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11/12/2016

Gazprom-Deal unter Dach und Fach

Gazprom-Deal unter Dach und Fach

Mit Nordstream wird die Ukraine als Transportroute für Gaslieferungen umgangen.

[Bilfinger SE/Flickr]

Die EU hatte dem Deal bereits vor einem Monat zugestimmt. Die Pipeline gehört zum Transportunternehmen Opal, deren Eigner der deutsche Chemiekonzern BASF und der russische Staatskonzern Gazprom sind.

Opal ist die Verlängerung der Pipeline Nord Stream 1, die russisches Gas über die Ostsee nach Europa transportiert.  Gazprom, die als wesentlicher Betreiber die Leitungskapazität bisher nur zu 50 Prozent ohne Auflagen nutzen durfte, erhielt von der EU die Genehmigung diese Kapazitäten zu erhöhen. Diese Entscheidung ist auch im Hinblick auf die geplante Leitung Nord Stream 2 bedeutsam. Mit Nordstream wird die Ukraine als Transportroute für Gaslieferungen umgangen.

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„Die aktuelle Vereinbarung stellt einen ausgewogenen Kompromiss zwischen den Interessen der Parteien und den Anforderungen des Marktes dar und befindet sich im Einklang mit dem deutschen Energierecht“, so Eduard Schmitke, Geschäftsführer von OPAL Gastransport.

Theoretisch sind die beide Unternehmen in der Lage, bei hoher Nachfrage bis zu 20% der Kapazitäten von OPAL zu nutzen. Das sind rund rund 36 Mrd. m3.  Nach der neuen Vereinbarung darf OPAL nicht nur seine Teilkapazität von 50% behalten, sondern erhält zusätzlich das Recht, auf Kapazitäten von bis zu 12,8 Mrd. m3  zu bieten, falls andere Lieferanten keinen Bedarf anzeigen. Die ersten monatlichen Auktionen sollen im Januar 2017 auf der Plattform „Prisma“ beginnen, wie es in der Pressemitteilung heißt.

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Bereits im Mai hatte die Bundesnetzagentur einen Antrag auf Änderung der aktuellen Regulierungsvorschriften eingereicht, da ein erheblicher Teil der Leitungskapazitäten von OPAL nicht genutzt wurde. Diesem Antrag gab die EU nicht statt. Um aber Gaslieferungen nach Europa besser zu entsprechen und die Versorgung der Ukraine im Winter zu gewährleisten, hat die EU einem Kompromissvorschlag zugestimmt. Der garantiert   Gazprom nach Ablauf des Vertrags im Jahr 2019 weiterhin Gas durch die Ukraine zu leiten. Damit gelingt Gazprom ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunftsplanung: die Kapazitätsverdoppelung von Nordstream durch Nordstream 2.

Die polnische Regierung fürchtet durch die neue Regelung die zunehmende Marktdominanz von Gasprom und überlegt rechtliche Schritte einzuleiten. Es bestünde die Gefahr, dass Polen zukünftig vom derzeitigen Gasversorgungssystem abgeschnitten werden könnte.

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