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Europa 2020 und Reformen


Der Bundestag erhält neue Rechte in Europa. Foto: pixelio / Andreas Agne

Der Bundestag erhält neue Rechte in Europa. Foto: pixelio / Andreas Agne

Aktuell - Donnerstag 24 September 2009 - Europa 2020 und Reformen

Deutschland ratifiziert Lissabon-Vertrag am 25. Sept.

Deutsche Lissabon-Begleitgesetze

Die Lissabon-Begleitgesetze wurden heute im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Bundestag und Bundesrat werden die deutsche EU-Politik künftig deutlich stärker mitprägen - falls der Lissabon-Vertrag in Kraft tritt. Über künftige Erweiterungen der EU entscheidet aber weiterhin allein die Bundesregierung.

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Deutschland steht dem Lissabon-Vertrag nicht mehr im Weg. Am morgigen Freitag wird Bundespräsident Horst Köhler den Vertrag von Lissabon unterschreiben und damit den deutschen Ratifizierungsprozess abschließen.

Die Vorentscheidung über den Lissabon-Vertrag fällen aber die Iren nächste Woche. Sagen die Iren am 2. Oktober beim zweiten Referendum "Ja" zum EU-Reformvertrag, würden wohl auch die Präsidenten Tschechiens, Vaclav Klaus, und Polens, Lech Kaczynski, nicht länger ihre Unterschrift unter den Lissabon-Vertrag verweigern.

Deutsche Lissabon-Begleitgesetze


Heute wurden die Begleitgesetze zum Lissabon-Vertrag im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Die Rechte von Bundestag und Bundesrat werden nach den Opens external link in new windowVorgaben des Bundesverfassungsgerichts deutlich gestärkt. Vorausgegangen waren Opens external link in new windowintensive Verhandlungen zwischen den Parteien.

Das deutsche Parlament wird künftig per Gesetz zustimmen müssen, wenn die Bundesregierung bestimmte Politikbereiche auf die EU-Entscheidungsebene übertragen will.

Welche Vertragsklauseln und welche Bereiche das betrifft, ist in den folgenden Gesetzen geregelt:

Begleitgesetz 1: Initiates file downloadGesetz über die Ausweitung und Stärkung der Rechte des Bundestages und des Bundesrates in Angelegenheiten der Europäischen Union

Begleitgesetz 2: Initiates file downloadGesetz zur Änderung des Gesetzes über die Zusammenarbeit von Bundesregierung und Deutschem Bundestag in Angelegenheiten der Europäischen Union

Begleitgesetz 3: Initiates file downloadGesetz zur Änderung des Gesetzes über die Zusammenarbeit von Bund und Ländern in Angelegenheiten der Europäischen Union

Entscheidung über EU-Erweiterungen


Die neuen Mitwirkungsrechte des Parlaments gelten nicht für den Bereich der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik. Auch bei Beitrittsverhandlungen oder Vertragsänderungen liegt die alleinige Entscheidung bei der Bundesregierung. Sie kann sich dabei über den Willen des Bundestages hinwegsetzen. Konkret heißt es im Gesetzestext:

"Das Recht der Bundesregierung, in Kenntnis der Stellungnahme des Bundestages aus wichtigen außen- oder integrationspolitischen Gründen abweichende Entscheidungen zu treffen, bleibt unberührt."

mka

Hintergrund


Das Bundesverfassungsgericht hatte am 30. Juni 2009 die deutsche Ratifizierung des Lissabon-Vertrages gestoppt. (siehe Opens external link in new windowEurActiv.de vom 30. Juni 2009) Der EU-Vertrag könne erst in Kraft treten, wenn die Mitwirkungsrechte des Bundestages gestärkt seien, so die Karlsruher Richter in ihrem Opens external link in new windowUrteil. Am 26. August fand die erste Lesung der entsprechend geänderten Begleitgesetzgebung im Bundestag statt. Am 8. September hat der Bundestag gegen die Stimmen der Linken den neuen Gesetze zugestimmt.

Der Bundesrat hat den Gesetzen, die die Rechte des deutschen Parlaments bei Europafragen künftig stärken werden, am 18. September einstimmig zugestimmt. Damit ratifiziert Deutschland den Lissabon-Vertrag rechtzeitig vor dem zweiten Referendum in Irland über den EU-Reformvertrag.

Der Lissabon-Vertrag kann erst in Kraft treten, wenn er von allen 27 EU-Mitgliedsstaaten ratifiziert wurde.

Was sich in der EU mit dem Lissabon-Vertrag ändert, hat EurActiv.de im Opens external link in new windowLissabon-Dossier zusammengefasst.

Experten-Interviews zum Lissabon-Urteil


Ingolf Pernice: Opens external link in new windowBVerfG: "Bis hier hin und nicht weiter" (30. Juni 2009)
Andreas Maurer: Opens external link in new windowLissabon-Urteil: Weiter streiten, weiter klagen (1. Juli 2009)
Andreas Geiger: Opens external link in new window"Eine Anmaßung der Karlsruher Richter" (1. Juli 2009)
Eckart Stratenschulte: Opens external link in new windowMehr Rechte, mehr Pflichten: Bundestag vor schweren Zeiten (3. Juli 2009)
Günther Unser: Opens external link in new window"Lissabon-Kritiker beleben die Debatte" (7. Juli 2009)
Gerd Langguth: Opens external link in new windowLissabon und die schallende Ohrfeige (7. Juli 2009)
José Ignacio Torreblanca: Opens external link in new window"Der Lissabon-Streit beschädigt das europäische Projekt" (8. Juli 2009)
Franz Mayer: Opens external link in new window"Endgültiges Scheitern des Lissabon-Vertrags möglich" (13. Juli 2009)


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