Französischer Staatssekretär: Kein Besuch in Polens homophoben Dörfern

Im Sommer hatte die EU einen Zuschuss für mehrere polnische Städte abgelehnt, da diese sich öffentlich zu "LGBT-freien Zonen" erklärt hatten. [Shutterstock/MOZCO Mateusz Szymanski]

Der französische Staatssekretär für europäische Angelegenheiten Clément Beaune – der derzeit Polen besucht – wird nicht in eine sogenannte „LGBT-freie Zone“ des Landes reisen. Die polnischen Behörden untersagten dies offenbar mit Verweis auf die Gesundheitslage.

Während seines Aufenthalts in Polen traf Beaune seit Montag bereits seinen polnischen Amtskollegen Konrad Szymański, Klimaminister Michał Kurtyka, Senatssprecher Tomasz Grodzki und Warschaus Bürgermeister Rafał Trzaskowski.

Sein vorheriges Versprechen, zumindest eine der Gemeinden zu besuchen, die sich als von einer vermeintlichen „LGBT-Ideologie“ bereinigte Zone deklariert haben, konnte Beaune jedoch nicht einlösen. Geäußert hatte er diesen Wunsch im Dezember 2020 in einem Interview mit der Zeitschrift Têtu, in dem er auch öffentlich bekanntgab, schwul zu sein.

Der französische Staatssekretär betonte damals, er wolle die Homophobie in Polen und Ungarn bekämpfen.

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Nun erklärte Beaune gegenüber der französischen Publikation L’Obs, die polnischen Behörden hätten ihm den Zugang zur Gemeinde Kraśnik mit Verweis auf die gesundheitliche Situation dort verwehrt. „Die polnischen Behörden haben mir kürzlich mitgeteilt, dass sie nicht in der Lage sind, diesen Besuch zu ermöglichen. Ich bedauere das zutiefst“, fügte er hinzu.

„[Die polnische Regierungspartei] PiS zeigt sich wieder einmal zufrieden, wenn sie brutal gegen die Schwachen vorgeht, aber zu träge, um dies auch zuzugeben. Clément Beaune hat absolut Recht, wenn er sich für LGBTIQ-Rechte in Frankreich, Polen und auf der ganzen Welt einsetzt,“ twitterte der belgische Europaabgeordnete Guy Verhofstadt (Renew Europe) seine Unterstützung.

Die polnische Regierung hat Beaunes Vorwürfe hingegen bereits zurückgewiesen. „Keine der polnischen Behörden hat dem französischen Staatssekretär verboten oder die Möglichkeit genommen, Kraśnik zu besuchen,“ versicherte der stellvertretender Außenminister Szymon Szynkowski vel Sęk.

Er fügte hinzu, er wolle das Thema mit der französischen Botschaft in Warschau besprechen.

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