Britische Industrie: EU unzureichend auf No-Deal-Brexit vorbereitet

Gibt es keinen weiteren Aufschub, tritt das Vereinigte Königreich am 31. Oktober aus der EU aus - drei Jahre und vier Monate nach dem Brexit-Referendum. [EPA-EFE/Hollie Adams]

Ein sogenannter „No-Deal-Brexit“ wird seit der Ernennung Boris Johnsons als britischer Premierminister wahrscheinlicher. Dadurch könnte das Vereinigte Königreich am 31. Oktober ohne unterzeichnetem Austrittsvertrag aus der Europäischen Union austreten. Darauf sei die EU schlecht vorbereitet, klagt jetzt die britische Industrie. Für die britische Handelsministerin hat hingegen ein Handelsabkommen mit den USA Priorität.

Die britische Industrie befürchtet bei einem ungeordneten EU-Austritt Nachteile wegen einer unzureichenden Vorbereitung der Europäischen Union.

Mit der Ausnahme Irlands hinke die EU “um einiges” Großbritannien bei den Vorbereitungen auf einen No-Deal-Brexit hinterher, erklärte die Confederation of British Industry (CIB) am Sonntag. Dies schaffe ein Ungleichgewicht: Die Waren und Dienstleistungen der EU-Staaten erhielten einen leichteren Zugang zu Großbritannien als die britischer Firmen zur EU. “Aus Unternehmenssicht ist Großbritannien zwar verantwortungsvoller vorgegangen”, hieß es. Damit sei das Land aber in eine schwächere Verhandlungsposition geraten.

Freihandelsabkommen mit USA hat oberste Priorität

Die neue britische Ministerin für internationalen Handel räumt indes einem Freihandelsabkommen mit den USA oberste Priorität ein.

Brexit-Drama hält bereitwillige britische MdEPs nicht von ihrer Arbeit ab

Trotz der Spekulationen um den Brexit sollten britische Abgeordnete des Europäischen Parlaments, angemessen mit dem Europäischen Parlament zusammenarbeiten, meinen zwei britische MdEPs.

Sie wolle dabei auf das „erfolgreiche Telefongespräch“ zwischen Präsident Donald Trump und Premierminister Boris Johnson aufbauen, schrieb Liz Truss am Sonntagabend in der Zeitung „The Telegraph“. Sie schloss dabei die Einbeziehung des britischen Gesundheitssystems NHS in die Verhandlungen aus. Truss soll der Zeitung zufolge in den kommenden Tagen den US-Botschafter Woody Johnson treffen, bevor sie in einigen Wochen zu Gesprächen mit Handelsminister Wilbur Ross und dem Handelsbeauftragten Robert Lighthizer nach Washington fliegt.

Die US-Regierung hat Großbritannien ein umfangreiches Handelsabkommen nach dem Brexit in Aussicht gestellt. Trump erklärte am Freitag nach dem Telefonat mit Johnson, ein derartiger Vertrag sei in Arbeit. Die britische Regierung erklärte ihrerseits, die Verhandlungen würden so bald wie möglich nach dem Austritt aus der EU beginnen. Trump hatte jüngst bei einem Besuch in Großbritannien für einen Aufschrei gesorgt als er erklärte, bei einem Handelsvertrag müsse alles auf den Tisch – “also der NHS und alles andere, oder viel mehr als das”. Später zog er dies zurück.

Brüssel lässt Johnson abblitzen

Der neue britische Premierminister Boris Johnson forderte die EU am Donnerstag auf, ihre Ablehnung einer Neuverhandlung des aktuellen Brexit-Deals zu „überdenken“ – nur um von Brüssel sofort abgewiesen zu werden.

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