Reporter ohne Grenzen (RSF) verzeichnete im Jahr 2021 488 festgenommene Journalisten, was einem Anstieg von 20 % gegenüber 2020 entspricht. Dies geht aus dem am Donnerstag (16. Dezember) veröffentlichten Jahresbericht über Misshandlungen von Journalisten weltweit hervor.
Der Bericht der RSF befasst sich mit der Unterdrückung von Journalisten im Jahr 2021 und verzeichnete insgesamt 46 Todesfälle, 65 Geiselnahmen und 468 Inhaftierungen. Diese Zahlen sind deutlich höher als die vom Komitee zum Schutz von Journalisten Anfang des Monats veröffentlichten Zahlen, die 24 Tötungen und 293 Inhaftierungen verzeichneten.
Besonders auffällig ist, dass die Zahl der inhaftierten Journalisten seit 2020 dramatisch um 20 % gestiegen ist.
„Dieser Anstieg ist strukturell bedingt, da es leider autokratische Regime gibt, die Journalisten weiterhin willkürlich einsperren“, erklärte Pauline Adès-Mével, Chefredakteurin der RSF, gegenüber EURACTIV.
Aber es sei auch „situationsbedingt“, so Adès-Mével, aufgrund „zunehmend gewaltsamer und wiederholter Krisen, die zur Unterdrückung von Journalisten führen, die anprangern, was unter diesen skrupellosen und autoritären Regimen geschieht“.
Der Bericht stellt fest, dass insbesondere drei diktatorische Regime für diese Zunahme verantwortlich sind.
Dabei handelt es sich um Myanmar, das seit Februar von einer Militärjunta kontrolliert wird, um Belarus, wo Proteste gegen die Wiederwahl Alexander Lukaschenkos zur Verhaftung zahlreicher Journalisten durch das Regime geführt haben, und um Hongkong, wo das neue Gesetz über die nationale Sicherheit von 2020 den lokalen Behörden die Festnahme von mindestens zehn Journalisten ermöglicht hat.
RSF stellt außerdem fest, dass Myanmar und Belarus mit 53 bzw. 32 inhaftierten Journalisten nun zu den „schlimmsten Gefängniswärtern“ weltweit gehören. Allerdings befinden sie sich noch hinter China, wo 127 Journalisten hinter Gittern sitzen.
Gleichzeitig geraten auch Journalistinnen vermehrt ins Visier: 60 der inhaftierten Journalist:innen sind Frauen. Sie machen nun 12,3 % der inhaftierten Journalist:innen aus, gegenüber 6,59 % im Jahr 2017.
„Dieser Anstieg verdeutlicht nicht nur, dass immer mehr Frauen als Journalisten arbeiten und nicht gegen die Repressionen immun sind, denen der gesamte Berufsstand ausgesetzt ist, sondern ist auch ein Hinweis auf bestimmte regionale Besonderheiten“, erklärt die Organisation.
Im weiteren Verlauf des Berichts wird festgestellt, dass die Tatsache, dass in Belarus mehr Frauen (17) als Männer (15) inhaftiert sind, „auf das Ende der patriarchalischen Toleranz der belarussischen Behörden hindeutet, die von der führenden Rolle der Frauen zu Beginn der Proteste nach den Wahlen überrascht wurden“.
Schließlich stellt RSF fest, dass von den 46 Journalisten, die im Jahr 2021 getötet wurden, fast zwei Drittel ermordet oder absichtlich ins Visier genommen wurden, während die anderen 16 in Ausübung ihrer Arbeit getötet wurden.
Obwohl die Zahl der toten Journalisten unter der Zahl von 50 im Jahr 2003 lag, weist die RSF darauf hin, dass „im Durchschnitt immer noch fast ein Journalist pro Woche im Zusammenhang mit seiner Arbeit getötet wird“.
[Bearbeitet von Alice Taylor]


