Frankreich beharrt auf Glyphosat-Ausstieg

Im Tauziehen um die Zukunft des Unkrautvernichters Glyphosat hat die EU-Kommission einen neuen Vorschlag unterbreitet. [Chafer Machinery/Flickr]

Frankreich stemmt sich gegen die Verlängerung der Zulassung des umstrittenen Herbizids Glyphosat. Umweltminister Hulot kündigte für Beratungen in Brüssel eine „feste Position“  an.
Frankreich will bei den Beratungen über das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat in Brüssel gegen eine Zulassungsverlängerung eintreten. „Meine Position wird fest sein“, sagte Umweltminister Nicolas Hulot am Dienstagabend vor einem Senatsausschuss in Paris. „Ich bin aber nicht sicher, ob die anderen EU-Länder unserer Position folgen werden.“
Ein Sondergremium berät am Mittwoch und Donnerstag in Brüssel über eine Verlängerung der Zulassung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat um zehn Jahre. Eine Abstimmung ist für September vorgesehen.
Das Herbizid ist hoch umstritten: Während das Internationale Krebsforschungszentrum die Chemikalie als „wahrscheinlich“ krebserregend einstuft, hält die EU-Chemieagentur ECHA ein solches Risiko für „unwahrscheinlich“. Die EU-Kommission hatte im Juni vergangenen Jahres nach einer monatelangen Hängepartie mangels einer Mehrheit der Mitgliedstaaten für oder gegen Glyphosat die Zulassung vorerst um anderthalb Jahre verlängert, bis Ende dieses Jahres. Frankreich stimmte gegen eine Verlängerung.
https://www.euractiv.de/section/europakompakt/news/eu-kommission-fordert-entscheidung-zu-glyphosat/
„Ich höre die Bemerkung: ‚Es gibt zu Glyphosat keine Alternative'“, sagte Hulot am Dienstagabend. „Aber warum? Weil eine Entscheidung immer vertagt wird und deswegen keine Alternativen gesucht werden.“ Die Frage ist auch innerhalb der Bundesregierung umstritten: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) ist gegen eine Verlängerung der Zulassung, Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) dafür.
Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender, und Harald Ebner, Grünen-Sprecher für Gentechnik sehen in Frankreichs Nein zur Glyphosat-Zulassung eine „Chance, das Gift endlich vom Acker zu bekommen“. Die Kanzlerin sowie  Bundesagrarminister Christian Schmidt müssten ihre Position im Interesse von Menschen und Umwelt revidieren, und auch Umweltministerin Hendricks dürfe sich nicht „durch ein paar kosmetische Korrekturen“ umstimmen lassen. Die immer neuen Zweifel an der behördlich bescheinigten Unbedenklichkeit von Glyphosat müssen laut Ebner und Hofreiter ernsthaft geprüft werden.
Der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbands, Franz-Josef Holzenkamp, forderte die Bundesregierung hingegen auf, „nicht vor Umwelt-Aktivisten“ einzuknicken und für eine Verlängerung zu stimmen. Im Raiffeisenverband sind genossenschaftlich orientierte Unternehmen der Land- und Ernährungswirtschaft vertreten.

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