EU-Parlament schaltet sich in Debatte um EZB-Vizechef ein

Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main. [EPA-EFE/MAURITZ ANTIN]

Im Rennen um den Posten des Vizepräsidenten der EZB favorisiert das EU-Parlament Irlands Notenbank-Gouverneur Philip Lane vor Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos.

Die Mehrheit der politischen Gruppierungen habe den Auftritt des Iren überzeugender gefunden, teilte der Vorsitzende des Wirtschafts- und Währungsausschusses, Roberto Gualtieri, am gestrigen Donnerstag mit. Am Tag zuvor gab es eine informelle Anhörung mit beiden Kandidaten. Einige hatten Gualtieri zufolge Vorbehalte gegen de Guindos gehabt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) braucht einen neuen Vize an der Seite von Notenbank-Präsident Mario Draghi, weil die Amtszeit des Portugiesen Vitor Constancio im Mai nach acht Jahren endet. Die Finanzminister der Eurozone werden aller Voraussicht nach am 19. Februar über die Constancio-Nachfolge entscheiden. Das EU-Parlament hat bei der Entscheidung lediglich eine beratende Funktion. So wurde EZB-Direktor Yves Mersch vor sechs Jahren zum Mitglied des Notenbank-Führungsgremiums ernannt, obgleich sich das Parlament kritisch geäußert hatte.

Jens Weidmann: Der Anti-Draghi?

Nächstes Jahr wird der EZB-Chefsessel frei. Die Spekulationen über die Draghi-Nachfolge beginnen. Ein streitbarer Name taucht häfiger auf: Jens Weidmann.

Mehrere hochrangige Vertreter aus der Euro-Zone hatten zuletzt dem Spanier de Guindos die größeren Chancen auf den Vize-Posten zugetraut. Aus dem Umfeld der französischen Regierung hieß es, diese werde “sehr wahrscheinlich” die Bewerbung des Spaniers unterstützen. Irlands Notenbankchef Lane wird auch als ein möglicher Nachfolger von EZB-Chefvolkswirt Peter Praet genannt, dessen Amtszeit nächstes Jahr ausläuft.

Dabei lässt sich die höhere Fachqualifikation des Iren kaum bestreiten. Allerdings gilt es auch, die Balance zwischen den Mitgliedsländern zu beachten: Wird ein Südeuropäer Vize, dürfte der Chefposten nächstes Jahr in den Norden gehen. Der Bundesbanker Jens Weidmann steht angeblich hoch im Kurs.

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