Nordkorea verkündet erfolgreichen Test von Interkontinentalrakete

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-Un hat in den vergangenen Monaten mehrmals Raketen testen lassen. [Foto: dpa (Archiv)]

Kurz vor dem G20-Gipfel hat Nordkorea nach eigenen Angaben erfolgreich eine Interkontinentalrakete getestet. Ziel sei es, damit die USA erreichen zu können.

Das Geschoss vom Typ Hwasong-14 habe am Dienstag eine Höhe von 2802 Kilometern erreicht und sein Ziel nach 39 Minuten Flugzeit genau getroffen, meldete das staatliche Fernsehen in Nordkorea.

Jedes Ziel auf der Welt könne getroffen werden. Die USA und Japan verurteilten den Start der Trägerrakete, der demonstrativ auf den amerikanischen Unabhängigkeitstag fiel. US-Präsident Donald Trump rief Nordkoreas einzigen bedeutenden Partner China zum Eingreifen auf. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe kündigte an, auf dem am Freitag in Hamburg beginnenden G20-Gipfel die Solidarität der internationalen Gemeinschaft gegen Nordkorea einzufordern.

Trump erregt sich auf Twitter

Trump griff auf Twitter Machthaber Kim Jong Un an: „Hat dieser Typ nichts besseres zu tun mit seinem Leben?“ Es sei schwer zu glauben, dass sich Südkorea und Japan „das noch sehr viel länger bieten lassen“. Vielleicht werde China einen „erheblichen Schritt“ unternehmen, „und diesen Unsinn ein für allemal beenden“.

Die Regierung in Tokio erklärte, solche wiederholten Provokationen seien absolut inakzeptabel: „Der Start einer ballistischen Rakete ist ein klarer Verstoß gegen die Resolutionen des UN-Sicherheitsrates.“

Raketentest belastet Börsen

Kim habe den Test angeordnet und persönlich überwacht, meldete das Staatsfernsehen. Nach Angaben des japanischen und südkoreanischen Militärs schlug die Rakete 930 Kilometer vom Startpunkt entfernt in der 200-Meilen-Zone vor Japans Küste ein. Der Sicherheitsexperte David Wright von der in den USA ansässigen Wissenschaftler-Organisation Union of Concerned Scientists schrieb in einem Blogbeitrag, die getestete Rakete könne eine Reichweite von etwa 6700 Kilometern erzielen. Das würde ausreichen, um Alaska zu erreichen. Der Raketentest belastete die Börsen in Asien und Europa.

Sanktionen der Vereinten Nationen verbieten es Nordkorea, Raketen zu testen oder zu entwickeln. Dennoch hat die Führung in Pjöngjang vor allem seit Anfang vergangenen Jahres Raketen in bislang nie dagewesener rascher Folge getestet. Auch Atombomben wurden getestet. Experten zufolge ist Nordkorea allerdings noch Jahre davon entfernt, eine Interkontinentalrakete mit einem nuklearen Sprengkopf bestücken zu können.

China ermahnt zur Gelassenheit

Südkoreas Präsident Moon Jae In berief den Nationalen Sicherheitsrat ein. Er sagte, dass das getestete Geschoss vermutlich eine Mittelstreckenrakete gewesen sei. Das Militär prüfe aber, ob es sich um eine Interkontinentalrakete handele.

China rief zur Zurückhaltung auf. Die UN-Resolutionen hätten die nordkoreanischen Raketentests klar geregelt und China lehne es ab, dass gegen diese Regeln vorgegangen werde, sagt Außenamtssprecher Geng Shuang in Peking.

Japans Regierungschef Abe sagte, er werde beim Treffen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer in Hamburg die Präsidenten von China und Russland aufrufen, beim Versuch, Nordkoreas Rüstungsprogramm zu stoppen, eine konstruktivere Rolle zu spielen. Xi Jinping und Wladimir Putin werden ebenso wie Abe und Trump in der Hansestadt erwartet. Japans Regierung hatte bereits am Montag einen Dreiergipfel mit Südkorea und den USA angekündigt, bei dem es um Nordkorea gehen soll.

Erst vergangene Woche hatten Trump und sein südkoreanischer Kollege Moon in Washington über den Streit mit Nordkorea beraten. Trump forderte eine entschlossene Reaktion der Staaten in der Region. Er hat auch angedeutet, dass ihm langsam die Geduld mit China ausgeht, weil die Volksrepublik nach seiner Auffassung nicht genug Druck auf Nordkorea ausübt.