Neuer Job für Ferrero-Waldner

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Benita Ferrero-Waldner war als EU-Kommissarin für die Außenbeziehungen der EU zuständig. Nun wechselt Ferrero-Waldner in den Aufsichtsrat der Munich Re. Foto: EC

Der Rückversicherungsriese Munich Re holt die frühere EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner in seinen Aufsichtsrat. Die 61-Jährige ersetzt den im vergangenen Jahr verstorbenen Karel van Miert. Munich Re hat im Rahmen des Wüstenstromprojekts DESERTEC mit der EU-Kommission zu tun.

Die bisherige EU-Kommissarin und frühere österreichische Außenministerin sei gerichtlich bis zur Hauptversammlung Ende April bestellt und soll dann von den Aktionären regulär in das Kontrollgremium gewählt werden, teilte der Konzern heute mit.

Benita Ferrero-Waldner war von 2004 bis 2010 Kommissarin für Außenbeziehungen und europäische Nachbarschaftspolitik in der EU-Kommission unter Barroso.

Die Munich Re führt das Konsortium an, das seit vergangenem Jahr das Wüstenstrom-Projekt DESERTEC plant. Ziel ist der Solarstrom-Import aus Nordafrika in die EU. Die EU-Kommission könnte das Projekt regulatorisch und politisch unterstützen, etwa wenn es darum geht, die Abnahme regenerativer Energie aus dem EU-Ausland gesetzlich zu regeln. Bei der DESERTEC-Gründung im Sommer vergangenen Jahres äußerte sich eine Sprecherin Ferrero-Waldners gegenüber EurActiv.de verhalten positiv zu DESERTEC.(Siehe EurActiv.de vom 13. Juli). Was man bieten könne, sei politische Flankierung bei den anstehenden Verhandlungen mit den Ländern Nordafrikas sowie Machbarkeitsstudien für die Solarstromförderung im Mittelmeerraum.

Inzwischen ist das Thema auf EU-Ebene angekommen. Der neue EU-Energiekommissar Günther Oettinger sagte während seiner Anhörung im EU-Parlament, DESERTEC könne eine "großartige Chance" für Afrika und die EU sein(Siehe EurActiv.de vom 14. Januar 2010). Ob und wie Ferrero-Waldner ihre Kontakte in die Kommission nutzen wird, um DESERTEC zu unterstützen, bleibt vorerst Spekulation. 

Unesco-Pläne gescheitert

Ferrero-Waldner wurde in der Kommission Barroso II nicht wieder eingesetzt, obwohl der Kommissionspräsident Bedarf an weiblichen Kommissaren hatte. Auch die andere von ihr erhoffte Option, nämlich Generalsekretärin der UNESCO in Paris zu werden scheiterte. Chefin der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur wurde nicht Ferrero-Waldner, sondern die Bulgarin Irina Bokowa – eine nicht unumstrittene Entscheidung, da Bokowas Familie zur Nomenklatura des kommunistischen Bulgarien gehört hat und sich von Verfolgungen von Oppositionellen nie distanziert hat.

Ferrero-Waldner wurde vom Gericht bis zur nächsten Hauptversammlung am 28. April 2010 in den Aufsichtsrat berufen. Der Aufsichtsrat werde in seiner nächsten ordentlichen Sitzung darüber beschließen, die promovierte Juristin mit viel internationaler Erfahrung der Hauptversammlung zur Wahl vorzuschlagen.

ekö

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