Beirut: Tausende Menschen nach Explosion verletzt

Chaos in Beirut: Noch immer werden Menschen aus Trümmern geborgen. [Wael Hamzeh/ epa]

Einen Tag nach der gewaltigen Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut ist die Zahl der Todesopfer nach Angaben des Roten Kreuzes auf 100 gestiegen, tausende Menschen sind verletzt.

Weitere Opfer lägen unter den Trümmern, sagte der Leiter des örtlichen Roten Kreuzes, George Kettaneh, dem Fernsehsender LBCI am Mittwoch per Telefon. Seine Organisation koordiniere zusammen mit dem Gesundheitsministerium, dass die Opfer in Leichenhallen gebracht würden, denn die Krankenhäuser seien überlastet.

Bei der Explosion in einer Lagerhalle im Hafen wurden nach offiziellen Angaben fast 4000 Menschen verletzt. Rettungskräfte suchten weiter nach Opfern. Die Behörden äußerten sich zunächst nicht zur Ursache der Katastrophe.

Durch die Wucht der Explosion zersplitterten Glasscheiben in kilometerweiter Entfernung, Straßen waren mit Trümmern und Glasscherben übersät. Große Teile des Hafens wurden vollständig zerstört und umliegende Stadtgebiete verwüstet. Kurz nach der Explosion fielen Telefon und Internet in der Stadt vorübergehend aus.

Die ohnehin schon durch die Corona-Pandemie überlasteten Krankenhäuser der Stadt sind durch die Einlieferungen der zahlreichen Verletzten überfordert. „Es ist eine Katastrophe im wahrsten Sinne des Wortes“, sagte Gesundheitsminister Hamad Hassan beim Besuch eines Hospitals.

Innenminister Mohammed Fahmi sagte am Dienstag dem Fernsehsender Al-Jadid, seit 2014 sei im Hafen Ammoniumnitrat gelagert worden. Präsident Michel Aoun erklärte dazu auf Twitter, es sei inakzeptabel, dass dort 2750 Tonnen des Stoffes sechs Jahre lang ohne Sicherheitsmaßnahmen aufbewahrt worden seien. Ammoniumnitrat kann sowohl zur Herstellung von Dünger also auch von Sprengstoff verwendet werden. Ministerpräsident Hassan Diab kündigte an, die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen.

Einige Anwohner berichteten, kurz vor der Explosion Flugzeuge gehört zu haben, was die Gerüchte um einen mutmaßlichen Angriff befeuerte. Zudem kam es zuletzt an der Südgrenze des Landes zu wachsenden Spannungen zwischen der militanten Hisbollah-Miliz und Israel. Dass israelische Militärflugzeuge Beirut überfliegen, ist allerdings nicht ungewöhnlich. Ein Sprecher der israelischen Regierung sagte, Israel „hat nichts zu tun“ mit der Explosion. Israel, arabische und befreundete Staaten boten Hilfe an.

Der Oberste Verteidigungsrat des Landes erklärte Beirut zur „Katastrophenzone“. Für die Stadt wurde ein zwei Wochen langer Notstand verhängt.

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