Europäische Zentralbank will Tempo von Anleihenkaufprogramm PEPP reduzieren

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat angekündigt, das Tempo des Anleihenkaufprogramms PEPP zu reduzieren. [OLIVIER MATTHYS / EPA-EFE]

Die Europäische Zentralbank (EZB) will das Tempo der Anleihenkäufe unter ihrem Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) künftig moderat reduzieren. Die Leitzinssätze bleiben derweil auf historisch niedrigem Stand.

Günstige Finanzierungsbedingungen könnten auch dann aufrecht erhalten werden, „wenn der Umfang des Nettoerwerbs von Vermögenswerten im Rahmen des Pandemie-Notfallankaufprogramms gegenüber den beiden Vorquartalen moderat reduziert wird“, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag (9. September).

Die Dauer des Anleihenkaufprogramms blieb unverändert, ebenso auch die Leitzinsen der EZB. Im Rahmen des PEPP mit einem Umfang von 1,85 Billionen € werde die EZB weiterhin „flexibel“ und „in Abhängigkeit von den Marktbedingungen“ Staats- und Unternehmensanleihen kaufen, hieß es.

Der EZB-Rat bestätigte die Laufzeit des Programms bis mindestens Ende März 2022. „In jedem Fall“ werde das Programm jedoch fortgesetzt, bis die EZB zu dem Schluss komme, „dass die Phase der Corona-Pandemie zu Ende“ sei. Lagarde betonte, dass es sich bei dem Schritt nicht um „Tapering“, also das Herunterfahren des Hilfsprogramms, handele, sondern um eine „Rekalibrierung“ von PEPP.

Der EZB-Rat beließ die Leitzinsen auf ihrem historisch niedrigen Stand. Dort sollten die Leitzinsen bleiben, bis die Inflationsrate konstant und langfristig die Marke von zwei Prozent erreicht habe, erklärte der EZB-Rat weiter.

Die Zentralbank beließ den zentralen Leitzins somit unverändert bei 0,0 Prozent, den Einlagenzins für Banken bei minus 0,5 %. Bei kurzfristigen Kapitalspritzen und sogenannten Übernachtkrediten werden wie bisher 0,25 % Zinsen fällig.

Für eine Übergangszeit könne die Inflationsrate dabei auch über dieser Marke liegen, erklärte der EZB-Rat weiter. Für das Jahr 2021 rechnet die EZB laut Lagarde mit einer Inflationsrate von 2,2%, für das Jahr 2022 mit 1,7% und 2023 mit 1,5%. Die derzeitigen hohen Inflationsraten
seien lediglich „temporär“, sagte Lagarde weiter.

Angesichts der Fortschritte bei Impfkampagnen und der Öffnungsschritte in vielen Volkswirtschaften erhöhte die EZB außerdem ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr.

Die Wirtschaft der Eurozone wächst demnach im Jahr 2021 um fünf Prozent, die vorherige Wachstumsprognose der EZB aus dem Juni lautete 4,6 %. Für das Jahr 2022 rechnet die EZB mit einem Wirtschaftswachstum von 4,6 %, im Juni lag die Wachstumsprognose mit 4,7 % etwas höher. Die Wachstumsprognose für 2023 blieb mit 2,2 % unverändert.

Der Leitende Ökonom der Landesbank Baden-Württemberg, Jens-Oliver Niklasch, bezeichnete die EZB-Beschlüsse vom Donnerstag (9. September) als „das Minimum des Möglichen“. Angesichts steigender Inflationsraten sei eine Fortsetzung der bisherigen Geldpolitik nicht möglich gewesen.

„Dafür bleibt die volle Flexibilität und der Rahmen des PEPP sowie der bisherige Zeitplan erhalten“, erklärte Niklasch weiter. Angesichts von Unwägbarkeiten wie der weiteren Entwicklung der Pandemie und Lieferengpässen sei dies „eine nachvollziehbare Entscheidung“.

Die Chefstrategin von Principal Global Investors, Seema Shah, bezeichnete die geldpolitischen Beschlüsse des Rats als „ersten bedeutenden Schritt in Richtung Tapering“. Da sich die EZB jedoch auf kein bestimmtes Ankauftempo festgelegt hätte, habe sich die Zentralbank „ein Stück weit Flexibilität bewahrt“.

Laut dem für die europäischen Märkte verantwortlichen Ökonom von Capital Economics, Andrew Kenningham, werden sich die monatlichen Ankäufe unter dem PEPP-Programm künftig auf rund 70 Milliarden € belaufen.

Im vorherigen Quartal betrugen die Ankäufe noch rund 80 Milliarden € im Monat. Die verminderten Ankäufe werden lediglich einen „vernachlässigbaren Einfluss“ auf die derzeit günstigen Finanzierungsbedingungen haben, erklärte Kenningham.

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