Ärger um Verheugens Beratungsfirma
Günter Verheugens Potsdamer Beratungsfirma steht in der Kritik. Bricht der ehemalige Kommi...
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Die große Frage nach der Wahl: Was wird aus Kommissionspräsident José Manuel Barroso?´ Pressefoto
Aktuell - Donnerstag 11 Juni 2009 - Europa 2020 und Reformen
EU-Kommissionspräsident Barroso und Bundeskanzlerin Merkel unterhalten sich heute in Berlin über ein schwieriges Thema: Soll die neue Kommission nach dem alten Vertrag von Nizza - oder dem neuen Verfassungsvertrag von Lissabon ernannt werden?
Während die Medien bereits Personaldebatten um den künftigen deutschen EU-Kommissar und Nachfolger von Günter Verheugen (SPD) anstimmen, haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kommissionspräsident José Manuel Barroso heute ganz anderes Sorgen: Nach welchem Verfahren soll die Kommission überhaupt entstehen?
Um 15.30 Uhr wird Kommissionspräsident Barroso an diesem Dienstag im Kanzleramt erwartet. Auf der Agenda: Barrosos Zukunft, die komplizierte Kommissionsbildung und ein "wichtiger, wirtschaftsnaher" Posten für Deutschland.
Geht es nach dem EVP-Vorsitzenden Joseph Daul, soll Kommissionspräsident José Manuel Barroso noch im Juni im Amt bestätigt werden, und zwar noch nach dem geltenden EU-Vertragswerk von Nizza.
Auch Tschechiens neuer Premierminister Jan Fischer - heute (9. Juni 2009) ebenfalls bei Angela Merkel - will sich dafür stark machen, Barroso so bald als möglich zu ernennen.
Seitens des Parlaments hatte Parlamentspräident Hans Gert-Pöttering (CDU) kurz nach dem Wahlsieg der konservativen EVP signalisiert, er unterstütze ebenfalls eine zweite Amtszeit Barrosos.
Die weiteren Kommissare würden nach dem Kompromiss erst später - dann auf Grundlage des Lissabon-Vertrags ernannt und bestätigt werden, der eine verkleinerte Kommission vorsieht.
Kompliziert wird die Kommissions-Findung durch die Unsicherheit, ob der Lissabon in Irland angenommen und in Deutschland für verfassungsgemäß erklärt wird. Der Europäische Rat will kommende Woche die Modalitäten der Kommissionsfindung und eine vorgezogene Bestätigung Barrosos besprechen. Bundeskanzlerin Merkel könnte bei ihren Treffen mit Barroso und morgen mit Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy wichtige Weichen in diesen Fragen stellen.
EU arbeitet an einem Übergangsszenario
Am 30. Juni wird die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Verfassungsmäßigkeit des Vertrags von Lissabon entscheiden. In Irland geht der Lissabon-Vertrag im Oktober in ein neues Referendum - die Zustimmung dazu ist in der Krise gewachsen. Bleiben noch die fehlenden Unterschriften der Staatspräsidenten Polens, Lech Kaczynski, und Tschechiens, Vaclav Klaus.
Auf die Schweden als neue Ratspräsidenten kommt eine große Herausforderung zu. Sie müssen an einer Übergangslösung arbeiten, vielleicht sogar an einem Notfallszenario. Der Zeitplan ist straff. An eine Sommerpause ist dieses Jahr nicht zu denken.
4. bis 7. Juni 2009 waren die Europäische Parlamentswahlen.
18./19. Juni 2009: EU-Gipfel; EU-Chefs sollen Wahlergebnisse diskutieren und potenzielle Mandatsverlängerungen der Kommission
1. Juli 2009: Schweden übernimmt die rotierende Ratspräsidentschaft, mit Notfallplänen für Lissabon und Nizza-Szenarien für die neue Kommission.
Oktober 2009: Erwartetes Datum des zweiten irischen Lissabon-Referendums.
