Keine Zeit zu verlieren: Die EU setzt den Fokus auf Berufsqualifikationen für den grünen Wandel

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Der Pakt für Kompetenzen ist ein weiteres Instrument, mit dem die Kommission Unternehmen und ArbeitnehmerInnen hilft, sich auf den grünen und digitalen Wandel vorzubereiten, schreibt Schinas. [OLIVIER HOSLET/EPA]

Der grüne und digitale Wandel schlägt sich auch auf den europäischen Arbeitsmarkt nieder. Die Europäische Kommission wartet daher mit einer Reihe von Programmen auf, um die EU-Bürger für die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft zu wappnen, schreiben die EU-Kommissare, Nicolas Schmit und Margaritis Schinas.

Nicolas Schmit ist EU-Kommissar für Beschäftigung und soziale Rechte. Margaritis Schinas ist der Vizepräsident der Kommission für die Förderung unserer europäischen Lebensweise.

In diesen schwierigen Zeiten hat sich die EU verpflichtet, Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine zu helfen, die sich in den europäischen Arbeitsmarkt integrieren möchten. Die EU und ihre Mitgliedstaaten werden sie gern dabei unterstützen, ihre Qualifikationen zu erfassen, eine berufliche Aus- und Weiterbildung zu absolvieren und Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu finden.

Gleichzeitig sind sich alle einig, dass in Europa und auf der ganzen Welt dringend Klimaneutralität erreicht werden muss. Dies erfordert enorme Anstrengungen von BürgerInnen, Unternehmen und teilweise ganzen Branchen. Das bedeutet auch, dass viele ArbeitnehmerInnen von Branchen für traditionelle, fossile Energieträger zu aufkommenden grünen Sektoren und „grünen Arbeitsplätzen“ in allen Sparten, in denen es an qualifizierten Arbeitskräften mangelt, umsteigen müssen.

In der Baubranche beispielsweise sollen durch den europäischen Grünen Deal bis 2030 in der EU 487 000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Davon fallen fast 70 % in den Bereich von qualifizierter körperlicher und nicht körperlicher Arbeit, für die üblicherweise eine berufliche Aus- und Weiterbildung (BAW) erforderlich ist.

BAW ist eng mit dem Arbeitsmarkt und Lernen am Arbeitsplatz verknüpft und hilft ArbeitnehmerInnen, in diese neuen grünen Technologien umzuschulen und den Beruf zu wechseln.

Die Kommission unterstützt die Mitgliedstaaten, ihre BAW-Systeme für den grünen Wandel neu aufzustellen. Ein Beispiel ist die Finanzierung durch Erasmus+ zur Errichtung von Zentren der beruflichen Exzellenz. Diese bringen viele lokale Partner zusammen, um „Kompetenzökosysteme“ zu entwickeln und so die regionale Entwicklung zu fördern. GREENOVET, die europäische BAW-Exzellenzplattform für grüne Innovation, EPLUG, die europäische Plattform für die Begrünung der Städte, und 3LOE, die Zentren für berufliche Exzellenz in der grünen Wirtschaft, sind bereits auf dem Weg.

Der Pakt für Kompetenzen ist ein weiteres Instrument, mit dem die Kommission Unternehmen und ArbeitnehmerInnen hilft, sich auf den grünen und digitalen Wandel vorzubereiten. Durch Schaffung eines Forums für alle Partner, auf dem aktuelle und zukünftige Qualifikationsanforderungen diskutiert und Partnerschaften geschlossen werden können, fungiert der Pakt als Vermittler zwischen Angebot und Nachfrage von Talenten in Europa. Bis heute haben sich über 600 Organisationen verpflichtet, sechs Millionen Menschen die passenden Qualifikationen zu bieten, und das ist nur der Anfang.

Unser Ziel für 2030 ist, dass 60 % aller Erwachsenen in der EU jedes Jahr an einer Schulung teilnehmen. Die Mitgliedstaaten können, zusätzlich zur anfänglichen Aus- und Weiterbildung, mithilfe von EU-Geldern in Umschulung und Fortbildung der Belegschaft investieren. In Deutschland hat der Europäische Sozialfonds Initiativen wie das Projekt „Grünblick“ mitfinanziert, das Workshops für berufliche und persönliche Entwicklung in den Bereichen erneuerbare Energien, Ernährung und Landwirtschaft anbietet, um jungen Menschen zu helfen, herauszufinden, welche Berufsfelder zu ihren Interessen passen.

Vom 16. bis 20. Mai 2022 wird in ganz Europa die sechste jährliche Europäische Woche der Berufsbildung gefeiert. Auf unserer Website können Sie mehr darüber erfahren, wie Sie sich beteiligen können und was berufliche Aus- und Weiterbildung leisten kann. Wir haben keine Zeit zu verlieren.

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