Kasachstans Präsident erinnert mit nationalen Trauertag an Corona-Opfer

Kasachstans Präsident Qassym-Schomart Toqajew. [The official site of the President of Republic of Kazakhstan]

Dieser Artikel ist Teil des special reports Kasachstan: Wiederaufbau und Erneuerung

Kasachstans Präsident Qassym-Schomart Toqajew kündigte am Mittwoch, dem 8. Juli, eine Reihe von Maßnahmen an, um die Ausbreitung des Coronavirus im Land einzudämmen. Er warnte seine Landsleute, dass die Lage nach wie vor ernst sei, und erklärte den 13. Juli zum nationalen Trauertag im Gedenken an die Opfer der Pandemie.

„Die Bedrohung durch das Coronavirus sollte nicht unterschätzt werden. Es ist falsch zu glauben, es sei eine gewöhnliche Grippe, es ist eine viel heimtückischere und gefährlichere Krankheit“, warnte Toqajew in einer Fernsehansprache am Mittwoch.

„Es ist jetzt entscheidend, Panik in der Gesellschaft zu vermeiden“, betonte Toqajew. Zu den angekündigten Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus gehören mobile Gesundheitseinrichtungen, eine erhöhte Zahl von Krankenhausbetten und mobile Testzentren.

Gleichzeitig bestand die Mission Kasachstans bei der EU darauf, dass die epidemiologische Situation in Kasachstan unter Kontrolle ist und die notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Epidemie ergriffen wurden, einschließlich „strenger Quarantänemaßnahmen vom 5. bis 19. Juli“.

Der plötzliche Anstieg am 1. Juli 2020 um 19.246 neue Fälle erklärt sich durch die veränderte Art und Weise, wie Infektionsfälle in Kasachstan gemeldet werden. Asymptomatische COVID-19-Fälle waren zuvor nicht in der Gesamtzahl enthalten.

Die Gesamtzahl der bestätigten COVID-Fälle überstieg am Mittwoch die Zahl von 51.000. Es wurden 264 Todesfälle gemeldet, und mehr als 34.000 Patienten haben sich laut offiziellen Statistiken von der Viruserkrankung erholt.

Letzten Mittwoch kam es zu einem plötzlichen Anstieg der Fälle, als die Behörden ihre Methodik zur Erfassung der mit dem Virus infizierten Bürger und Bürgerinnen änderten und begannen, asymptomatische COVID-19-Fälle einzubeziehen, die zuvor nicht in die Statistik hinzugerechnet wurden.

Präsident Toqajew erklärte, dass „aufgrund der massenhaften Nichtbeachtung der Quarantänemaßnahmen, systemischer Fehler der früheren Führung des Gesundheitsministeriums, der Schwerfälligkeit der Akims [Gouverneure] stehen wir im Wesentlichen vor einer zweiten Coronavirus-Welle in Verbindung mit einer starken Zunahme von Lungenentzündungen“.

Rund 28.000 Patienten mit Lungenentzündung und negativem Coronavirus-Test befinden sich derzeit im Krankenhaus. 98,9 Prozent von ihnen geht es überwiegen gut, sagte Kasachstans stellvertretende Gesundheitsministerin Azhar Giniyat am Dienstag vor der lokalen Presse.

„Was die Häufigkeit von Lungenentzündungen anbelangt, so stieg sie in diesem Jahr um 55 Prozent im Vergleich zu den sechs Monaten des vergangenen Jahres. Im Juni betrug der Zuwachs das Vierfache“, sagte die medizinische Leiterin Aizhan Esmagambetova am vergangenen Freitag und kündigte eine Untersuchung über die Zunahme von Lungenentzündungen an.

In der Zwischenzeit sind die Behörden zu einer wöchentlichen statt täglichen Berichterstattung über die Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 übergegangen, „weil die Kommission physisch keine Zeit hat, den Umfang der Informationen über die Kranken zu verarbeiten“, erklärte Gesundheitsminister Aleksei Tsoi am Dienstag (7. Juli), berichtete Tengrinews.kz.

„Leider infizieren sich auch Ärzte mit dem Coronavirus, viele unserer Kollegen, die Mitglieder dieser Kommissionen sind, sind jetzt krank“, fügte Tsoi hinzu.

Die Regierung rief zur Eindämmung der Pandemie einen neuen 14-tägigen Lockdown aus, der am Sonntag begann. Nur noch Gruppen von bis zu drei Personen dürfen sich in der Öffentlichkeit aufhalten. Im früheren Lockdown war es den Kasachen gänzlich verboten, ihre Häuser zu verlassen. 

Obwohl Geschäfte wie Friseure, Fitnessstudios, Markthallen, Kultur-, Freizeit- und Unterhaltungseinrichtungen sowie Kindergärten geschlossen werden, können die meisten öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen, Freiluftrestaurants und Märkte geöffnet bleiben.

Internationale Flüge werden weiterhin mit den 17 Ländern, mit denen der Flugverkehr erlaubt war, ohne weitere Erweiterung der Liste durchgeführt.

Die Mission Kasachstans bei der EU teilte EURACTIV mit, dass das Land kontinuierlich Massentests durchführt. Laut der COVID-19-Karte der Johns-Hopkins-Universität rangiert Kasachstan weltweit auf Platz 35 der von der Pandemie am stärksten betroffenen Länder.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Britta Weppner]

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