Im Vorfeld des EU-Gipfels, auf dem über die Einleitung von EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei entschieden wurde, hat das Land seine PR-Arbeit gebündelt, um Entscheidungsträger und Meinungsführer für sich zu gewinnen. Die PR-Anstrengungen werden nun fortgesetzt, um die Aussicht auf eine EU-Vollmitgliedschaft zu verbessern. Dieser Artikel von Politik & Kommunikation analysiert die informations- und kommunikationspolitischen Maßnahmen des Landes.
Das Ziel der Informations- und Kommunikationsstrategien der Türkei bestehe vor allem darin, Vorbehalte gegenüber der Türkei in der Öffentlichkeit und unter Politikern derjenigen Länder abzubauen, in denen die Skepsis besonders groß sei: Deutschland, Frankreich, Österreich, die Niederlande und Belgien. Das Image der Türkei solle verbessert werden, um die EU-Beitrittsperspektive der Türkei zu verbessern.
Um Vorbehalte abzubauen konzentrierten sich die Kommunikationsbemühungen vor allem darauf, Vorteile des Beitritts in Bereichen wie Sicherheit, Stabilität und Wachstum in den Vordergrund zu stellen. Das türkische Kultur- und Tourismusministerium in Zusammenarbeit mit dem Außenministerium und NGOs haben im Vorfeld des EU-Gipfels im Dezember 2004 zahlreiche kulturelle Veranstaltungen organisiert. Künftig sollen türkische NGOs noch stärker in koordinierte PR-Bemühungen eingebunden werden.
Mitgliedsorganisationen der türkischen EU-Kommunikationsgruppe ABIG legten den Schwerpunkt vor allem auf Medienarbeit und Info-Veranstaltungen sowie Kontaktbesuche bei Meinungsführern und Journalistenreisen. Zwei der ABIG-Mitglieder, der Verband Türkischer Industrieller und Unternehmer (TÜSIAD) und die Stiftung für Wirtschaftliche Entwicklung (IKV), besitzen bereits Vertretungen in Brüssel. TÜSIAD sei seit September 2003 auch in Berlin und Paris präsent und baue ein weiteres Büro in London auf. Analysen des Einflusses der Arbeit von ABIG auf das Image der Türkei in Europa gebe es zurzeit jedoch nicht.
Ein Großteil der Imagearbeit werde jetzt erst richtig beginnen, um die Chancen auf die EU-Vollmitgliedschaft zu verbessern und nicht zuletzt auch aufgrund der Referenden, die in einigen Mitgliedstaaten (Frankreich, England und Spanien) über die Aufnahme neuer Mitglieder möglich seien.
Die Analyse ist hier verfügbar.
