dienstag (8. Juni) bei der Bekanntgabe der Fortsetzung der Bundesförderung für die Initiative Kulturelle Integration verkündet.

Die Initiative, an der Vertreter aus Staat, Religionsgemeinschaften, Medien, Sozialpartnern und Zivilgesellschaft beteiligt sind, wurde 2016 als Reaktion auf die Flüchtlingskrise ins Leben gerufen um Impulsvorhaben zur Bekämpfung von Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus zu ermöglichen und die Integration voranzutreiben.

„Mit ihrer wertvollen Arbeit hat die Initiative in den vergangenen fünf Jahren nicht nur die Spitze, sondern auch die Breite der Gesellschaft erreicht,“ sagte Grütters.

Kultur habe die Funktion als Brückenbauerin „über Grenzen und Gräben hinweg“ als „Integrationsmotor“ zu dienen, so die Kulturstaatsministerin.

Herzstück der Initiative bilden 15 Thesen die von den 28 Mitgliedsorganisationen aus Zivilgesellschaft, Kirchen, Sozialpartnern, Bund und Ländern gemeinsam formuliert wurden, um die Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.

Die Thesen versuchen hierbei die Grundlage eines erfolgreichen gesellschaftlichen Zusammenlebens und Zusammenhalts zu schaffen und kulturelle Vielfalt als eine Stärke zu begreifen.

„Dass wir auf dem Boden der gelebten Verfassung stehen, ist das Fundament damit wir in Klarheit und Vertrauen miteinander umgehen können,“ betonte Ulrich Silberbach, Bundesvorsitzender des dbb Beamtenbund und Tarifunion, bei der Tagung.

Neben der Forderung nach Toleranz und Respekt und mehr Geschlechtergerechtigkeit, beinhalten die Thesen auch ein klares Bekenntnis zu einer demokratischen Streitkultur, sowie der Einwanderungs- und Integrationsgeschichte Deutschlands.

Hierbei wurden mehrere Kanäle für eine erfolgreiche Integration ausgelotet: Bildung als Zugang zur Gesellschaft, die deutsche Sprache als Schlüssel zur Teilhabe, sowie die Erwerbstätigkeit als Bindeglied für Identifikation und sozialen Zusammenhalt.

Integration durch Erwerbstätigkeit

Nichtsdestotrotz werde die Kulturbranche dem Thema Diversität noch nicht in dem Maße gerecht, wie es ihrem Selbstverständnis und ihrer Rolle als gesellschaftlicher Avantgarde angemessen wäre, so Grütters.

“Für eine erfolgreiche Integration ist der Zugang aller Menschen zum Arbeitsmarkt wichtig – unabhängig davon, ob sie neu in Deutschland sind oder schon lange hier leben,” betonte die Kulturstaatsministerin.

Wie aus der Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht, liegt die Beschäftigungsquote von Ausländern derzeit bei 45,4 Prozent, gegenüber 62,5 Prozent bei jenen Personen mit deutscher Staatsbürgerschaft.

Insbesondere die Corona-Krise hat sichtbare Spuren bei der Beschäftigungsentwicklung hinterlassen und ließ die zuletzt dynamische Entwicklung stagnieren.

„Hier ist noch Luft nach oben,“ konstatierte Peter Clever, Mitglied des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses, der jedoch nach dem Ende der Pandemie eine Fortführung des positiven Trends am Arbeitsmarkt erwartet.

Handlungsbedarf sieht Clever insbesondere im Bereich der Sprachförderung.

„Sie ist der Schlüssel zur Teilhabe, da wird noch nicht genug dran gearbeitet und da muss jetzt wieder Schwung hereinkommen. Gerade die Sprachkurse haben durch die Corona- Pandemie an Momentum verloren. Daher müssen wir dem Thema der Sprachförderung ein ganz großes Gewicht geben,“ sagte Clever.

Insbesondere bei der Integration von Flüchtlingen, die den wesentlichen Impuls für die Initiative gab, fällt das Resümee gemischt aus.

„Wir sind nicht da, wo wir uns vorgenommen hatten zu stehen, aber wir stehen besser da als man es befürchtet hätte,“ resümiert Clever.

Lob fand er insbesondere für die Anstrengungen der Bundesregierung sowie der deutschen mittelständischen Betriebe, um den Arbeitsmarktzugang von Flüchtlingen zu ermöglichen.

Die Bundesregierung hat die Förderung der Erwerbstätigkeit für die erfolgreiche Integration von Flüchtlingen zu einer der Prioritäten ernannt.

Insbesondere die 3+2 Regelung gilt als ein erfolgreiches Instrument der Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen. Diese bietet geduldeten Asylanwerbern, deren Status noch nicht endgültig feststeht, die Sicherheit für die Zeit ihrer Ausbildung, sowie unmittelbar danach, in Deutschland bleiben zu dürfen.

Die Erwerbsquote bei Flüchtlingen liegt derzeit bei 28,9 Prozent, gegenüber 45,4 Prozent bei der Gesamtanzahl der Ausländer.

„Jetzt kann man sagen das Glas ist halb voll oder halb leer und ich würde sagen, es ist mehr als halbvoll. Und deshalb glaube ich wir sind besser als wir gedacht haben,“ sagte Clever.

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