Anerkennung ausländischer Abschlüsse

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Das neue Anerkennungsgesetz sorgt u.a. dafür, dass nun auch ein türkischer Arzt bei Vorliegen der fachlichen Voraussetzungen eine Approbation erhalten kann. Das war bisher - selbst wenn er in Deutschland studiert hatte - nicht möglich. Foto: Martin Büdenb

Im Ausland erworbene Berufsqualifikationen werden in Deutschland künftig schneller und nach einheitlichen Standards bewertet und leichter anerkannt. Das entsprechende Gesetz ist nun in Kraft getreten. Ein Überblick.

Ein neues Gesetz mit dem komplizierten Titel "Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen" (BQFG) soll die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse künftig vereinfachen.

Das neue Anerkennungsgesetz ist seit dem 1. April 2012  in Kraft. Damit hat nun jeder, der einen im Ausland staatlich anerkannten Berufsabschluss erworben hat, einen Rechtsanspruch auf Überprüfung der Gleichwertigkeit dieses Abschlusses mit einem in Deutschland anerkannten Abschluss. Dazu muss ein Antrag auf Gleichwertigkeitsprüfung gestellt werden.

Nach einer Übergangsfrist muss die zuständige Anerkennungsstelle ab dem 1. Dezember 2012 innerhalb von drei Monaten entscheiden, ob der ausländische Berufsabschluss dem deutschen Berufsabschluss ganz, in Teilen oder nicht entspricht. Der Antragsteller bekommt einen entsprechenden offiziellen Bescheid, mit dem er sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt bewerben kann.

Das Verfahren und die Beratung sind kostenfrei.

Gleichwertigkeitsprüfung

Für die rund 350 nicht reglementierten Berufe (Ausbildungsberufe im dualen System nach dem Berufsbildungsgesetz und im Handwerk) gibt es nun einen allgemeinen Anspruch auf eine individuelle Gleichwertigkeitsprüfung. Das gab es bisher nur für Spätaussiedler. Für diese Berufe wird die Frage, ob die mitgebrachte Qualifikation gleichwertig ist, künftig nach einheitlichen Kriterien und in einem einheitlich geregelten Verfahren beurteilt. Damit soll mehr Transparenz für Antragssteller, Arbeitgeber und zuständige Stellen geschaffen werden.

Approbation unabhängig von Staatsangehörigkeit

In einer ganzen Reihe von Berufen in Deutschland waren die Berufsausübung und auch der Zugang zu den entsprechenden Anerkennungsverfahren bisher an die deutsche Staatsangehörigkeit oder die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedsstaates geknüpft. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums schafft das Anerkennungsgesetz diese Kopplung an die Staatsangehörigkeit weitgehend ab. Ausschlaggebend sind in den meisten Berufen künftig nur der Inhalt und die Qualität der Berufsqualifikationen, nicht aber die Staatsangehörigkeit oder Herkunft. So kann nach Inkrafttreten des Gesetzes zum Beispiel auch ein türkischer Arzt bei Vorliegen der fachlichen Voraussetzungen eine Approbation erhalten. Dies war bisher - selbst wenn er in Deutschland studiert hatte - nicht möglich.

Das Bundesbildungsministerium schätzt, dass aufgrund des neuen Gesetzes  etwa 300.000 Personen ein Anerkennungsverfahren anstreben könnten.

Red.

Links

BMBF: Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen (30. März 2012)

IHK FOSA: Zentrale Stelle zur Prüfung und Bewertung ausländischer Berufsqualifikationen im Bereich der IHK

Zum Thema auf EurActiv.de

Deutschlands Weg zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse
(22. März 2011)

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