F-Gase: EU einigt sich auf Ausstieg aus den Klimakillern

"Wir haben ein ehrgeiziges Abkommen erreicht, das ein Ende der F-Gase bedeutet", sagte Bas Eickhout (Bild), der bei den Gesprächen mit den EU-Mitgliedstaaten als Verhandlungsführer des Europäischen Parlaments fungierte. [European Parliament/Alexis HAULOT]

Die Abgeordneten in Brüssel haben sich auf Fristen geeinigt, ab denen Wärmepumpen und Schaltanlagen ohne fluorierte Gase auskommen müssen. Stattdessen soll schrittweise auf klimafreundlichere Alternativen umgestellt werden.

F-Gase sind für etwa 2,5 Prozent der Treibhausgasemissionen in der EU verantwortlich. Zu den schlimmsten Gasen gehört SF6, das 25.000-mal klimaschädlicher ist als CO2. Die EU hat sich im Rahmen des Montrealer Abkommens und seiner Kigali-Ergänzung zu einem raschen Ausstieg aus allen F-Gasen verpflichtet.

F-Gase sind jedoch auch für das Funktionieren wichtiger Technologien unerlässlich: Wärmepumpen und Schaltanlagen für elektrische Systeme.

Dies machte die Verhandlungen politisch heikel, da der Verhandlungsführer der Grünen, Bas Eickhout, mehr forderte, als die Mitgliedstaaten  zu geben, bereit waren. Die Verhandlungen im Juli scheiterten aus diesem Grund.

Diese Probleme wurden inzwischen ausgeräumt und die Unterhändler konnten das Abkommen am Donnerstag (5. Oktober) in Rekordzeit abschließen.

„Wir haben ein ehrgeiziges Abkommen erreicht, das ein Ende der F-Gase bedeutet“, sagte Eickhout, der bei den Gesprächen mit den EU-Mitgliedstaaten als Verhandlungsführer des Europäischen Parlaments fungierte.

Die Spanierin Teresa Ribera Rodríguez, deren Land im Namen der Mitgliedstaaten  verhandelte, zeigte sich „äußerst zufrieden“ mit dem Ergebnis.

Nach monatelangen Verhandlungen und einer hartnäckigen Lobbykampagne, die sich gegen das Gesetz gewehrt hat, stellt sich nun die Frage: Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

Der vollständige Ausstieg aus den F-Gasen bis 2050 steht. Bis dahin wird die F-Gas-Quote stark sinken. Zwischen 2026 und 2032 wird die Anzahl der in der EU zugelassenen F-Gase um 80 Prozent sinken. Dieser allgemeine Kurs war während der Verhandlungen weitgehend unumstritten und hält die EU auf Kurs, um ihre internationalen Klimaverpflichtungen zu erfüllen.

„Die heutige Einigung über die F-Gas-Verordnung ist einer der größten Klimasiege der von der Leyen-Kommission“, sagte das Europäische Umweltbüro, in dem grüne Nichtregierungsorganisationen aus ganz Europa zusammengeschlossen sind.

Allerdings gibt es finzwischen ür 2030 eine Klausel, die besagt, dass die EU-Kommission dann prüfen muss, ob Alternativen zu F-Gasen bestehen, bevor sie mit dem Verbieten anfängt.

Die gezielten Produktverbote erwiesen sich als am umstrittensten. Insbesondere Wärmepumpen, die auf F-Gase angewiesen sind, um die Wärme von außen in die Häuser zu leiten, und Schaltanlagen, die den Stromfluss regulieren und F-Gase benötigen, um zu funktionieren.

Zunächst befürchtete die Wärmepumpenindustrie, dass ein zu schnelles Verbot der Nutzung von F-Gasen in ihren Produkten den aufstrebenden Markt zum Einsturz bringen würde. Der vereinbarte Kompromiss schließt ab 2027 kleine Wärmepumpen (und Klimaanlagen) aus, die mit F-Gasen betrieben werden, die 150-mal schlimmer sind als CO2, vom Markt aus.

Alle anderen kleinen F-Gas-Modelle werden ab 2032 verboten.

Der Chef der Wärmepumpen-Lobby, Thomas Nowak, bezeichnete diesen Zeitplan als „ehrgeizig, aber machbar.“ Größere Modelle, einschließlich solcher mit Split-Systemen, was die Installation erschwert, sollen ab 2035 vollständig verboten werden.

EPEE, ein breiter Verband der Wärmepumpen- und HLK-Industrie, bezeichnete den Ansatz des Europäischen Parlaments als „dogmatisch.“ Er argumentierte, dass das Gesetz die Dekarbonisierung der EU gefährde.

Die Abgeordneten hoffen ihrerseits, dass eine schnellere Beschränkung des Marktes die europäischen Hersteller vor ihren erfahreneren Konkurrenten im Ausland schützen wird.

„Europäische Unternehmen sind bereits führend in der Entwicklung sauberer Alternativen zu F-Gasen, daher wird dieses Gesetz gut für das Klima und die europäische Wirtschaft sein“, so Eickhout.

Schaltanlagen kommen gut weg

Der Stromnetzverband Eurelectric zeigt sich erleichtert. Schaltanlagen, die für das Funktionieren des Stromnetzes unerlässlich sind, werden nach intensiver Lobbyarbeit im Frühjahr in den Genuss zahlreicher Ausnahmeregelungen kommen.

„Die vorläufige Einigung ist eine gute Nachricht. Sie ermöglicht einen geordneten Übergang, indem sie einen realistischen Ausstieg aus der Verwendung von F-Gasen mit wichtigen Sicherheitsvorkehrungen und einer Ausnahmeregelung festlegt“, sagte Kristian Ruby, Generalsekretär von Eurelectric.

Die Verwendung von F-Gasen in Mittelspannungsschaltanlagen wird ab 2030 verboten sein, während der Ausstieg für Hochspannungsmodelle auf 2032 festgelegt wird. Sollten darüber hinaus keine klimafreundlichen Alternativen zur Verfügung stehen, kann das extrem klimaschädliche SF6-Gas weiter verwendet werden.

Die Regulierung von Schaltanlagen war dadurch erschwert worden, dass einige wenige Hersteller sie ohne F-Gase produzieren können. Dies führte zu einer konzertierten Lobbyarbeit ihrer Konkurrenten, um nicht vom Markt verdrängt zu werden.

[Bearbeitet von Alice Taylor und Frédéric Simon]

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