5. und 6. November 2009: Verspäteter EU-Gipfel wird Ergebnis des irischen Referendums evaluieren und die Pläne für die neue Kommission finalisieren.
Dies eröffnet die Möglichkeit, dass die Amtszeit der jetzigen 27 Kommissare bis nach dem zweiten irischen Referendum im Oktober 2009 verlängert wird. Die schwedische EU-Präsidentschaft hat bereits verkündet, dass sie ihren Herbstgipfel vom 5. bis 6. November 2009 abhalten wird, weitaus später als üblich, um die Umsetzung des irischen Referendums sicherzustellen.
Sollte Irland mit "Ja" stimmen, und würde der Lissabon.Vertrag in Kraft treten. Dann gelten auch die Unterschriften der Staatspräsidenten Polens und Tschechiens als wahrscheinlich. In diesem Fall würde die neue Kommission, wie es Irland versprochen wurde, mit 27 Kommissaren - also jeweils einem pro Land - wieder ernannt werden.
Sollte Irland mit "Nein" stimmen, würde die Lage brenzliger: Um mit den Vorgaben von Nizza überein zu stimmen, müsste die Kommission um ein Mitglied reduziert werden. Daher könnte der Gipfel im November sich entweder auf ein Rotationsprinzip der Geschäftsbereiche einigen oder, alternativ dazu, die Anzahl der Kommissare um einen reduzieren und den Hohen Vertreter für Außen- und Sicherheitspolitik de facto als Kommissar zählen.
Unter vorgehaltener Hand haben einige Politiker, die des "irischen Problems" überdrüssig sind, darüber spekuliert, man könne Irland seinen Kommissar entziehen, um dem Nizzakriterien zu entsprechen, sollte ein zweites Referendum versagen. Allerdings scheint es nicht wahrscheinlich, dass eine solche Bestrafungstaktik sich durchsetzt.
Deutschland strebt stärkere Rolle in Europas Wirtschaftspolitik an
Inmitten dieser Ungewissheit will Deutschland seine Rolle in der EU stärken, vor allem in Wirtschaftsfragen. Deutschland wolle ein "wichtiges, wirtschaftsnahes" Dossier, wie ein Regierungssprecher im Vorfeld der Treffen sagte, und nannte die Dossiers Wettbewerb, Binnenmarkt und Industrie. Man wolle deutlich machen, dass Deutschland auch in der künftigen Kommission als größtes,
wirtschaftsstärkstes Land Verantwortung übernehmen werde.
Noch ist offen, wie viele Kommissare versuchen werden, ein zweites Mandat zu bekommen - und ob ihre Regierungen sie auch entsenden werden. In deutschen Medien tauchen verschiedene Politiker als neue Anwärter auf - doch wird sich erst nach der Bundestagswahl im September entscheiden, wer darüber das Sagen bekommt. Die CDU hätte mit dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch oder mit dem Finanzexperten Friedrich Merz zwei eigene Kandidaten. Bei der FDP scheint nach dem Erfolg bei der Europawahl Spitzenkandidatin Silvana Koch-Mehrin als gesetzt. In der SPD wäre der agile Europa-Abgeordnete Martin Schulz Favorit, für den sich sowohl EU-Kommissar Verheugen als auch Bundesaußenminister Steinmeier stark machen.
Rückkehr in die Heimatländer?
Im Januar 2009 erregte EurActiv mit der Nachricht Aufmerksamkeit, dass die nächste Europäische Kommission mehr als zwanzig neue Gesichter haben könnte, da die meisten aktuellen Mitglieder der EU-Exekutive ihren Posten verlassen werden, sei es aus persönlichen Gründen, oder weil sich die eigene nationale politische Landschaft verändert hat.
In diesem Jahr sind indes viele Kommissare bei den EU-Wahlen auf ihren nationalen Listen als profilierte Kandidaten angetreten. Sollten sie sich entscheiden, für den Wahlkampf in ihre Heimatländer zu gehen, dann müssten viele ihren Posten bereits frühzeitig verlassen. Sollten sie allerdings nur ihren Namen für die Parteilisten zur Verfügung stellen, dann sind sie nicht dazu verpflichtet abzutreten.
