Neue Führung für die Schaltzentrale der Euro-Länder

Mario Centeno geht - mitten in einer kritischen Phase der EU-Finanzpolitik. [MARIO CRUZ/EPA]

Mitten im Streit um die Wirtschaftshilfen in der Corona-Krise braucht die Eurogruppe einen neuen Chef. Der bisherige Amtsinhaber Mário Centeno bewirbt sich nicht für eine neue Amtszeit und muss ersetzt werden.

Eine Frau und zwei Männer bewerben sich für die Nachfolge an der Spitze der politischen Schaltzentrale der Währungsunion. Am Donnerstag entscheiden die Euro-Finanzminister über die Personalie. Die Kandidaten:

Nadia Calviño

Die Spanierin ist seit Juni 2018 Wirtschaftsministerin ihres Landes. Die Volkswirtin und Juristin hatte ab 2006 in Brüssel in der EU-Kommission Karriere gemacht. Zuletzt leitete sie dort ab Mai 2014 als Generaldirektorin die Haushaltsabteilung. Ihre Berufung auf den Ministerposten der sozialistisch geführten Regierung in Madrid wurde als Schritt gesehen, die Finanzmärkte nach den Turbulenzen der Schuldenkrise in ihrer Heimat zu beruhigen.

Calviño gilt in Brüssel als Favoritin. Im vergangenen Jahr wurde sie auch für den Posten der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) gehandelt. Politisch wird die 51-Jährige in Spanien als „sozial-liberal“ oder „politisch neutral“ eingestuft. Sie gehört nicht offiziell der sozialistischen Regierungspartei an. An der Spitze der Eurogruppe wäre sie die erste Frau. Allerdings würde Spanien dann zwei von fünf Spitzenposten der EU besetzen, da Josep Borrell seit Dezember Europas Außenbeauftragter ist.

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Pierre Gramegna

Luxemburgs Finanzminister hatte bereits das letzte Mal Interesse an dem Posten des Eurozonen-Chefs gezeigt. Der 62-Jährige ist seit Dezember 2013 Finanzminister des Großherzogtums. Seine Karriere begann er als Diplomat. Er war Botschafter in Südkorea und Japan. Zwischen 2003 und 2013 leitete er dann Luxemburgs Handelskammer.

Nach dem früheren Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker wäre Gramegna bereits der zweite Luxemburger auf dem Posten. Die Frage ist auch, ob die anderen Euro-Mitglieder dem Liberalen nicht das Steuergebaren des Großherzogtums übelnehmen, das multinationalen Konzernen jahrelang Sonderkonditionen auf Kosten anderer EU-Länder einräumte. Hinzu kommt Luxemburgs Widerstand gegen eine EU-Digitalsteuer auf den Umsatz großer Internetunternehmen.

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Paschal Donohoe

Der 45-Jährige ist seit Juni 2017 Irlands Finanzminister. Zuvor war er in der Dubliner Regierung unter anderem für Verkehr und Europaangelegenheiten zuständig. Nach dem Studium der Politik und Wirtschaft ging er zunächst zum US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble in den Verkauf. Den gut dotierten Wirtschaftsposten gab er nach einigen Jahren auf, um in die Politik zu wechseln. 2004 wurde er in den Stadtrat der irischen Hauptstadt gewählt.

Donohoe gehört der liberal-konservativen Partei Fine Gael an. Als Finanzminister stemmte er sich ähnlich wie der Luxemburger Gramegna gegen Pläne einer EU-Digitalsteuer und warnte vor Alleingängen der Europäer. Denn Irland fürchtete um die Europa-Zentralen großer US-Konzerne wie Google, Facebook und Apple, die für das Land ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind.

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