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Wahlen und Macht


Selbst Bankräuber gehen wählen. Zumindest in der Werbung. 

Foto: EP

Selbst Bankräuber gehen wählen. Zumindest in der Werbung. Foto: EP

Aktuell - Montag 1 Juni 2009 - Wahlen und Macht

Wahl-Kampagne

Pöttering und die Bankräuber

Die Angst des EU-Parlaments vor einer schwachen Wahlbeteiligung ist groß. Eine deutsche Werbeagentur soll die Europäer zu den Urnen locken. Kostenpunkt der Kampagne: 18 Millionen Euro.

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Es ist theoretisch die zweitgrößte Wahl der Welt. 375 Millionen Wahlberechtigte sind zur Europawahl aufgerufen, nur in Indien können mehr Menschen ihr demokratisches Votum abgeben. In der Praxis könnte die Europawahl jedoch erneut ernüchternd enden. Prognosen zufolge geht 2009 nicht einmal die Hälfte der Berechtigten zur Wahl.

Bis zum Schluss trommelt deshalb die aus Berlin stammende Werbeagentur Scholz & Friends zum Urnengang. Die Kampagne im Auftrag des Parlaments wirbt in 27 Ländern gleichzeitig und auf 23 Sprachen. Für die Motivation des einzelnen Wahlberechtigten stehen 5 Cent zur Verfügung, insgesamt 18 Millionen Euro.

Nach US-amerikanischem Vorbild setzen die Macher auf das Internet. Das Parlament ist in Social Networks  wie Facebook und Myspace vertreten. Youtube-Videos mit dem Slogan „There is always time to vote“ sollen die Europäer zum Lachen bringen. Ein Clip zeigt eine Frau auf der Flucht vor einem Axtmörder, die zwischendurch Zeit für die Stimmabgabe findet. Auch türmende Bankräuber lassen sich trotz aller Eile die Wahl nicht entgehen.

Bisher bescheidene Klickzahlen

Die fiktionalen Kurzfilme scheinen mehr Aufmerksamkeit zu gewinnen als die trockene Realität. Der Axtmörder-Clip kommt aktuell auf mehr als 200 000 Klicks. Eine Videobotschaft von Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering sahen sich dagegen noch keine 1000 Menschen an. Im Vergleich zum US-Wahlkampf sind diese Zahlen aber verschwindend gering. Internetvideos von Barak Obama klickten Millionen.

Neben viralem Marketing setzen Scholz & Friends europaweit auch altbewährte Plakate ein. Darauf werden Fragen in Szene gesetzt, über die das Parlament mitbestimmt: Die Gleichstellung von Mann und Frau, die Energieversorgung,  die Herkunft der Lebensmittel. Wer die Relevanz des Parlaments für den eigenen Alltag erkennt, geht auch wählen, so die Überlegung. Ob das Konzept aufgeht, zeigt sich am 7. Juni.

Alexander Wragge

EU-Parlament: Alle Wahl-Spots

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