Alkoholkonsum: Weniger täglich, dafür Rauschtrinken weiter im Trend

Während dieser Trend bei jungen Menschen rückläufig ist, nimmt er bei Frauen über 35 Jahren zu, heißt es in dem französischen Bericht weiter. Zwischen 2017 und 2021 stieg der Anteil der Frauen, die mindestens einmal im Jahr "Rauschtrinken" begangen haben, von 21,4 Prozent auf 23 Prozent. [Kosobu/Shutterstock]

Der Trend beim Alkoholkonsum in Frankreich hat sich in den letzten Jahren verschoben: Der tägliche Konsum geht zurück, aber das gelegentliche Rauschtrinken nimmt weiter zu. Ein ähnlicher Trend kann in ganz Europa beobachtet werden.

Der Rückgang des täglichen Alkoholkonsums in Frankreich ist nichts Neues. Verglichen mit dem Jahr 2000, in dem 62,6 Prozent der Bevölkerung wöchentlich alkoholische Getränke konsumierten, sank diese Zahl bis 2021 auf 39 Prozent, so eine am Dienstag (23. Januar) von der französischen Gesundheitsagentur SPF veröffentlichte Studie.

Diese Zahlen ähneln denen, die in der Europäischen Gesundheitsumfrage (EHIS) 2019 für Belgien gemeldet wurden, sind jedoch höher als in Deutschland und niedriger als in Italien oder Spanien.

„Langfristige Trends zeigen einen Rückgang des täglichen und wöchentlichen Konsums in den letzten Jahrzehnten, der den Rückgang der Verkaufsmengen widerspiegelt“, so die nationale französische Gesundheitsbehörde in ihrem Bericht.

Für Bernard Basset, Präsident der Vereinigung Addictions France, ist dieser Abwärtstrend eindeutig „generationenbedingt“, insbesondere beim Weinkonsum. Das Glas Rotwein zu jeder Mahlzeit gehört also immer mehr der Vergangenheit an.

Im Vergleich zu 1975, als der Weinkonsum pro Einwohner bei 100 Litern pro Jahr lag, sind es 2019 nur noch 40 Liter, so die Schätzungen des französischen branchenübergreifenden Netzwerks der Weinproduzenten CNIV.

Die Jüngeren (im Alter von 18 bis 24 Jahren) konsumieren zwar weniger häufig Alkohol, aber in größeren Mengen als die Älteren, die dagegen regelmäßiger trinken.

Der Rückgang des täglichen Alkoholkonsums ist auch in ganz Europa zu beobachten, wie aus einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation über die Gesundheit in Europa 2021 hervorgeht. Darin wird darauf hingewiesen, dass der Gesamtalkoholkonsum pro Kopf zwischen 2000 und 2019 um 2,5 Liter beziehungsweise 21 Prozent gesunken ist.

Diese Zahlen müssen jedoch relativiert werden, denn neun der zehn größten Alkoholkonsumenten der Welt befinden sich in der EU, darunter die Tschechische Republik, Lettland, Deutschland, Spanien, Irland und Bulgarien.

Experten fordern obligatorische EU-Gesundheitskennzeichnung für Alkohol

Gesundheitswarnungen auf Alkohol sollten in der gesamten Europäischen Union verbindlich vorgeschrieben werden, so ein aktueller Bericht des European Policy Centre. Der Think Tank lobte die Europäische Kommission dafür, dass sie den Plänen Irlands in dieser Richtung grünes Licht gegeben hat.

Mehr Rauschtrinken bei Frauen

Jüngere Menschen (18 – 24 Jahre) trinken zwar seltener, aber in größeren Mengen als ältere Menschen, die häufiger, aber in kleineren Mengen trinken.

Bei diesem Trend, der besser als „Rauschtrinken“ bekannt ist, werden große Mengen Alkohol in sehr kurzer Zeit getrunken.

Während dieser Trend bei jungen Menschen rückläufig ist, nimmt er bei Frauen über 35 Jahren zu, heißt es in dem französischen Bericht weiter. Zwischen 2017 und 2021 stieg der Anteil der Frauen, die mindestens einmal im Jahr „Rauschtrinken“ begangen haben, von 21,4 Prozent auf 23 Prozent.

„Es gibt einen Trend zur Homogenisierung des Verhaltens von Männern und Frauen. Das Problem ist, dass Frauen bei gleichem Alkoholkonsum stärker gefährdet sind“, betont Basset.

Dies gilt umso mehr, als ein schneller und übermäßiger Konsum vor allem bei jungen Menschen unmittelbare Hirnschäden hervorrufen und sie für eine spätere Abhängigkeit prädisponieren kann.

„Ein einmaliger übermäßiger Konsum birgt nicht die gleichen Gefahren wie ein regelmäßiger Alkoholkonsum“, betonte MIDELCA, die interministerielle Mission Frankreichs zur Bekämpfung von Drogen und Suchtverhalten.

Angesichts dieses Trends warnte MIDELCA, dass „Kontrollverlust, gewalttätiges und impulsives Verhalten nicht nur für andere, sondern auch für einen selbst gefährlich sein können.“

Einem im Dezember von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlichten Bericht zufolge nimmt das Phänomen auch in Europa zu.

Dänemark, Rumänien, das Vereinigte Königreich, Luxemburg, Deutschland und Belgien gehören zu den Ländern mit den meisten Rauschtrinkern in der Welt. Frankreich steht an zehnter Stelle.

Frankreich: Patientenverbände kritisieren ausbleibende Alkoholsteuererhöhung

Die französische Regierung hat am Mittwoch (23. August) die Idee einer Erhöhung der Alkoholsteuer, die zu Beginn des Sommers vorgelegt wurde, auf Eis gelegt und somit die Hoffnungen der französischen Suchtbekämpfungsverbände zunichte gemacht.

Maßnahmen der Regierung?

Doch egal, ob Alkohol täglich oder nur gelegentlich konsumiert wird, der französische Alkoholkonsum bleibt laut EHIS einer der höchsten in Europa.

„Wir müssen weiterhin über den Konsum aufklären und vorbeugen, unabhängig von der Art des Konsums“, sagte Basset vor dem Hintergrund, dass in Frankreich mehrere Präventionskampagnen über die mit dem Alkoholkonsum verbundenen Risiken abgesagt wurden.

Die letzte Absage erfolgte im September. Der ehemalige Gesundheitsminister François Braun entschied sich in letzter Minute gegen die Ausstrahlung einer Kampagne während der Rugby-Weltmeisterschaft, wie Radio France berichtete.

Und einige haben sich bereits gefragt, ob Frankreichs neue Gesundheitsministerin Catherine Vautrin der Bekämpfung des starken Alkoholkonsums Vorrang einräumen wird. Dies gilt insbesondere angesichts der Kritik, die sie in letzter Zeit erhalten hat, weil sie auf ihrem X-Profil für Champagner und UNESCO-gelistete Weingüter geworben hat.

„Ich muss sagen, dass ich es nicht für möglich gehalten hätte, dass eine Gesundheitsministerin ein Foto auf ihrem Twitter-Banner hat, das für Alkohol wirbt“, kommentierte der nationale Koordinator von France Assos Santé, Sylvain Fernandez-Curiel, auf X.

Lesen Sie den französischen Originalartikel hier.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic/Kjeld Neubert]

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