Theoretisch könnte ein Kommissar so den Spitzenplatz auf der Wählerliste besetzen und viele Stimmen auf Grund seines Bekanntheitsgrades sammeln und dann entscheiden, seinen Sitz an die nächste Person auf der Liste weiterzugeben, während er weiterhin für die EU-Kommission arbeiten würde.
Poul Nyrup Rasmussen, Präsident der Europäischen Sozialisten (PES), sagte gegenüber EurActiv, dass einige Kommissare ihren Bekanntheitsgrad nutzen würden, um sich als Kandidaten zu präsentieren. Dies sei falsch, und der Kommissionspräsident sollte darauf bestehen, dass jeder, der so verfahren wolle, zurücktreten müsse.
Rasmussen sagte außerdem, obwohl Kommissare parteipolitisch gebunden seien, sollten sie ihre Amtstätigkeit von ihren parteipolitischen Ambitionen getrennt halten. Er fügte hinzu, dass er alles in seiner Macht unternehme, dies zu unterbinden, sollte er feststellen, dass Kommissare ihre Position missbrauchen würden. Er wolle die internen Verhaltensregeln der Kommission überarbeiten lassen.
Barroso kommt zweiter Amtszeit nahe
Seit seiner Ankündigung im Juli 2008, ein zweites Mal als Kommissionspräsident anzutreten, scheint es fast so, als ob Barroso Wiederernennung ausgemachte Sache sei. Obgleich seine oft als zu passiv kritisierte Rolle während der Weltwirtschaftskrise seinen Ruf überschattete, blieben die ihn unterstützenden konservativen Parteien im EU-Parlament in der Mehrheit, auf die er bauen kann.
Es sieht so aus, als ob Barosso die Unterstützung einer breiten Mehrheit aus Europas mitte-rechts Politikern erwarten darf: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, Italiens Präsident Silvio Berlusconi, Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker und der Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering, sowie einige Mitte-Links Regierungschefs wie der Spanier José Rodríquez Zapatero und der Portugiese José Sócrates schienen auf seiner Seite zu stehen.
Allerdings verweigerte Sarkozy nun bei seiner Rede vor dem außerplanmäßigen EU-Gipfel am 1. März 2009 dem ehemaligen portugiesischen Premierminister seine uneingeschränkte Unterstützung und schlug vor, lieber zu warten, bis Irland ein weiteres Mal über den Vertrag von Lissabon abgestimmt hat.
Weitere politische Quellen haben unterdessen EurActiv berichtet, dass - entgegen der Pressespekulationen - die deutsche Kanzlerin Angela Merkel davon Abstand genommen hat, Barosso für eine zweite Amtszeit zu unterstützen und stattdessen lieber seine aktuelle Handhabung der Finanzkrise abwarten will, bevor sie darüber entscheidet.
Trotz der aktuellen Rückschläge erhält Barosso weiterhin starken Rückhalt von Mitgliedern des Europäischen Rates (welcher den Kommissionspräsidenten ernennt).
Weiterführende Links:
Offizielle Quellen
EU-Kommission:
Der Verfassungsvertrag von Lissabon
EU-Kommission:
Zusammensetzung der Barroso-Kommission
Medien
Handelsblatt.com:
Schäuble für Direktwahl eines EU-Präsidenten
FAZ.net:
Kommentar zur Europawahl "Glück und Not"
Tagesschau.de:
Wie funktioniert die EU
Bertelsmann-Stiftung:
Ratifizierungmonitor zum Lissabon-Vertrag
Blogs
Brussels Blog (FT):
Barroso’s second term priorities (Englisch)
Anyonebutbarroso.eu:
Online-Kampagne gegen eine zweite Amtszeit Barosos (Englisch)![]()
Who-is-your-candidate.eu:
The campaign for a transparently and democratically elected president of the European Commission (Englisch) 
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