Nachhaltige Fischzucht erobert die Dächer von Brüssel

Auf den Dächern des Foodmet wendet der Betrieb ein Kreislaufwirtschaftsmodell an. Das heißt: Er sorgt dafür, dass nichts verloren geht und alles wieder verwendet wird. Die Stromversorgung des Bauernhofs stammt in erster Linie aus der Wärmeenergie, die aus dem Gebäude, das er überragt, verloren geht, sowie durch Solarmodule. EPA-EFE/STEPHANIE LECOCQ

This article is part of our special report Wie revolutioniert die Technologie den Agrarsektor?.

Auf dem größten städtischen Bauernhof Europas – auf den Dächern der belgischen Hauptstadt – werden Fische gezüchtet und Gemüse angebaut. Dabei werden strenge Vorgaben für eine Kreislaufwirtschaft erfüllt. Der Gründer von BIGH (Building Integrated Greenhouses), Steven Beckers, plant diese Art der „städtischen Farm“ über die Grenzen der Stadt hinweg zu wiederholen. EURACTIV Frankreich berichtet.

Seit 2015, als der belgische Architekt und Urban-Farming-Pionier Steven Beckers BIGH (Building Integrated Greenhouses) gründete, kann man auch Barsche aus Brüssel verspeisen.

Mit einer Fläche von 4.000 Quadratmetern befindet sich Europas größter städtischer Bauernhof im Herzen von Brüssel, auf den Dächern des Foodmet, einer Lebensmittelhalle, die als „der Bauch von Brüssel“ bekannt ist und jedes Wochenende mehr als 100.000 Besucher anzieht.

„Ich hatte immer eine Vision von der Stadt als Lösung und nicht als Problem. Und ich habe daher nach Wegen gesucht, [die Stadt] produktiv zu machen“, so BIGH-Gründer Beckers.

„Als Architekt sah ich auch das Potenzial, ein Gebäude mit einem produktiven Gewächshaus zu umgeben, dessen Pflanzen das Klima regulieren und die Bewohner vor Wetterxtremen schützen, während sie gleichzeitig die Luft vom CO2 reinigen, mit dem sie belastet ist,“ fügt er hinzu.

Das BIGH-Projekt befindet sich unten links auf der Karte. Das Projekt der Region Brüssel soll dieses vernachlässigte Gebiet langfristig wiederbeleben, indem andere Dächer in grüne Lebensräume umgewandelt werden.

Auf den Dächern des Foodmet wendet der Betrieb ein Kreislaufwirtschaftsmodell an. Das heißt: Er sorgt dafür, dass nichts verloren geht und alles wieder verwendet wird. Die Stromversorgung des Bauernhofs stammt in erster Linie aus der Wärmeenergie, die aus dem Gebäude, das er überragt, verloren geht, sowie durch Solarmodule.

„Wir gewinnen die kostbare Energie aus den Kühlräumen des Foodmet mit einer Wärmepumpe zurück. Die Pumpen werden mit Elektrizität aus dem Netz des Standorts betrieben, das seinerseits weitgehend durch Photovoltaik betrieben wird. Wir verwenden also hauptsächlich vergeudete Energie und auch grüne Energie,“ erklärt der Gründer.

Aquaponik

Aber die vermutlich größte Stärke von BIGH liegt darin, dass mitten in der Stadt Fische gezüchtet und deren Exkremente zur Aufzucht der Pflanzen wiederverwendet werden. Der in Südamerika beheimatete Streifenbarsch wird in großen Teichen aufgezogen, in denen Biofilter seine Exkremente behandeln, um sie in Nitrite und dann in Nitrate umzuwandeln, die wiederum als Nährstoffe für Tomaten, Auberginen und Paprika im Gewächshaus verwendet werden.

„Die Wahl des Streifenbarsches wird durch die Tatsache begründet, dass es sich um einen qualitativ hochwertigen Seefisch handelt, dessen Stoffwechsel dem einer geschlossenen System-Farm gut entspricht. Hinzu kommt seine Geselligkeit und seine Angewohnheit, in Flüssen und Mündungen zu leben,“ so der Architekt. „Die Köche schätzen ihn wegen seines ausgezeichneten Fleisches und seiner Frische. Und natürlich auch wegen der Frische; hier kommt er innerhalb von Stunden auf den Teller.“

Aquaponik: Hoffnungsträger gegen Überfischung und Verschmutzung

Die Anwendung kombinierter Fisch- und Gemüsezuchtsysteme sorgt sowohl für Transparenz in der Lebensmittelherstellung als auch für mehr Unterstützung für die lokale Produktion, so die Befürworter der Aquaponik.

Automatisierte Schiebe-Gewächshäuser

Über der Aquaponik-Kultur befindet sich ein automatisiertes Hightech-Gewächshaus, in dem Bewässerung und Licht präzise verteilt und kontrolliert werden. Auf großen Schiebetischen wachsen verschiedene Kräutersorten in der Umgebungswärme, bevor sie an Geschäfte oder Supermärkte versandt werden.

Der Gemüsegarten im Freien wird als Übungsplatz für das Urban Farming genutzt. Dort wird außerdem versucht, Menschen sozial und beruflich wieder zu integrieren: Organisiert durch den den Verein Groot Eiland kümmern sie sich um das Obst und Gemüse, transportieren es zum Restaurant des Vereins transportieren und bereiten es auch zu.

Nach Beckers Plänen wird diese Art des Anbaus – natürlich ohne Antibiotika, Pestizide oder synthetische Düngemittel – demnächst auch in Frankreich und wohl auch anderswo in Europa nachgeahmt werden.

Der Gründer fasst zusammen: „Wir planen mehrere Projekte in Belgien und Frankreich. Die Möglichkeiten sind zahlreich, und wir wollen Schritt für Schritt mit einem zweiten Projekt in Hauts-de-France vorankommen. Weitere sind in Paris und Umgebung geplant.“

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