EU bringt nach Nawalny-Urteil neue Russland-Sanktionen auf den Weg

Anders als von Nawalny selbst und dem Europaparlament gefordert, soll es keine Sanktionen gegen Präsident Wladimir Putin nahestehende Oligarchen geben. [EPA-EFE/YURI KOCHETKOV]

Die EU-Außenminister haben neue Sanktionen gegen Russland wegen des Vorgehens gegen den Kreml-Kritiker Alexej Nawalny auf den Weg gebracht. 

Ziel seien Verantwortliche für Nawalnys Festnahme und Verurteilung, sagte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Montag. Diplomaten zufolge sollen vier russische Verantwortliche mit Einreise- und Vermögenssperren belegt werden.

Die EU will dabei erstmals ihren neuen Sanktionsrahmen gegen Menschenrechtsverletzungen einsetzen, wie Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagte. Demnach werden sich die Sanktionen „vor allen Dingen“ gegen Vertreter „aus dem Rechtssystem“ Russlands richten. Maas rechnet mit einem konkreten Beschluss „innerhalb der nächsten Tage“. Gegen die Betroffenen würden Einreiseverbote verhängt und ihre Vermögen in der EU eingefroren.

Anders als von Nawalny selbst und dem Europaparlament gefordert, soll es keine Sanktionen gegen Präsident Wladimir Putin nahestehende Oligarchen geben. Borrell betonte, es müsse „eine klare Verbindung“ zu Nawalnys Festnahme und seiner Verurteilung geben. Sonst könnten Sanktionen vor dem Europäischen Gerichtshof angefochten werden.

Nawalny-Verbündete: Trefft Putin "wo es weh tut"

Die EU sollte den engen Bekanntenkreis von Russlands Präsident Wladimir Putin ins Visier nehmen und ihn „dort treffen, wo es weh tut“, forderten zwei enge Vertraute des inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny am Montag (22. Februar).

Nawalnys Mitarbeiter Leonid Wolkow wies diese Argumentation zurück. Ohne die Putin-treuen Oligarchen sei die „Unterdrückungsmaschinerie“ in Russland nicht vorstellbar, sagte er in Brüssel. Und die Oligarchen profitierten wiederum von dieser. Für ihn seien Putins Sicherheitsapparat und die Oligarchen zwei Seiten derselben Medaille.

Ein russisches Gericht hatte am Samstag eine Verurteilung von Nawalny zu zweieinhalb Jahren Straflager bestätigt. Nach dem Giftanschlag auf den Kreml-Kritiker im Sommer hatte die EU bereits sechs Russen auf ihre Sanktionsliste gesetzt. Unter ihnen waren Putin-Vertraute wie der stellvertretende Leiter der Präsidialverwaltung, Sergej Kirijenko, und der Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB, Alexander Bortnikow.

Russlands EU-Botschafter Wladimir Tschischow hatte die Europäer vor dem Außenministertreffen vor neuen Sanktionen gewarnt. Falls diese verhängt würden, „werden wir vorbereitet sein zu antworten“, sagte er der Zeitung „Die Welt“.

Es sei klar, „dass Russland auf Konfrontationskurs mit der Europäischen Union ist“, sagte  Borrell. Er war Anfang Februar nach Moskau gereist. Noch während seiner Visite wies die russische Regierung drei Diplomaten aus Deutschland, Polen und Schweden aus, weil sie angeblich an Protesten zur Unterstützung Nawalnys teilgenommen hatten.

EU-Außenminister wollen neue Russland-Sanktionen auf den Weg bringen

Die EU-Außenminister wollen am Montag neue Sanktionen gegen Russland angesichts des Vorgehens gegen den Kreml-Kritiker Alexej Nawalny und seine Unterstützer auf den Weg bringen. 

Die EU wertete dies als beispiellosen Affront und Demütigung ihres Chefdiplomaten. Maas sagte, die Beziehungen seien „sicherlich auf einem Tiefpunkt“. Borrells Behandlung in Moskau sei „keine Ermutigung“ zum Dialog.

Dennoch wolle die EU weiter mit der russischen Regierung im Gespräch bleiben, sagte der Minister. „Wir brauchen Russland, um viele internationale Konflikte beizulegen.“ Maas verwies dabei auf Syrien und Libyen und auf das Atomabkommen mit dem Iran. Der Schlüssel, dass der Dialog stattfinden könne, liege aber in Moskau, sagte Maas.

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